Kommentar

Freispruch im «Fall Malters» ist rechtlich und moralisch richtig

Das Verfahren im «Fall Malters» ist abgeschlossen und endet mit einem Freispruch für die Polizeikader. Die Richter konzentrierten sich auf die sachliche Ebene und fällten einen Entscheid, der auch moralisch für die Mehrheit der Bevölkerung richtig sein dürfte.

Alexander von Däniken
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Alexander von Däniken, Leiter Ressort Kanton.

Alexander von Däniken, Leiter Ressort Kanton.

Dreieinhalb Jahre bewegte der «Fall Malters» die Schweiz. Schon kurz nach dem verhängnisvollen Polizeieinsatz, bei dem sich eine 65-jährige Frau das Leben nahm, lief die öffentliche Debatte auf zwei Schienen: einer sachlich-juristischen und einer emotional-moralischen.

Der emotionale Diskurs bestand aus Meinungen über übertriebene Polizeigewalt – und noch viel mehr über die Rolle des Sohns der Verstorbenen. Er zog ein Drogengeschäft auf und hat seine psychisch kranke Mutter mit Waffen und einer Indoor-Hanfanlage in einer Wohnung in Malters einquartiert. Damit hat er einen heiklen Einsatz provoziert. Nachdem der Einsatz schiefgelaufen war, ging er juristisch gegen Polizeikommandant Adi Achermann und gegen den damaligen Kripo-Chef Daniel Bussmann vor. Der Kanton setzte in der Folge einen ausserordentlichen Staatsanwalt ein, der den Fall zur Klärung vor Gericht brachte.

Das Bezirksgericht Kriens und das Luzerner Kantonsgericht konzentrierten sich richtigerweise auf die sachliche Ebene: Die Rolle des Sohnes war für sie nicht entscheidend, sondern primär die Fragen, ob die Frau urteilsfähig war, und ob der Einsatz verhältnismässig war. Diese Abwägungen machten die Richter sorgfältig, das Kantonsgericht liess auch ein Gutachten über den psychischen Zustand der Frau machen. Die Urteile stimmen nicht nur beim Freispruch für die Polizeikader überein, sondern sind für eine Mehrheit der Bevölkerung wohl auch moralisch richtig.