FAMILIENGLÜCK: Wo haben es Väter am besten?

Eine nationale Volksinitiative fordert 20 Tage bezahlten Urlaub für frischgebackene Papis. Davon können viele Angestellte in der Zentralschweiz bloss träumen.

Evelyne Fischer
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Corinne und Jan Krammer aus Hergiswil NW mit Hannah und Ben in den Flumserbergen. Der Webdesigner arbeitet bei der Agentur Frontal in Willisau und hat sich zu Gunsten der Familie einen halben Tag Homeoffice ausgehandelt. (Bild: PD/ANWR-Garant Swiss AG (22. März 2015))

Corinne und Jan Krammer aus Hergiswil NW mit Hannah und Ben in den Flumserbergen. Der Webdesigner arbeitet bei der Agentur Frontal in Willisau und hat sich zu Gunsten der Familie einen halben Tag Homeoffice ausgehandelt. (Bild: PD/ANWR-Garant Swiss AG (22. März 2015))

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Nie war die Geburtenrate höher: 3208 Kinder kamen letztes Jahr an den drei Standorten des Luzerner Kantonsspitals zur Welt. 99 Babys mehr als im Vorjahr (Ausgabe vom 3. Januar). Während Frauen seit 2005 gesetzlichen Anspruch auf einen 14-wöchigen bezahlten Mutterschaftsurlaub haben, während dessen sie mindestens 80 Prozent ihres Lohns erhalten, können frischgebackene Väter ihr Familienglück meist nur mit Ferien ausgiebig geniessen. Denn: In der Schweiz gibt es keinen gesetzlich verankerten bezahlten Vaterschaftsurlaub.

Die nationale Volksinitiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie» will dies ändern: Ziel ist eine Babypause von mindestens 20 Tagen, die flexibel bezogen werden können. Sie sollen wie der Mutterschaftsurlaub von der Erwerbsersatzordnung finanziert werden. Die Initiative wurde im letzten Mai eingereicht. Dahinter stehen der Gewerkschaftsdachverband Travailsuisse, die Dachverbände Männer.ch und Alliance F sowie Pro Familia. Nach Angaben der Initianten belaufen sich die Kosten auf rund 380 Millionen Franken pro Jahr (Ausgabe vom 25. Mai 2016).

Migros ist die grosse Ausnahme

Eine Umfrage bei einigen der grössten Arbeitgebern der Zentralschweiz zeigt: Viele gewähren bereits freiwillig Vaterschaftsurlaub – wenn auch in beschränktem Umfang. Alle befragten Betriebe zahlen dabei den vollen Lohn aus. Am grosszügigsten zeigt sich die Genossenschaft Migros Luzern (6038 Angestellte): Allen Mitarbeitern stehen drei Wochen bezahlter Vaterschaftsurlaub zu. «Dieser kann im Verlauf des ersten Lebensjahres des Kindes flexibel bezogen werden», sagt Antonia Reinhard, Mediensprecherin der Genossenschaft Migros Luzern. «Frischgebackene Väter haben zusätzlich Anrecht auf zwei Wochen unbezahlten Vaterschaftsurlaub.»

Ein Herz für Väter zeigt auch die Stadt Luzern (1348) als Arbeitgeberin. Sie gewährt 10 Tage Vaterschaftsurlaub plus einen unbesoldeten Urlaub von weiteren 10 Arbeitstagen. Der Anspruch auf eine bezahlte Babypause wurde letztmals per Anfang 2008 erhöht – von 5 auf 10 Tage.

 

Weit verbreitet sind fünf arbeitsfreie Tage – etwa beim Luzerner Kantonsspital, dem grössten Arbeitgeber der Zentralschweiz (6692) – der Frauenanteil beim Luks beträgt allerdings fast 80 Prozent. «Der bezahlte Vaterschaftsurlaub muss innert acht Wochen nach der Geburt bezogen werden», sagt Mediensprecherin Ramona Helfenberger. «Im ersten Lebensjahr des Kindes gewährt das Luks zudem einen unbesoldeten vierwöchigen Vaterschaftsurlaub.» Gleiches gilt für die 6082 Angestellten des Kantons Luzern.

Ähnliche Konditionen bietet Coop, der viertgrösste Arbeitgeber (3103): fünf Tage Vaterschaftsurlaub plus Anspruch auf zwei Wochen unbezahlten Urlaub. Die CKW AG (497) gewährt ebenfalls fünf Tage bezahlte Babypause. Keine Angaben machte die Galliker Transport AG aus Altishofen, mit über 2000 Angestellten nebst Luks und Migros der grösste Arbeitgeber der Zentralschweiz mit Sitz im Kanton Luzern.

Flexible Arbeitszeitmodelle gerade so wichtig

Auf die laufende Initiative angesprochen, reagieren die Befragten nicht gerade euphorisch. Man nehme bereits eine «Vorreiter­rolle» ein und plane daher «keinen weiteren Ausbau», heisst es bei der Migros. Zudem sei der bezahlte Urlaub erst 2015 von zwei auf drei Wochen erhöht worden. Und beim Konkurrenten Coop: «Gemäss Umfragen sind unsere Mitarbeitenden zufrieden mit dem bestehenden Vaterschaftsurlaub», sagt Mediensprecherin Angela Wimmer. Sie hält zudem fest: «Vaterschaftsurlaub ist eines von vielen Kriterien, welche die Attraktivität des Arbeitsplatzes ausmachen.»

Gleich sieht das die CKW: Vaterschaftsurlaub sei eine «wichtige Nebenleistung», sagt Mediensprecher Marcel Schmid. «Unser oberstes Ziel ist es, unseren Angestellten Rahmenbedingungen zu bieten, die Beruf und Familie vereinbaren lassen.» Dafür brauche es in erster Linie flexible Arbeitszeitmodelle. Eine ähnliche Beobachtung macht auch Maria Pilotto von der Fachstelle Gesellschaftsfragen der kantonalen Dienststelle Soziales und Gesellschaft (siehe Kasten).

Einen schweren Stand hätte der Vorschlag von 20 Tagen auch beim Luks: «Wir sehen nicht vor, den Vaterschaftsurlaub auszuweiten», sagt Ramona Helfenberger. Angebote wie eine nahe Kita oder gesundheitsfördernde Massnahmen seien punkto Anstellungs­bedingungen gerade so wichtig.

80 000 Unterschriften sind schon beisammen

Der Ruf nach bezahlten Baby­pausen für Väter ertönte in der Politik bereits mehrfach. Zuletzt im Nationalrat. Ende April 2016 lehnte die Grosse Kammer eine parlamentarische Initiative des Bündner CVP-Nationalrats Martin Candinas ab. Dabei ging es um einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub. Die Kosten dafür wurden auf 200 Millionen Franken veranschlagt. Die Wirtschaft hielt das für nicht finanzierbar.

Fest steht bereits jetzt: Das Thema dürfte bald wieder auf die Agenda kommen: Bereits sind rund 80'000 Unterschriften für die Volksinitiative beisammen. Innert Sammelfrist von 18 Monaten dürften damit die nötigen 100'000 zusammenkommen.