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Familie Erni versteigert Bild von Hans Erni zugunsten von Megger Bauer Hofer

Ein Bild und mehrere Lithografien des berühmten Luzerner Kunstmalers Hans Erni sollen dem Megger Bauer Kaspar Hofer, der seinen Schweinestall umplatzieren muss, Geld bringen. Das Engagement der Familie Erni kommt nicht von ungefähr.
Roman Hodel
Im Schweinestall von Vater Kaspar Hofer (rechts, mit dem Erni-Bild) und Sohn Balthasar: Doris Erni, die Witwe von Hans Erni, versteigert ein Bild des berühmten Luzerner Kunstmalers. (Bild: Manuela Jans-Koch, Meggen, 7. Juli 2019)

Im Schweinestall von Vater Kaspar Hofer (rechts, mit dem Erni-Bild) und Sohn Balthasar: Doris Erni, die Witwe von Hans Erni, versteigert ein Bild des berühmten Luzerner Kunstmalers. (Bild: Manuela Jans-Koch, Meggen, 7. Juli 2019)

Die Solidarität mit Bauer Kaspar Hofer, der seinen Schweinestall in Meggen wegen der Nähe zu einer Wohnzone umplatzieren muss und dafür kein Geld hat (wir berichteten), ist gross: Nach einem Umzug durchs Dorf Ende Juni startet die nächste Aktion – und zwar initiiert von prominenter Seite. Doris Erni (92), die Witwe des 2015 verstorbenen, berühmten Kunstmalers Hans Erni, und ihre Tochter Sibylle (62) versteigern ein Original-Bild und 37 Lithografien von Hans Erni – der Erlös geht an die Spendenkampagne «Rette Hofers Hof». Unter diesem Stichwort sind die Versteigerungen auf www.ricardo.ch zu finden, ab heute Samstag. «Was hier abgeht, ist unfair, deshalb wollen wir der Familie Hofer wenigstens finanziell helfen», sagt Sibylle Erni.

Der Mindestpreis für das Bild beträgt 5000 Franken, für die Lithografien liegt er bei 300 Franken. Auf den Kunstwerken sind passenderweise Tiermotive wie Kühe oder Katzen zu sehen. Sie stammen laut Sibylle Erni aus dem grossen Fundus an Gemälden, die unverkauft im Besitz ihrer Mutter sind: «Mein Vater war während 90 Jahren künstlerisch tätig – da ist natürlich einiges zusammengekommen.» Verkauft habe er vor allem jene Bilder, die «nach einem typischen Erni» ausgesehen haben. «Die Kunstwerke mit den Tiermotiven gehören nicht dazu – genau das gefällt mir aber», sagt Sibylle Erni und fügt an:

«Die Versteigerung wäre auch im Sinne meines Vaters.»

Denn: Die Familien Erni und Hofer sind sich seit über 60 Jahren nachbarschaftlich und freundschaftlich verbunden. Hans und Doris Erni hatten 1957 auf Eggen ein Haus gebaut, direkt an der Grenze zu Meggen. Später, als Tochter Sibylle mit ihrer eigenen Familie auf Megger Boden wohnte, sind ihre Kinder mit dem Nachwuchs der Hofers in die Schule gegangen. «Sie sind überdies sehr hilfsbereit.» Wenn die studierte Biologin Sibylle Erni für ihren kleinen landwirtschaftlichen Betrieb auf Stadtboden mit 3 Schafen, 100 Hühnern und 7 Ponys etwa einen Traktor benötigt, kann sie auf Hofers Hilfe zählen. Auch beziehen die Ernis von ihnen seit vielen Jahren Bio-Fleisch und Most von Hochstammobst.

Für Sibylle Erni geht es – wie für viele Hofer-Unterstützer – um etwas Grundsätzliches: «Der Gemeinde Meggen scheinen all die Millionäre wichtiger zu sein als alteingesessene Bauern.» Sie profitiere von den Steuereinnahmen, also könne sie doch zumindest die Hofers finanziell unterstützen oder eine Sonderregelung anstreben. «Um für den Golfplatz wertvolles Landwirtschaftsland zu opfern, hat die Gemeinde auch alle Hebel in Bewegung gesetzt.»

Die Hilfe von Familie Erni rührt Kaspar Hofer: «Das ist sehr schön und nicht selbstverständlich.» Sie seien tatsächlich seit Jahrzehnten miteinander befreundet, fügt er an:

«Doch mit so etwas hätte ich nicht gerechnet.»

Egal, wieviel Geld bei der Versteigerung zusammenkommt: Brauchen kann die Familie Hofer jeden Rappen. Dank Spenden aus dem In- und Ausland sind mittlerweile zwar über 100'000 Franken beisammen. Aber der neue Schweinestall, der ebenfalls nötige neue Kuhstall und eine Remise für die Maschinen kosten zusammen rund 1,8 Millionen Franken. «Das wäre wohlgemerkt keine Luxus-, sondern die Minimallösung für Bio-Standard», so Hofer. Für die Finanzierung hat er rund 20 Stiftungen angefragt, zudem laufen Verhandlungen mit der Landwirtschaftlichen Kreditkasse. Als Standort für die neuen Ställe schwebt ihm eine eigene Parzelle hoch über Meggen bei der Jagdhütte vor – genug weit weg von Wohnquartieren. Nämlich hier:

(Bild: hor)

(Bild: hor)

Die Vorabklärungen bei der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald laufen. Von der Gemeinde gibts diesbezüglich positive Signale. Sie unterstützt ihn bei der Suche nach einer langfristigen Lösung. Das jedenfalls war der Inhalt einer gemeinsamen Medienmitteilung, die letzte Woche im Anschluss an eine «sachliche und konstruktive» Besprechung zwischen Gemeindepräsident Urs Brücker, Gemeindeammann Hans Peter Hürlimann sowie Kaspar Hofer und seiner Anwältin verschickt wurde. Den Support wird Hofer nicht zuletzt auch für eine Zwischenlösung brauchen. Denn der alte Schweinestall muss Ende Mai 2020 geräumt sein. Bis dahin steht der Neue nie und nimmer.

Der Fall Hofer

Der Streit zwischen Kaspar Hofer und der Gemeinde Meggen sorgt national für Schlagzeilen. Grund für die missliche Situation ist primär ein Gesetz von 1995, das den Mindestabstand zwischen Bauernhöfen und Wohnzonen regelt. Theoretisch hätte die Gemeinde den Stall längst verbieten müssen. Hofers haben laut Gemeinde das Betriebskonzept teils geändert und Umbauen ohne Bewilligung getätigt. Auch daher blieb die Situation lange unentdeckt. Erst mit der Beschwerde eines neuen Nachbarn kam Bewegung in die Sache. Hofers betonen, dass sie vor der Wohnzone da waren. Die Gemeinde hält dagegen, dass der Grossvater von Kaspar Hofer das Land selber verkauft hat. (hor)

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