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FALL SENNHAUSER: Kantonsarchäologen erhöhen den Druck

Im Streit um Grabungsdokumentationen mit einem Kirchenarchäologen haben die Kantone die eidgenössische Stiftungsaufsicht eingeschalten. Und auch der Bundesrat muss sich nun mit dem Thema befassen.
Kantonsarchäologe Jürg Manser bei der Johanniterkommende. (Bild: Eveline Beerkircher (Hohenrain, 1. März 2017))

Kantonsarchäologe Jürg Manser bei der Johanniterkommende. (Bild: Eveline Beerkircher (Hohenrain, 1. März 2017))

Susanne Balli
susanne.balli@luzernerzeitung.ch

Archäologische Funde sind Eigentum des Kantons, in dem sie gefunden wurden. Dieser Grundsatz ist im Schweizerischen Zivilgesetzbuch geregelt. Nicht geregelt ist hingegen, wem Dokumentationen zu Grabungen gehören. Sind sie Eigentum des Grabungsleiters oder der Auftraggeber? Über diese Grundsatzfrage streiten sich der Kanton Luzern und weitere Kantone seit Jahren mit dem heute 85-jährigen Hans Rudolf Sennhauser, einem emeritierten Professor für Kirchenarchäologie an der ETH und der Uni Zürich (siehe Kasten und Ausgabe vom 2. März). Mindestens 57 Dokumentationen in Form von Zeichnungen, Fotografien und Plänen zu Grabungen in 13 Kantonen sind im Besitz einer von Sennhauser gegründetet «Stiftung für Forschung in Spätantike und Mittelalter» in Bad Zurzach, deren Präsident er ist.

Jetzt nimmt der Konflikt eine neue Dimension an. Der Kanton Luzern und die Konferenz der Schweizerischen Kantonsarchäologen haben Ende März bei der eidgenössischen Stiftungsaufsicht eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht. Die Beschwerdeführer fordern, dass Sennhausers Stiftung die umstrittenen Original-Dokumentationen bis spätestens am 31. Juli 2017 an einen
sicheren Ort verbringen. Für den Fall, dass Sennhausers Stiftung den Anordnungen nicht nachkommen sollte, verlangen die Beschwerdeführer die Einsetzung eines Sachwalters, der sich um die sichere Archivierung der Dokumentationen kümmert.

«Sicherheitsgutachten ist vernichtend»

«Wir haben die Beschwerde basierend auf einem Sicherheitsgutachten gemacht, welches vernichtend ist», sagt der Luzerner Kantonsarchäologe Jürg Manser, der Leiter der Task-Force ist, welche die Kantone 2009 in dieser Angelegenheit eingesetzt haben. Das Gutachten wurde im Januar 2016 von zwei unabhängigen Experten – der Staatsarchivarin des Kantons Basel-Land und einem Büro für Kulturgüterschutz und Denkmalpflege in Zug – erstellt. Zuvor hatten die Experten den mittelalterlichen Riegelbau in Bad Zurzach, in dem die archäologischen Pläne lagern, besucht. Sie kamen im Gutachten zum Schluss, dass «gravierende Mängel bezüglich der sachgerechten Archivierung» der betroffenen Grabungsdokumentationen bestehen. «Aus archivischer Sicht besonders kritisch sind ein fehlendes Gesamtinventar (Erschliessung), die mangelhafte Verpackung und Lagerung und die fehlende Sicherheit (Brandschutz, Einbruch)», heisst es unter anderem.
Jürg Manser sagt: «Seit Jahren haben wir es mit Sennhauser auf konziliantem Weg versucht. Der ist hiermit vorbei. Das Ende der Fahnenstange ist erreicht.»

Die eidgenössische Stiftungsaufsicht hat bereits reagiert und wird die nötigen Abklärungen treffen, wie sie in ihrer Antwort an die Beschwerdeführer schreibt. «Bereits heute bitten wir Sie, uns Personen mitzuteilen, welche als unabhängige Sachwalter mit ausgewiesenen Kenntnissen in der vorliegenden Thematik allenfalls eingesetzt werden könnten. Dies im Hinblick auf durch uns zu ergreifende künftige Massnahmen», heisst es weiter.

Motion fordert, Gesetzeslücke zu schliessen

Neben der eidgenössischen Stiftungsaufsicht wird sich auch der Bundesrat mit dem Thema befassen müssen. Die Luzerner CVP-Nationalrätin Andrea Gmür-Schönenberger hat eine Motion eingereicht. In dieser fordert sie, dass der Bundesrat die Gesetzeslücke schliesst, und Dokumentationen dem gehören, der archäologische Ausgrabungen in Auftrag gibt und finanziert.

Jürg Manser begrüsst Gmürs Vorstoss. «Die Absurdität des Falls Sennhauser zeigt sich auch gerade darin, dass Sennhauser sich – basierend auf dem entsprechenden Artikel im Schweizerischen Zivilgesetzbuch – von den Funden getrennt hat. Ohne Funde kann man aber keine Ausgrabungen wissenschaftlich bearbeiten.» Es sei überfällig, dass das Gesetz der Entwicklung der Wissenschaft angepasst werde. Allerdings denkt er nicht, dass sich Sennhauser durch die Motion beeindrucken lassen wird.

Hans Rudolf Sennhauser wollte zur jüngsten Entwicklung im Archäologiestreit am Dienstag auf unsere Anfrage hin keine Stellung nehmen. Er warte ab, was all die Leute dazu zu sagen hätten, sagte er kurz und knapp.

St. Gallen reicht Klage ein

Der in Bad Zurzach lebende Hans Rudolf Sennhauser (85) gilt als Koryphäe für Kirchenarchäologie. Ab den späten 1950er-Jahren leitete er im Auftrag von Bund und Kantonen zahlreiche Kirchen- und Klosterausgrabungen. Sennhauser weigert sich bis heute, die Dokumentationen den Kantonen auszuhändigen. Fünf betreffen Luzern, so Dokumentationen zur Johanniterkommende Hohenrain (siehe Bild) und zur Pfarrkirche St. Johannes der Täufer Grossdietwil.

Die Kantone Luzern, Basel-Stadt und St. Gallen reichten 2013 nach gescheiterten Verhandlungen mit Sennhauser Klagen ein. Basel-Stadt erzielte 2015 im Streit um Dokumente zu Grabungen im Basler Münster einen Erfolg. Die Klagen von Luzern und St. Gallen wurden zu Gunsten neuer Verhandlungen mit Frist bis Ende Januar 2017 sistiert. Doch die Frist verstrich, zu neuen Verhandlungen zwischen Luzern und Sennhauser kam es nicht. Und die neuen Verhandlungen zwischen Sennhauser und dem Kanton St. Gallen, der um die Herausgabe der Dokumentationen über den als Weltkulturerbe eingestuften Klosterbezirk kämpft, kamen zu keinem Resultat, wie Katrin Meier, Leiterin Amt für Kultur Kanton St. Gallen, sagt. «Darum haben wir gestern beim Bezirksgericht Zurzach beantragt, das Gerichtsverfahren wieder aufzunehmen.» (sb)

Kantonsärchologe Jürg Manser in der Burgruine Nünegg in Lieli (Bild: Pius Amrein/LZ)

Kantonsärchologe Jürg Manser in der Burgruine Nünegg in Lieli (Bild: Pius Amrein/LZ)

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