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FAHNDUNGEN: Ungelöste Fälle in der digitalen Warteschlaufe

Nicht nur nach Fussball-Randalierern fahndet die Luzerner Polizei im Internet, sondern auch nach Mördern, Zeugen und vermissten Menschen. Und das teilweise schon seit Jahren.
Alexander von Däniken
Wird noch immer gesucht: Ausbrecher Veton Kastrati. (Bild: Luzerner Polizei)

Wird noch immer gesucht: Ausbrecher Veton Kastrati. (Bild: Luzerner Polizei)

Dieser Fall etwa beschäftigt die Ermittler nun schon seit zehn Jahren: Gertrud Krüsi (81) wird am 31. August 2005 in ihrer Wohnung im Stadtluzerner Weyquartier erstochen. Die Tatwaffe, ein Teppichmesser, wird sichergestellt. Ebenso Blutspuren, die von einer unbekannten Frau stammen. Trotz der Spuren und einer in Aussicht gestellten Belohnung von 10 000 Franken ist der Mord noch nicht aufgeklärt, wie ein Blick in die Internet-Fahndungsrubrik der Luzerner Polizei zeigt.

Die Fragen im seit 24. Januar 2006 aufgeschalteten Eintrag: Wer hat am besagten Tag im Haus an der Wey­strasse 8 in Luzern eine unbekannte Frau gesehen oder beobachtet? Wer hat kurz nach der Tat eine Frau gesehen oder beobachtet, die eine Schnittverletzung hatte und im Besitz der Mordwaffe war? Wo hat sich Gertrud Krüsi oft aufgehalten?

Aktivität nimmt mit Dauer ab

Umfassende Antworten auf diese Fragen hat die Luzerner Polizei bis heute nicht. «Zurzeit gibt es keine neuen Hinweise. Der Fall ist polizeilich sehr gut dokumentiert und Spuren, welche zu der gesuchten Täterschaft führen können, sind in den Datenbanken hinterlegt», erklärt Mediensprecher Kurt Graf. Generell seien am Anfang nach einer Tat, Flucht oder Vermisstmeldung die Aktivitäten seitens der Polizei am grössten. Sind alle Ermittlungsansätze abgearbeitet, werde es um die Ermittlungen in der Tat ruhiger. Allerdings: «Abgleiche von Spuren, das Überprüfen von Personalien und Vergleiche mit ähnlichen Taten werden in den Polizeisystemen auch nach Jahren noch gemacht.»

Wenn öffentliche Fahndungen schon seit Jahren laufen, stellt sich die Frage nach dem Datenschutz. Probleme damit gibt es nicht, versichert Kurt Graf: «Jede Fahndung ist mit einer Verjährung respektive Verfolgungsverjährung belegt. Je nach Delikt ist diese unterschiedlich lang.» Konkret bemisst sich die Dauer gemäss Strafgesetzbuch nach der jeweils angedrohten Höchststrafe. Bei einer drohenden Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren zum Beispiel verjährt die Verfolgung nach zehn Jahren, bei einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe nach dreissig Jahren.

Gefahndet wird auch international

Fahndungen und Vermisstmeldungen hat die Luzerner Polizei nicht nur auf ihrer Internetseite aufgeschaltet, sondern auch in nationalen und internationalen Fahndungsregistern. Graf: «Zudem haben rund 35 000 Smartphone-Besitzer die iPolice-App installiert. Aktuelle Fahndungen und Medienmitteilungen sind auch über diese Informationsquelle abrufbar.» Eine weitere Möglichkeit, auf ungelöste Fälle aufmerksam zu machen, wäre die TV-Sendung «Aktenzeichen XY ungelöst». Als die Sendung – bis Ende 2003 – noch mit Schweizer Beteiligung gelaufen ist, habe die Luzerner Polizei tatsächlich einmal diesen Kanal benutzt. «Es ging um Ermittlungen im Zusammenhang mit Raubüberfällen auf Bijouterien. Die eine Tat wurde im Kanton Luzern ausgeübt. Damals gab es die Möglichkeit mittels Internet noch nicht, weshalb mit der Sendung viele Zuschauer für die Fahndung erreichbar waren.»

Entscheidend: Gute Fotos

Fahndungen übers Internet bringen «ab und zu» entscheidende Hinweise, wie Kurt Graf erklärt: «Es kommt aber auch immer wieder vor, dass nicht zutreffende Hinweise eingehen. In der Regel lohnt sich eine Publikation nur, wenn qualitativ gute Bilder vorhanden sind und eine gewisse Schwere des Deliktes gegeben ist.»

Auf der Internetseite der Luzerner Polizei werden Fahndungsmeldungen pro Jahr im Schnitt 8580 Mal besucht. Die Rubrik Vermisste wird rund 5780 Mal pro Jahr eingesehen. Stichwort Vermisste: Wie hoch ist bei ausländischen Staatsangehörigen die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich im Heimatland aufhalten? «Dies ist schwierig einzuschätzen», erklärt Graf dazu. Je nach Herkunft und staatlichen Einrichtungen sei der Austausch von Daten besser oder schlechter. Im Schengenraum sei der Infofluss besser. «In Drittweltstaaten ist es eher schlechter, besonders in unstabilen politischen Lagen.» Dass sich Angehörige nach dem Stand der Suche erkundigen, komme eher selten vor.

Ausbrecher noch immer flüchtig

Auf ihrer Internetseite sucht die Polizei derzeit nach drei Tätern (Personenfahndung). Neben der mutmasslichen Täterin im Fall Gertrud Krüsi, wird auch nach Veton Kastrati gesucht. Der damals 20-jährige serbische Staatsangehörige brach am 4. April 2010 mit zwei weiteren Männern aus dem Gefängnis Willisau aus. Anders als seine Kollegen ist Kastrati noch immer flüchtig. Er war wegen versuchter Tötung verurteilt. Nach ihm wird international gefahndet.

Gemäss Kurt Graf, Mediensprecher der Luzerner Polizei, «ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass diese Person nicht in der Schweiz ist». Die dritte Personenfahndung betrifft einen Mann, der am 28. Juli 2011 im Bahnhof Luzern einen damals 41-jährigen Schweizer zusammengeschlagen und massiv verletzt hat. «Es sind zwar Hinweise eingegangen. Diese führten aber bis heute nicht zur Ermittlung des Täters», erklärt Graf.

Wo ist «Säulitoni»?

Nicht nur nach Menschen, sondern auch nach Sachen fahndet die Luzerner Polizei. Unter der entsprechenden Rubrik finden sich Uhren und Schmuck aus Einbrüchen in Bijouterien oder Gemälde, die aus Privathäusern und Hotels gestohlen wurden.

Gesucht wird aber auch die religiöse Figur «Säuli­toni», welche dem Heiligen Antonius gewidmet ist und im November 2009 in Kleinwangen gestohlen wurde.

Alexander von Däniken

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