FASNACHT: Frauen-Power: Städtische Zünfte hinken hinterher

Zünfte sind nicht überall reine Männerbünde. Je weiter entfernt von der Stadt, desto eher schwingen auch mal Zunftmeisterinnen das Zepter.

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Ala I. und Moritz I. – das Zunftmeisterpaar aus Dierikon. Bild: PD

Ala I. und Moritz I. – das Zunftmeisterpaar aus Dierikon. Bild: PD

Safran, Wey, Fidelitas, Maskenliebhaber: Das sind die grossen historischen Zünfte und Gesellschaften in der Stadt Luzern. Dass Frauen in ihnen Zunftmeisterinnen werden, ist undenkbar. Nur schon wenn bei der Abholung des Fritschivaters mehr Frauen als Männer in der Zunft-Kutsche sitzen, gibt dies zu reden – obwohl das dem Protokoll nicht widerspricht. Im Gegenteil: Bei den Zunft-Aktivitäten werde «die weibliche Seite sehr geschätzt», sagte Safran-Zunftmeister Rolf Willimann unserer Zeitung.

Die Zusammentreffen der Würdenträger der grossen Stadtluzerner Zünfte und Gesellschaften sind aber weiterhin von Männern in schwarzen Roben und Dreizack-Mützen dominiert. Auch bei der Krienser Galli-Zunft ist die Zunftmeister-Ehre Männern vorbehalten – wie in den meisten Agglomerationszünften. Dass es auch anders geht, zeigt die Dörfli-Zunft Dierikon. Hier herrschen dieses Jahr Ala I. und Moritz I. (Alexandra Lang und Moritz Camenisch) als gleichberechtigtes Zunftmeisterpaar. Ihr Motto: Animal Farm. Als ihre Weibelin wirkt Irène I., Irène Wehrlé. Diese war 2016 gar alleinige Zunftmeisterin. Sie sagt: «Es war eine sehr schöne Zeit.» Dass Frauen in der Dörfli-Zunft gleichberechtigt sind, geniesst sie. Wie anders dies bei der Rotsee-Zunft Ebikon ist, erlebte sie bei einem Treffen mit deren Zunftmeister. Als sie ihm ihr Zunftmeister-Medaillon zeigte, habe dieser gesagt: «Ich würde meiner Frau das Zunftszepter nie in die Hand geben ...»

Je jünger, desto offener

Die Dörfli-Zunft wurde 2005 gegründet. Sie ist verglichen mit der mehr als 600-jährigen Stadtluzerner Zunft zu Safran also sozusagen noch im Säuglingsalter. Das ist wohl mit ein Grund für ihre Offenheit. «Bei uns war von Anfang an klar, dass es in Zeiten der Gleichberechtigung in einer neuen Zunft kein reines Männer-regime mehr geben darf», bestätigt Dörfli-Zunftarchivar Max Hess. «Es sind meist verheiratete Paare, aber auch Lebenspartner oder befreundete Personen, die das Zunftmeisteramt ausüben», sagt Hess. «Es kann aber auch eine Einzelperson sein.»

Auf der Landschaft gibt es weitere Zünfte, in denen Frauen zumindest ab und zu den Ton angeben. Die Törbeler-Zunft Uffikon (Gründungsjahr 1972) kennt jeweils ebenfalls ein Zunftmeisterpaar. Die 1970 gegründete Fischli-Zunft Rickenbach hatte in den vergangenen 20 Jahren sechs weibliche Zunftmeisterinnen. Zunftmeisterin 2017/18 der Chräje-Zunft Entlebuch (Gründungsjahr 1969) ist Vreni Renggli. Bei den älteren Zünften ist aber auch ausserhalb der Stadt Luzern der Zunftmeister stets ein Mann – etwa bei der 1876 gegründeten Surseer Heini-Zunft.

Wie stark die Männerdominanz in etablierten Zünften ist, zeigte sich auch in Zürich. Erst seit 2014, nach langem Gezerre, darf die Frauenzunft zum Fraumünster am Sechseläuten-Umzug mitlaufen – aber nur dank eines Tricks: als Gast der Männer-Gesellschaft zur Constaffel.

 

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch