Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Fall Malters: Der Sohn der erschossenen Frau soll ins Gefängnis

Die Rolle des Sohnes ist bisher im Dunkeln geblieben. Er war es, der die Hanf-Anlage betrieben hatte und dem die Waffe gehörte. Nun musste er sich vor Gericht verantworten.
Lena Berger
Während einer Polizeiaktion im Jahr 2016 nahm sich eine Frau das Leben. (Bild: Pius Amrein, Malters 9. März 2016)

Während einer Polizeiaktion im Jahr 2016 nahm sich eine Frau das Leben. (Bild: Pius Amrein, Malters 9. März 2016)

Wer ist der Mann, der 2016 in Malters kiloweise Marihuana anpflanzte? Und warum liess er es zu, dass seine psychisch schwer kranke Mutter dort wohnte und auch noch Zugang zu einer Schusswaffe hatte? Diese Fragen blieben im Verfahren gegen den Luzerner Polizeikommandant Adi Achermann und den damaligen Kripo-Chef Daniel Bussmann bislang offen. Die beiden sollen sich der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht haben, weil sie 2016 eine Razzia leiteten, in deren Verlauf sich eine an Schizophrenie erkrankte Frau das Leben nahm. Das Verfahren ist noch hängig, das Urteil des Kantonsgerichts wird erst in einigen Monaten erwartet.

Einen Einblick in die kriminellen Tätigkeiten des Sohnes bot nun die Verhandlung vor dem Bezirksgericht Dietikon, die am Dienstag stattgefunden hat. Der 49-Jährige, der im Kanton Zürich wohnhaft ist, musste sich wegen mehrfachen Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz, Sachbeschädigung und eines Verstosses gegen das Waffengesetz verantworten.

Mann stellt sich als liebevollen Sohn dar

In der Verhandlung bemühte sich der Mann sichtlich, das Bild des verantwortungslosen Sohnes, das aufgrund der bisherigen Berichterstattung in der Öffentlichkeit wohl entstanden ist, zu korrigieren. Er betonte, dass er mit dem Marihuana-Anbau niemandem habe schaden wollen. Vielmehr habe er seiner Mutter ein menschenwürdiges Leben ermöglichen wollen.

Allerdings zeigte die Verhandlung auch, dass der Mann in Malters nicht einfach ein paar Stauden zum Eigenbedarf angebaut hatte. Im März 2016, als die Luzerner Polizei im Auftrag der Zürcher Kollegen die Razzia durchführte, waren es rund 600 Pflanzen, die auf der Liegenschaft gedeihten. Und das war nur die Spitze des Eisbergs. Insgesamt betrieb der Mann im Zeitraum von rund vier Jahren in den Kantonen Luzern, Aargau und Zürich insgesamt sechs Plantagen. Er erntete in dieser Zeit rund 150 Kilogramm Marihuana und erzielte damit einen Umsatz von bis zu 800'000 Franken. Er nutzte das Geld, um seinen «nicht gerade bescheidenen» Lebensstil zu finanzieren, wie die Staatsanwaltschaft es formulierte. Dies wohlgemerkt, ohne dass er sich primär selber als Gärtner betätigt hätte: Er beschäftigte zwei Mitarbeiter, die sich um den Aufbau der Anlagen und die Pflege der Pflanzen kümmerten – für 25 bis 30 Franken pro Stunde.

«Der Beschuldigte handelte aus rein egoistischen und finanziellen Gründen», führte der Staatsanwalt in der Verhandlung aus. Dem widersprach der Betroffene entschieden. Er gab an, dass er nur aus einem Grund in den Drogenhandel eingestiegen sei: um seine Mutter aus den Fängen der Psychiatrie zu retten. Zu deren Vormund ernannt zu werden, sei nur unter Beizug eines Anwalts möglich gewesen. Da er sich einen solchen nicht hätte leisten können, habe er 2012 mit dem Hanfanbau begonnen.

Auch der Verteidiger stellte seinen Mandanten als einen fürsorglichen, ja selbstlosen Sohn dar, der Opfer der Umstände geworden ist. «Der Hanfanbau diente dazu, die psychisch schwer kranke Mutter betreuen zu können. Dies wäre sonst zeitlich und finanziell nicht möglich gewesen. Er handelte also aus einer moralischen Verantwortung heraus – und nicht aus Geldgier», sagte er. Zudem müsse auch strafmildernd berücksichtigt werden, dass der Sohn geständig sei und er durch den Polizeieinsatz seine Mutter verloren habe. Er leide also auch ohne Strafe bereits massiv unter den Konsequenzen seiner Taten.

Sohn soll eine halbe Million zurückzahlen

Die Staatsanwaltschaft fordert eine Busse von 1000 Franken und eine Freiheitsstrafe von drei Jahren, wovon sechs Monate unbedingt zu vollziehen seien. Nur wenn der Mann in den nächsten drei Jahren wieder straffällig würde, müsste er die volle Strafe absitzen. Zudem würde dann auch eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à je 100 Franken fällig. So oder so soll der Beschuldigte aber 500'000 Franken an den Staat zahlen. Dies, weil sich strafbares Verhalten nicht lohnen dürfe und deshalb der Gewinn daraus abzugeben sei.

Der Verteidiger plädierte aus den erwähnten Gründen für eine deutlich tiefere Strafhöhe – nämlich eine bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten. Zudem sei auf eine Ersatzforderung des Staates zu verzichten. Dies zum einen, weil sein Mandant wegen der Lohnzahlungen, der teuren Infrastruktur und der Mietzahlungen unter dem Strich gar keinen grossen Gewinn gemacht habe. Zudem sei bei dem Mann aber auch gar nichts zu holen. Er habe hohe Schulden. So seien allein schon 100'000 Franken Anwaltskosten fällig – unter anderem für die Vertretung im Verfahren gegen die Luzerner Polizei.

Kein Thema im Verfahren war die Waffe, mit der sich die Mutter des Beschuldigten in Malters das Leben genommen hatte. Dem Sohn wurde zwar ein Verstoss gegen das Waffengesetz vorgeworfen, dies allerdings wegen eines anderen Vergehens. Er besass ein bewilligungspflichtiges Schussgerät, das wie ein Kugelschreiber aussah. Den Vorwurf wegen Sachbeschädigung handelte sich der Mann ein, weil er nach seiner Verhaftung eine Polizeizelle demoliert hatte.

Das Urteil des Bezirksgerichts Dietikon soll nächsten Dienstag mündlich eröffnet werden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.