FASNACHT: Bruder Fritschi frisst jetzt Basler Läckerli

Zu Wasser, zu Lande und in der Luft: So gemein haben die Basler unseren Fritschi geraubt. Aber: Wir holen ihn zurück!

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Fritschi wird gefesselt, mit einem Boot entführt und durch die Luft nach Basel gebracht. (Bild Remo Nägeli/Neue LZ)

Fritschi wird gefesselt, mit einem Boot entführt und durch die Luft nach Basel gebracht. (Bild Remo Nägeli/Neue LZ)

Samstagnachmittag, Unter der Egg: Hunderte von Besuchern des Fasnachtsmäärts sind unruhig. Denn alle wissen: Heute soll Bruder Fritschi von den Baslern entführt werden. Kurze Zeit später gehts los: Die Fritschi-Familie kämpft sich durch die Menschenmassen in Richtung Rathaussteg. Dort wartet alt Regierungsrat Ulrich Fässler – er moderiert den Anlass. Die Zuschauermassen toben und winken Fritschi zu.

Basler Flagge am Theater
«Jetzt gibts Action», meint eine Zuschauerin. In der Tat: An der Fassade des Luzerner Theaters ziehen Basler Fasnächtler eine riesige Basler Flagge hoch. Moderator Fässler hingegen scheint sich des Ernsts der Lage nicht bewusst zu sein – er macht sich über die Basler Drummler und Pfyffer lustig: «Die Basler sind wohl etwas scheu, sonst würden sie ihre Melodie nicht so leise pfeifen!»

Auch Fritschi und das Publikum kommen erst richtig in Stimmung, als die Luzerner Guuggenmusig Chottlebotzer loslegt. «Wenn unsere Luzerner so Fussball spielen würden, wie sie Musik machen, dann hätte der FC Basel keine Chance», meint Fässler.

Basilea betört Fritschi
Den Baslern wird bewusst, dass sie Fritschi nicht mit Musik zu sich locken können. Sie schicken die schöne Basilea los. Auf einer Sänfte wird sie von den Basler Safran-Zünftlern auf den Rathaussteg getragen. Und siehe da: Der alte Lüstling Fritschi schreitet langsam in Richtung Basilea, die von Telebasel-Moderatorin Tamara Wernli dargestellt wird. Verzweifelt versucht Fritschis Frau, die Fritschene, ihren Mann zur Umkehr zu bewegen. Fritschi aber scheint nur noch Basilea im Kopf zu haben. Als dann das Lied «Je t'aime» von Serge Gainsbourg gespielt wird, sinkt Fritschi in Basileas Arme und tanzt mit ihr zu den Baslern hinüber. Fässler ruft in seiner Verzweiflung die Grenadiere der Luzerner Zunft zu Safran zu Hilfe. Diese aber haben keine Chance: Dreiste Basler Landsknechte schlagen unbarmherzig zu, fesseln Fritschi und bringen ihn zu einem Boot, das vor der Jesuitenkirche wartet. Schüsse fallen – und trotzdem entkommen die Basler mit Fritschi flussaufwärts. «Wir spielen nie mehr mit euch Fussball», ruft Fässler den Baslern verärgert hinterher. Dann ist nur noch das Schluchzen der Fritschene zu vernehmen.

Als Fässler gerade dabei ist, die Fasnacht abzusagen (denn ohne Fritschi kann die Luzerner Fasnacht nun mal nicht eröffnet werden), unterbricht ihn die Fritschene: «Die Fasnacht findet jetzt erst recht statt!» Sie werde dieses Jahr eine richtige Wyber-Fasnacht einläuten – «die erste seit 500 Jahren». Die Frauen jubeln ihr zu.

Helikopter
Kurze Zeit später erscheint über dem Rathaussteg ein Helikopter. An einem langen Seil hängt ein Käfig. Darin gefangen: Bruder Fritschi, der auf dem Weg nach Basel ist. «Wir werden ihm nun das ABC der Basler Fasnacht beibringen und ihm die Vorzüge von Basel zeigen», sagt Lukas Stutz, der Meister der Basler Zunft zu Safran. So wird Fritschi am Aschermittwoch als Gast beim Zunftessen der Basler Zunft zu Safran teilnehmen, und ebenfalls Gast sein wird er am Morgestraich. Und was ihm die Basler in den kommenden Monaten zu essen geben, ist ebenfalls klar: Basler Läckerli natürlich. Am 20. September, so Stutz, könne sich Fritschi dann entscheiden, ob er wieder zurück nach Luzern wolle oder nicht. Für Philipp Gmür, den Zunftmeister der Luzerner Zunft zu Safran und Fritschivater 2008, ist klar: «Bruder Fritschi kommt zurück. Wir holen ihn uns. Und zwar mit 200 Mann.»

Laura Schütt