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FASNACHT: «Die einen fanden im Plattenbau ihren Raum nicht mehr»

Seit Jahrzehnten machen die Moggetätscher auf dem Dach des Luzerner Stadtkellers ein Theater. Und provozieren damit auch gerne mal.
Interview Rahel Schnüriger
Hohe Mieten und Platznot werden im diesjährigen Theater der Moggetätscher thematisiert. Drehbuchautor Marino Malagoli im Plattenbau. (Bild Corinne Glanzmann)

Hohe Mieten und Platznot werden im diesjährigen Theater der Moggetätscher thematisiert. Drehbuchautor Marino Malagoli im Plattenbau. (Bild Corinne Glanzmann)

Mal politisch, mal gesellschaftskritisch, aber immer lustig. So machen die Luzerner Moggetätscher seit Jahrzehnten ein fasnächtliches Theater unter Vollmaskierung in einem aufwendigen Bühnenbild. Der Kopf der Gruppe ist der Drehbuchautor und «Älteste» Marino Malagoli (68).

Marino Malagoli, das Theater der Moggetätscher gehört praktisch zum Inventar der Luzerner Fasnacht. Wer steckt dahinter?

Marino Malagoli: Eine Gruppe von 30 Leuten, vom 11- bis zum fast 70-Jährigen. Darunter kreative Köpfe für die Ideen, fasnächtliche Maskenbildner und Baumeister für unser Bühnenbild.

Dieses Jahr treten Sie zum 28. Mal auf dem Dach des Stadtkellers auf. Gehen Ihnen nicht langsam die Ideen aus?

Malagoli: Die können einem gar nicht ausgehen. Jedes Jahr bieten uns die aktuellen Ereignisse etliche Steilvorlagen, die wir nur noch umsetzen müssen.

Was hats eigentlich mit Ihrem Namen auf sich?

Malagoli: Die Moggetätscher wurden 1966 als Guuggenmusig gegründet. Und zwar in einem heissen Sommer, der viele Mücken mit sich brachte.

Und wie wurde aus der Guuggenmusig eine Theatergruppe?

Malagoli: In den 1980er-Jahren sprossen die Guuggenmusigen wie Pilze aus dem Boden, und es begann ein Abwerben der besten Bläser. Von da an hat bei uns ein Wandel stattgefunden, wir wollten etwas Neues ausprobieren. Angefangen haben wir mit einem Strassentheater, in dem wir Musik und Schauspielerei kombinierten. Darin thematisierten wir das Beizensterben, das in Luzern begonnen hatte. Wir bauten aus Protest eine fahrbare Beiz.

Ein politisches Thema schon damals, auch heuer geht es mit Platznot beim Wohnen um ein aktuelles Problem. Ihre Theater sind jeweils gespickt mit Seitenhieben an verschiedene Leute und Organisationen. Wie viel Kritik verträgt es an der Fasnacht?

Malagoli: Das diskutieren wir in der Gruppe auch immer wieder. Ich persönlich finde, dass wir noch weiter gehen dürften.

Sie sind praktisch von Anfang an bei den Moggetätschern dabei. Was waren Ihre Höhepunkte?

Malagoli: Ein Highlight ist für mich nach wie vor die erste Aufführung: ein Glockenspiel, das wir jede Stunde aufgeführt haben. Von den Dimensionen her ist das mit heute natürlich nicht mehr vergleichbar. Dann kamen ein Schiff, Himmel und Hölle, der Bärengraben – es gab etliche schöne Stücke.

Sie beginnen jeweils erst im Dezember mit der Ideensammlung, die erste echte Probe folgt am Mittwochabend vor dem Schmutzigen Donnerstag. Viel Potenzial für Pannen.

Malagoli: Ja, tatsächlich passieren die meisten Pannen in den ersten Aufführungen. Dieses Jahr ist unser Bühnenbild ja ein Plattenbau mit vielen Räumen – da kam es vor, dass die einen ihren Raum anfangs nicht wiedergefunden haben. Es ist immer eine Herausforderung, mit dem Grend zu spielen. Wirklich dumm wirds, wenn das Elektrische aussteigt, was uns auch schon passiert ist. Aber das Wichtigste ist nach wie vor: Wir hatten noch nie einen Unfall.

Was darf man in den nächsten Jahren noch von Ihnen erwarten?

Malagoli: Bühnentechnisch glaube ich, dass wir fast nicht mehr grösser werden können. Wobei wir das schon ein paar mal dachten (lacht). In zwei Jahren werden wir uns zum 50. Jubiläumsjahr und 30 Jahren Theater sicher etwas ganz Spezielles ausdenken. Ich werde in diesem Jahr auch noch 70.

Zeit, um langsam etwas kürzerzutreten?

Malagoli: Zum Glück haben wir genügend Nachwuchs, der den Karren einmal ziehen wird. Sicher werde ich irgendwann kürzertreten, aber im Moment macht es mir einfach noch so viel Freude, dass ich mir das gar nicht vorstellen kann.

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