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FAMILIENBETRIEB: Nach 110 Jahren ist Schluss

Mit Grüter-Suter geht ein weiteres Traditionsgeschäft in Luzern zu. Hauptgrund sei aber nicht der sinkende Umsatz, sagt die Inhaberin.
Audrey Hepburn kaufte 1957 bei Grüter-Suter ein. (Bild: pd)

Audrey Hepburn kaufte 1957 bei Grüter-Suter ein. (Bild: pd)

Guy Studer

Kunden gehen ein und aus. Die Angestellten begrüssen sie freundlich, Stammkunden gar direkt mit Namen. Nichts im festlich dekorierten Laden von Grüter-Suter an der Hirschmattstrasse 8 deutet darauf hin, dass hier gerade zum letzten Mal das Weihnachtsgeschäft anläuft. In wenigen Monaten ist Schluss. Dann, Ende Februar, wird mit dem Fachgeschäft für Küche und Kochen ein weiteres Traditionsgeschäft aus der Luzerner Innenstadt verschwunden sein. Und damit geht auch eine 110-jährige Geschichte zu Ende.

Sanierung um Jahre verzögert

Eigentlich wäre es anders geplant gewesen, sagt Marlis Haab, die den Familienbetrieb in vierter Generation führt: «Bereits seit 2009 ist die Sanierung der Liegenschaft geplant», sagt sie. Das sechsgeschossige Haus ist im Besitz der Familie und steht seit Jahren leer. Im Sommer 2012 hätte die Sanierung ursprünglich erfolgen sollen, «vor Weihnachten im selben Jahr wären wir bereits wieder eingezogen ins neue Geschäft». Einsprachen verzögerten aber das Projekt. Dies habe zu happigen Mehrkosten geführt. Der Umbau erfolgt nun nächstes Jahr. Doch die 58-jährige Inhaberin möchte es künftig ruhiger angehen. «Es macht für mich jetzt keinen Sinn mehr, das Geschäft noch einmal neu zu starten.» Und familienintern gebe es keine Nachfolge, eigene Kinder hat sie nicht. Deshalb fasste Haab schliesslich den Entscheid, den Betrieb aufzugeben. «Die Familie trägt diesen Entscheid natürlich mit», sagt sie. Ein Umzug oder ein Verkauf sei nie zur Diskussion gestanden.

Hochzeitsgeschäft weggebrochen

Dass die Umsätze auch nicht mehr so sind wie früher, will Marlis Haab nicht verschweigen. «Wir haben zwar viele treue Stammkunden, zunehmend auch aus anderen Kantonen. Dafür ist aber das wichtige Geschäft mit den Hochzeitslisten weggebrochen.» Früher liessen sich Paare zur Hochzeit praktisch die ganze Haushaltseinrichtung schenken. «Das gibt es heute praktisch nicht mehr.» Auch seien sich viele Kunden heute nicht mehr bewusst, dass Präsentation, Beratung und Service ihren Preis haben. Der Online-Handel mache ihrem Geschäft weniger zu schaffen, ist sie überzeugt. «Das sind andere Kunden.» Allerdings werde heute der Preis oft mit Online-Preisen verglichen – «das spüren wir schon». Dennoch sei der sinkende Umsatz nicht der Hauptgrund für die Schliessung, stellt Haab klar.

Das Aus nach knapp 110 Jahren schmerzt, wie sie sagt. «Klar tut das weh, man ist auch stolz auf eine solche Geschichte.» Dennoch sei es für sie die einzige und damit beste Lösung. Den sieben Mitarbeitern musste Haab die Kündigung aussprechen, «das ist mir sehr schwergefallen und war für niemanden leicht. Es sind alles langjährige Angestellte, die mit dem Geschäft sehr verbunden sind.»

Besuch eines Hollywood-Stars

Grüter-Suter wurde 1906 von Marlis Haabs Urgrossvater Anton Grüter-Suter an der Habsburgerstrasse 7 gegründet. 1910 zügelte das Geschäft an die Hirschmattstrasse 9, ins Ecklokal im damaligen Neubau der Luzerner Kantonalbank. Heute befindet sich an dieser Stelle die Kleiderboutique Rive Gauche. Dort blieb Grüter-Suter fast 60 Jahre, bis 1969.

«Meine Mutter brachte immer die neusten Errungenschaften mit nach Hause, um diese auszuprobieren», erinnert Haab sich. «Dazu gehörten etwa die Salatschleuder oder der Zwiebelhacker. Das waren unerhörte Erfindungen zu ihrer Zeit, und alle wollten sie haben.» Auch im Geschäft ging es teilweise hoch her. Haab zeigt ein Schwarz-Weiss-Foto von 1957, auf dem eine adrette junge Frau über die Verkaufstheke lehnt und sich von einer Verkäuferin etwas zeigen lässt. «Das ist Audrey Hepburn», sagt Haab schmunzelnd. Die Hollywood-Schauspielerin lebte damals eine Zeit lang auf dem Bürgenstock und kam öfters nach Luzern zum Einkaufen.

1969 wurde das Kantonalbank-Hauptgebäude abgerissen und wich dem heutigen Bau. Unter Bruno Haab-Grüter, Vater von Marlis Haab, zog die Firma nur wenige Meter weiter in die selbst erworbene Liegenschaft an der Hirschmattstrasse 8. In den 70er- und 80er-Jahren florierte das Geschäft, hatte es seine Boomjahre, erinnert sich Haab. Nun findet die Geschichte dort ihr Ende. Im Januar beginnt der Ausverkauf. Am Samstag, 27. Februar, ist Grüter-Suter zum letzten Mal geöffnet. Nach der anstehenden Sanierung sind Wohnungen im Haus geplant. Was ins Erdgeschoss kommt, ist noch offen.

Das heutige Geschäft an der Hirschmattstrasse 8 in Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Das heutige Geschäft an der Hirschmattstrasse 8 in Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

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