Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FASNACHT: Horwer Egli-Zunftmeister: «Bei uns wären Frauen gestattet»

Die Egli-Zunft wurde vor 40 Jahren gegründet, um die Fasnacht zu beleben und die politischen Unruhen im Dorf zu beenden. Frauen sind laut Statuten nicht ausgeschlossen – trotzdem wollte noch keine eintreten.
Roman Hodel
Philipp Durrer, Eglivater 2018 (R) und Max Studhalter, Zunfmeister der Egli Zunft Horw am Samstag, 13. Januar 2018 im Pfarreizentrum Horw. (Bild: Philipp Schmidli (Horw, 13. Januar 2018))

Philipp Durrer, Eglivater 2018 (R) und Max Studhalter, Zunfmeister der Egli Zunft Horw am Samstag, 13. Januar 2018 im Pfarreizentrum Horw. (Bild: Philipp Schmidli (Horw, 13. Januar 2018))

Roman Hodel

roman.hodel@luzernerzeitung.ch

Diese Fasnacht wird für die Horwer Egli-Zunft eine besondere – ihre vierzigste. Die Jubiläums­plakette weist bereits daraufhin. «Sonst aber machen wir kein Büro auf», sagt Zunftmeister Max Studhalter. Dabei hat die ­Egli-Zunft grossen Anteil daran, dass in Horw im heutigen Stil Fasnacht gefeiert wird.

Gegründet wurde sie, um den Anlass in Schwung zu halten. Aber nicht nur: Auch um die Chilbi wiederzubeleben – und vor allem deswegen: «In den 1970er-Jahren herrschten in Horw parteipolitische Unruhen», sagt Studhalter. Liberale gegen Konservative – und dann neu noch die Linken. «Man redete kaum mehr miteinander, in die gleichen Beizen ging man sowieso nicht.»

Das wollte der inzwischen verstorbene Ernst Troxler ändern. Ihm schwebte eine Vereinigung vor, in der Politik und Herkunft keine Rolle spielen sollten. Aus der Vereinigung wurde eine Zunft. Eine solche gab es in Horw bis dato noch nicht. Was den Namen betrifft, so entlehnte man diesen dem Gemeindewappen. Es zeigt einen roten Barsch – umgangssprachlich Egli – auf gelbem Grund. Am 10. März 1978 fand die Gründungsversammlung statt. Der erste Zunftrat zählte zehn Mitglieder. «Darunter waren viele Gewerbler», sagt Studhalter. Heute sind unter den Mitgliedern allerlei Berufsleute – von Angestellten über Ärzte bis zu Anwälten. Studhalter betont: «Wir sind aber keinesfalls elitär.» Und es gehe auch nicht darum, Geschäfte zu machen, «sondern das Dorfleben mitzugestalten, sich wohltätig zu engagieren und die Geselligkeit zu pflegen».

Import-Spycher dient als Zunftlokal

Hierfür benötigte die Zunft natürlich ein standesgemässes Lokal. Fündig wurde man 1980 in Ettiswil. Eine Bauernfamilie suchte nach einem Käufer für ihren Spycher aus dem 18. Jahrhundert. Diesem hatte zwar der Holzwurm zugesetzt, doch die Egli-Zünftler sahen in dem Gebäude Potenzial und kauften es für 34000 Franken. Abgebaut wurde es von den Zünftlern mit eigenen Händen. Profis bauten es 1981 in Horw auf einer Parzelle, die der Kirchgemeinde gehört, wieder auf. Bis heute gilt der Spycher, den man mieten kann, als Stolz der Zunft. Allerdings ist seine Zukunft ungewiss. Gemäss Bebauungsplan soll das Gebäude weg, weil es historisch nicht zum Dorfzentrum gehört (Ausgabe vom 12. Januar 2017). Daran dürfte selbst der Widerstand von Anwohnern nichts ändern. «Am liebsten würden wir den Spycher woanders wieder aufbauen», so Studhalter. «Bloss dürfte dies ziemlich teuer werden.»

Es ist nicht die einzige Sorge des Zunftmeistes. Analog zu anderen Vereinen kämpft die Zunft um jedes Mitglied. Momentan sind es 93, davon rund ein Drittel im Seniorenalter. «Vor allem junge Zünftler zu finden, ist schwierig», sagt Studhalter. Er selber sei ebenfalls 48 gewesen beim Eintritt im Jahr 2003. Gewiss müsse man als Neumitglied einige Kriterien erfüllen, etwa mit Horw verbunden und gesellig sein. Auch männlich? «Nicht unbedingt – bei uns wären Frauen gestattet», so Studhalter. Bislang habe sich allerdings noch nie eine gemeldet. Was vermutlich daran liege, dass die Frauen dies gar nicht wüssten. «Spannend wäre, wie die Zünftler auf eine weibliche Anfrage reagieren würden.»

Der erste Eglivater, der Single ist

Vorerst jedoch bleibt alles beim Alten. Und so wurde am Samstag im Horwer Pfarreizentrum ein Mann als höchster Fasnachtsregent inthronisiert: Philipp Anton I. Durrer. «Es macht Spass, als Eglivater Verantwortung zu tragen und die schönste Jahreszeit aktiv mitzugestalten», sagt der 42-Jährige, dessen Vater Josef Erwin I. vor 21 Jahren auch Egli­vater war. Philipp Anton I. ist der erste Eglivater, der keine Eglimutter an seiner Seite hat. Will heissen: Er ist Single. Noch. Denn Zunftmeister Max Studhalter hat es ihm schon mehrfach prophezeit: «Bis Ende Jahr wirst du eine Frau haben.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.