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FACHKRÄFTE: Neue Wege gegen Mangel in Pflege

Um den Bedarf an Personal in der Pflege und Betreuung zu decken, müssen Gesundheitsberufe Perspektiven bieten. Ein Zentralschweizer Bildungszentrum tüftelt deshalb an einem Projekt mit Pioniercharakter.
Evelyne Fischer
Sind in den nächsten Jahren besonders gefragt: diplomierte Pflegefachfrauen. (Bild: Corinne Glanzmann (Wolhusen, 27. April 2017))

Sind in den nächsten Jahren besonders gefragt: diplomierte Pflegefachfrauen. (Bild: Corinne Glanzmann (Wolhusen, 27. April 2017))

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Die Rekorde überschlagen sich: Jahr für Jahr sind bisher die Zahlen der Lehrlinge und Studenten gestiegen, die sich in der Zentralschweiz im Gesundheitsbereich aus- und weiterbilden lassen. 2016 knackte man bei Neueintritten gar die 1000er-Marke. Aufgrund geburtenschwächerer Jahrgänge könnte es diesen Herbst erstmals einen Rückgang geben (siehe Grafik).

Das bisherige Wachstum ist zum einen mit der Popularität der Gesundheitsberufe zu erklären: Bei den beliebtesten Ausbildungen 2016 belegte die Fachfrau Gesundheit (Fage) in Luzern den zweiten Platz. Der Anstieg ist auch eine Folge der 2014 eingeführten Ausbildungsverpflichtung: Als einziger Zentralschweizer Kanton besitzt Luzern ein Bonus-Malus-System, das Heime und Spitex-Organisationen anhält, Fachleute auszubilden. In Zug, Schwyz, Uri sowie Ob- und Nidwalden wird die Ausbildungspflicht über Leistungsverträge mit Spitälern geregelt.

«Dürfen uns nicht zurücklehnen»

Trotz der Tatsache, dass die Zentralschweiz entgegen dem nationalen Trend steigende Ausbildungszahlen verzeichnet, will man sich hier nicht auf den Lorbeeren ausruhen: «Wir sind stolz auf diese Entwicklung, dürfen uns aber nicht zurücklehnen», sagt Tobias Lengen, Geschäftsführer der Zentralschweizer Interessengemeinschaft für Gesundheitsberufe (Zigg). Denn: Der jüngste nationale Versorgungsbericht für Gesundheitsberufe von 2016 zeichnet eine düstere Prognose. Die heute rund 180 000 Angestellten reichen bei weitem nicht aus, um den Pflege- und Betreuungsbedarf der wachsenden und immer älter werdenden Bevölkerung zu decken. Bis ins Jahr 2025 braucht’s zusätzlich 45 000 Arbeitskräfte. Bis 2030 gar 65 000 mehr. «Hinzu kommt der Ersatzbedarf für Angestellte, die den Beruf wechseln oder pensioniert werden», sagt Lengen.

Es gelte nun, in zwei Bereichen den Hebel anzusetzen: Einerseits brauche es eine attraktive Ausbildung, andererseits müsse die Berufsverweildauer gesteigert werden. Zu Letzterem besagt die nationale Studie: Ein Drittel der unter 35-jährigen Pflegenden ist nicht mehr im Beruf tätig. Bei den über 50-Jährigen sind es 56 Prozent. Um die Verweildauer zu steigern, sei «genügend und genügend gut qualifiziertes Personal» ein «Erfolgsfaktor erster Ordnung», heisst es im Bericht. Ein Thema sind auch klare Lohnstrukturen oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

«Um das Pflegepersonal in der Branche zu behalten, braucht es auch Entwicklungsmöglichkeiten», sagt Jörg Meyer, Direktor der Höheren Fachschule Gesundheit Zentralschweiz (HFGZ) und Luzerner SP-Kantonsrat. Gemäss der Devise «Kein Abschluss ohne Anschluss» erarbeiten Zigg und HFGZ derzeit eine neue Weiterbildung für Fage in der Akutpflege, die im Herbst 2018 starten soll. Ziel ist es, für diese Zusatzqualifikation im Spital dereinst die eidgenössische Anerkennung als Berufsprüfung zu erhalten – so wie sie bereits für Altersheime und bald auch für die Psychiatrie existiert. Ein Projekt mit nationalem Pioniercharakter. «Uns fehlen in den nächsten Jahren vor allem diplomierte Pflegefachpersonen», sagt Meyer. Eine grosse Pensionierungswelle stehe an. Das Studium an der Höheren Fachschule sei jedoch nicht für alle Fage geeignet. «Die geplante Weiterbildung lässt uns eine Lücke schliessen.» Die Zusatzqualifikation befähige die Fage etwa, einen Patienten für einen Eingriff vorzubereiten, ihn in den Operationssaal zu begleiten und ihn später im Aufwachraum abzuholen. Bei einem Notfalleintritt ermächtigt die Weiterbildung die Fage, bereits einen Venenzugang zu legen und eine Infusion gemäss ärztlicher Verordnung anzuhängen. «Die Pflegefachperson kann sich so umgehend um die Krankengeschichte kümmern und das weitere Vorgehen mit dem Arzt besprechen», so Meyer.

Die Weiterbildung wird unter anderem zusammen mit dem Luzerner Kantonsspital (Luks) entwickelt. «Dem Beruf der Fage bieten sich in der Akutpflege heute zu wenig Laufbahnmöglichkeiten. Das wollen wir ändern», sagt Michael Döring, Departementsleiter Pflege und Soziales beim Luks. «Das Erfolgsmodell der Berufsprüfung Langzeitpflege ist ein Vorbild für uns.» Das nötige Potenzial sei vorhanden. «Wenn sich die Weiterbildung etabliert hat, erwarten wir in den nächsten Jahren aus dem Luks ein bis zwei Klassen pro Jahr.»

Die Bestrebungen kommen auch bei Angelica Ferroni, Rektorin des Berufsbildungszentrums Gesundheit und Soziales in Sursee, gut an. Höhere Fachprüfungen würden den Fage erlauben, sich in ihrem angestammten Beruf weiterzuentwickeln. «Denn wir brauchen im Gesundheitsbereich Personal auf allen Stufen.»

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