«Fall dürfte in den USA verhandelt werden»

Nachgefragt

Drucken
Teilen
Tod Goodyear, Polizeisprecher in Orlando. (Bild: PD)

Tod Goodyear, Polizeisprecher in Orlando. (Bild: PD)

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Der in Hergiswil wohnhafte Deutsche, der plante, ein 13-jähriges Mädchen zu missbrauchen und zu misshandeln, wurde in Orlando, Florida, verhaftet. Wie gelang es der dortigen Polizei, den mutmasslichen Täter zu identifizieren? Wir haben nachgefragt – bei Tod Goodyear, dem Sprecher der zuständigen Polizeistation in Orlando.

Tod Goodyear, warum ist der Mann aus Hergiswil überhaupt auf Ihrem Radar aufgetaucht?
Einer unserer Polizisten war in einer verdeckten Ermittlung tätig und wurde vom Mann aus Hergiswil kontaktiert. Bei der Verhaftung erhielt der Ermittler von weiteren Mitgliedern unserer Abteilung  Support. Bei der Informationsbeschaffung über den Verdächtigen wurden wir im Vorfeld überdies von Mitarbeitern des Ministeriums für innere Sicherheit (Homeland Security Investigations) unterstützt. 

Wurde der Mann in den USA schon mal straffällig?
Uns liegen keine Informationen vor, dass gegen den Mann schon vorher in den USA ermittelt wurde. 

Der Mann wurde gemäss Medienberichten am Flughafen verhaftet und sitzt nun in einem US-Gefängnis. 
Das stimmt so nicht ganz. Denn wir haben ihn nicht am Flughafen festgenommen. Vielmehr hat ihn  der vermeintliche Vater des Mädchens ins Brevard County in der Nähe von Orlando gefahren, wo dann die Handschellen klickten. Der 55-Jährige reagierte überrascht, hat sich gegen die Verhaftung aber nicht gewehrt.

Grundsätzlich bestünde die Möglichkeit, den Mann in die Schweiz auszuliefern, damit ihm hier der Prozess gemacht wird. Wie sehen Sie die Chancen dafür? 
Der Fall wird von der Bundesanwaltschaft behandelt. Gemäss meinen Erfahrungen wird er darum wohl auch hier bis in letzter Instanz verhandelt werden.

Welches Strafmass droht dem Mann für seinen Missbrauchsplan in den USA?
Wird er in allen Punkten schuldig gesprochen, wird er eine lebenslange Haftstrafe absitzen müssen. 

Lebenslang im eigentlichen Wortsinn?
Genau, bis ans Lebensende.

Inwiefern wird man mit den Schweizer Behörden zusammenarbeiten?
Wir sind Mitglied der Spezialeinheit Internet Crimes Against Children (ICAC). Dies ist eine weltweite Organisation. In diesem Zusammenhang sind wir ständig im Austausch mit anderen Ländern.