Kolumne
Fahnenschwingen

Schutzkonzepte für Wildtiere, Alpabzugsteilnehmer und den Stadtluzerner Polizeidirektor. Unser Kolumnist Veri gibt sich in alle Richtungen bissig.

Thomas Lötscher alias Veri
Thomas Lötscher alias Veri
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Undankbar ist er, der Entle­bucher Wolf M131. Jetzt, wo die Exkursionssaison beginnt und man ihn als Biosphären-Ex­klusivität hätte vermarkten können, zeigt er sich gratis in Kriens vor der Haustüre. Undankbar. An nichts hat es ihm gefehlt an Schwändeli­flueh und Hornbüelchnubel, er hatte sogar sein eigenes Schutzkonzept: Durchs Zielfernrohr beobachten geht, schiessen gar nicht. So weit klar.

Umsonst haben die Entlebucher Älpler den Herdenschutz pingelig umgesetzt. Aus Überzeugung. Und ein Bitzeli vielleicht auch, weil es kontrolliert wird. Artenschutz, Moorschutz, Tierschutz: Auf der Alp ist alles beschutzkonzeptet, jeder Luchs, jede Libelle, jeder Geissbock. Seit Corona auch Älpler und Älplerin. So weit klar. Jedenfalls bis zur Alpabfahrt. Denn wenn der Älpler beim Einzug in Schüpfheim begeistert die Fahne schwingt, wird er dann zum Amateursportler? Oder ist es schon Kultur? Gar eine religiöse Veranstaltung, wenn er dazu auf der Kirchentreppe steht? Wichtig zu wissen, denn je nachdem gilt ein anderes Schutzkonzept.

Das Fahnenschwingen bei der FC-Luzern-Cupfinalfeier war weder Sport, Kultur noch religiöse Feier, sondern illegal. So weit klar. Trotzdem nahm es die Polizei nicht so pingelig. Vielleicht, weil der Oberfähnler ihr Chef, der Polizeidirektor war? Wohnt in Kriens. Wenn er das Gesetz mit der Flinte ge­nau so locker nimmt wie das mit Pyro und Böllern, schleicht sich M131 besser ins Hornbüelloch zurück, bevor es knallt.

Der Luzerner Regierungsrat Paul Winiker, rechts, feiert den Cupsieg mit FC-Luzern-Flagge in der Hand.

Der Luzerner Regierungsrat Paul Winiker, rechts, feiert den Cupsieg mit FC-Luzern-Flagge in der Hand.

Bild: Stringer/KEYSTONE (Montag, 24. Mai 2021)

Schade, wurde die Alpabfahrt abgesagt. Wäre doch gegangen mit dem vereinfachten Schutzkonzept: Wurst und Fahne für den Polizeidirektor, und gut ist’s. So weit klar?

Hinweis: Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redaktoren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.