Leserbrief

Fan-Appell an die Herren Alpstaeg, Sieber, Schmid und Sawiris

«Drohungen, Drama und ein Detektiv: So kam Bernhard Alpstaeg zur Aktienmehrheit beim FC Luzern», Ausgabe vom 7. November.

 
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Offenbar sind die Egos von Euch Ex-Verwaltungsräten zu gross und die Situation ist zu verfahren, um eine einvernehmliche sinnvolle Lösung zu finden. Stattdessen erleben wir eine grausige Schlammschlacht unter der Gürtellinie. Ketzerische Frage an Euch: pflegt Ihr dieses Gebaren auch im eigenen Business? An Euch unehrenwerte Herren richte ich meinen Appell als vernunftbegabter Fan, dessen FCL-Herz blutet ob der Geschehnisse. Es geht hier nicht um Eure Befindlichkeit. Es geht auch nicht um Euer Geld (davon habt Ihr sowieso ausreichend). Es geht um “unseren” FCL, quasi ein Innerschweizer Kulturgut.

Rückblick. Beim FCL haben wir hämisch über die Vorfälle bei GC gelacht, als dessen Spieler auf der Allmend beim Abstieg fast einen Striptease hinlegen mussten und auch die GC-Führung quasi die Hosen runtergelassen hat (...geschieht ja laut Privatdetektiv auch im VR des FCL). Aber Achtung – wegen Eurem Gehabe ist auch beim FCL der Imageverlust bald irreparabel, dann folgen Sponsorenabgänge, weiterer Zuschauerschwund, dramatische finanzielle Probleme und vielleicht gar der Abstieg und Relaunch in der Challenge League, vor dem Ihr Verantwortlichen Euch dann sicher drückt.

Seitenblick. Nun schielt der FCL neidisch nach St. Gallen, das exakt so positioniert ist wie es der FCL auch sein könnte. In Tuchfühlung mit der Tabellenspitze, Zuschauerschnitt 13'000. Notabene: deren Mannschaft ist keinen Deut besser als das FCL-Team, aber ein Top-Management ist am Werk. Beim FCL werden beste Chancen nicht nur von den einfachen Spielern auf dem Rasen ungeschickt (doch immerhin ungewollt!!!) vergeben, sondern vielmehr von Euch selbsternannten abgehobenen Big-Players im Management – und dies absichtlich, boshaft, testosterongeschwängert, ohne die Konsequenzen durchzudenken. Etwas mehr Erdung, Weitsicht, Vernunft und Demut würden Euch gut anstehen.

Ausblick. Solch theoretische Worte dürften Euch wohl nicht erschüttern, deshalb einige harte Tatsachen, wie Ihr aufgrund der Vorfälle in der Öffentlichkeit künftig wahrgenommen werdet:

Herr Alpstaeg, danke für all Ihre Verdienste rund um den FCL. Sie werden als erfolgreicher cleverer Geschäftsmann geschätzt, haben allerdings den Vertrags-Passus betreffend nur 1 Stimmrecht trotz 52% Aktien-Mehrheitsbeteiligung selber unterschrieben. Dumm gelaufen. Betrachten Sie sich also nicht als Investor, sondern als Mäzen. Denn mit einem Fussballclub kann man in der Schweiz kein Geld verdienen, aber viel Goodwill und Anerkennung gewinnen sowie in der Gesellschaft als Sonnenkönig geliebt werden. In dieser Traumrolle könnten Sie das unsägliche FCL-Theater mit einem weiteren Handstreich souverän beenden.

Herr Alpstaeg, wenn Sie schon nicht mit Ihren Ex-VR's sprechen, kommunizieren Sie doch bitte wenigstens der Öffentlichkeit ehrlich, was Ihre Absichten mit der Aktienmehrheit und dem Stadionbesitz sind. Auch können Sie sich einen Sprecher sparen, der nicht mal Floskeln zu sagen hat. Melden Sie sich doch bitte selber zu Wort, um eine Pointe sind Sie ja nie verlegen. Ein klares Statement wäre Ihrem Renommée gebührend. Umso besser, wenn es ein klares Bekenntnis zum FCL ist. Aber auch ein geordneter Rückzug wäre verständlich und würde akzeptiert. Es könnten neue Lösungen mit neuen Verantwortlichen angedacht werden. Wenn dann etwas Gras über die Sache gewachsen ist, werden Ihre grossen Verdienste rund um den FCL in Zukunft immer entsprechend gewürdigt werden.

Herren Alpstaeg, Sieber, Sawiris und Schmid: A propos Würde... wie es scheint, sind Eure Egos verletzt, niemand will der Gegenpartei auf dem Spielplatz der Eitelkeiten Konzessionen machen, auch vertraglich und rechtlich ist die Situation vertrackt. Doch dieser interne Hahnenkampf ist nur das Vorspiel. All diese latenten gegenseitigen Anschuldigungen und Drohungen schaden zwar dem FCL, aber vorallem Euch selber – gesellschaftlich und privat. Was denken Eure Familien, Freunde, Bekannten und Geschäftspartner in der FCL VIP-Lounge, auf der Strasse, zu Hause? Was tuscheln sie hinter vorgehaltener Hand? Warum wenden sie ihre Blicke ab? Den tollen eingefleischten Fans dürft Ihr Euch wohl schon gar nicht mehr zeigen, ohne geteert und gefedert zu werden. Da treibt ein riesiger Shitstorm auf Euch zu, aber nicht online virtuell, sondern lebhaft in der Realität.

Bitte tut Euch und dem FCL dies nicht weiter an und findet sehr zeitnah eine Lösung. Die Meisterschafts­pause kommt dafür gelegen, und die Adventszeit ist bestens geeignet für frohe Botschaften.

Thomas Sigrist, FCL Fan seit 1979