Fasnacht für alle

Wenn der Fasnachtsclown mit der Serviettenmaske im Gesicht dem kreuz­ritternden Schwertträger selbstlos seine fesche Begleiterin offeriert (als Jux, als Ablassbitte für getane Sünden, als waghalsiges Abenteuer?) – ja, dann ist klar, die Fasnacht hat uns fest im Griff.

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Ritter Bischof vom Maihof über die Nacht der Nächte vom Güdismontag auf Güdisdienstag. (Bild: Philipp Schmidli  / Neue LZ)

Ritter Bischof vom Maihof über die Nacht der Nächte vom Güdismontag auf Güdisdienstag. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Was sich am Montagabend bis spätnachts auf Luzerns Gassen und in den Beizen alles an speziellen Begegnungen und kuriosen Szenen abspielte, darüber könnte wohl jeder, der dabei war, ein Buch schreiben.

In der Nacht der Nächte vom Güdismontag auf -dienstag gibt es vielerorts kein Durchkommen mehr in Luzerns Altstadt. So viel Volk tummelt sich drinnen und draussen. Aggression, Alkohol, Exzess: Das sind leider die negativen Begleiterscheinungen. Allerdings: Das Vorurteil vieler Nicht-Fasnächtler vom tumben, öden Einheitskrach, langweilig geschminkten Gesichtern und billiger Anmache gilt längst nicht überall. Es gibt auch im wüstesten Getümmel die kreativen Oasen.

Etwa im «Rebstock», wo sich fröhlich dudelnde Guugger-Gruppen die Klinke in die Hand geben und ein gesittetes, gut gelauntes Publikum bestens unterhalten. Im «Schweizerhof», wo ein Kleinformationenfestival auch feine Töne hörbar macht. Oder gar im «Magdi», wo in rauchgeschwängerter Luft auf besondere Weise intrigiert wird (siehe Kreuzritter oben).

Das zeichnet Lozärns Fasnacht aus: Jeder, der sich darauf einlässt – ob alt oder jung –, findet seinen Ort. Die Bahnhofstrasse ist zur Disco-Meile geworden – mit hämmerndem Sound. Da treffen sich die Jungen, die auf ihre Weise, nur leicht verkleidet, Fasnacht feiern. In den dunklen Altstadtgassen treiben derweil farbig-prächtige und düstere Sujets ihr Unwesen, an dem ältere und jüngere Semester gleichermassen Gefallen finden.

Nun ist sie vorbei, die Nacht der Nächte. Ebenso die Fasnacht 2016. Wir freuen uns schon auf die nächste, mit rüüdigen Umzügen, friedlichem Volk und genialen Sujets.
 

PS: Um Nachwuchs braucht sich die Lozärner Fasnacht keine Sorgen zu machen. Allein schon die vielen Kinder, die heuer bei den grossen Umzügen mitliefen, stimmen zuversichtlich. Sie waren als Nummernträger dabei, als kleine Astronauten oder Hexlein. Oder einfach, um anderen Kindern am Strassenrand zuckrige Tröpsli zu verteilen (da stelle ich mir lebhaft die stirnrunzelnde Dentalhygienikerin vor, auch das sei hier mal gesagt!).

Hugo Bischof