FASNACHT: In Willisau regieren die Narren

Am Narrentreffen der Karnöffel-Zunft werden bis zu 20 000 Besucher erwartet. Auf dem Programm stehen eine Hexenverbrennung und die längste Polonaise der Welt.

Ernesto Piazza
Drucken
Teilen
Am Wochenende nehmen die Narren Willisau ein. Im Bild: Narrenparade am internationalen Narrentreffen in Konstanz am 22. Januar 2012. (Bild: Keystone/Tobias Kleinschmidt)

Am Wochenende nehmen die Narren Willisau ein. Im Bild: Narrenparade am internationalen Narrentreffen in Konstanz am 22. Januar 2012. (Bild: Keystone/Tobias Kleinschmidt)

Die neue Fasnachtsdekoration ist montiert, genauso die Beleuchtung. «Die Arbeiten sind auf Kurs», sagt ein zufriedener OK-Präsident Lucas Peter, während sein Blick durch das Städtli wandert. Willisau erwartet am Wochenende rund 4000 aktive Fasnächtler. Je nach Wetter rechnet die organisierende Karnöffel-Zunft mit 10 000 bis 20 000 Besuchern. Für einen besonderen Farbtupfer sorgen die Schwäbisch-Alemannischen Narrenzünfte, welche aus dem süddeutschen Raum anreisen. Das alle 10 Jahre stattfindende Internationale Narrentreffen «soll für alle Anwesenden zu einem Riesenfest werden», sagt Lucas Peter.

Sechs Beizen im Städtli

Dreh- und Angelpunkt des zweitägigen Anlasses ist die neu gestaltete Altstadt. «Wir haben bewusst einen Anlass der kurzen Wege auf die Beine gestellt», so Peter. Unter anderem finden die Besucher im Städtli sechs Festzelte, dazu noch eines auf dem Postplatz vor dem Untertor. «Zudem werden die Beizen an beiden Tagen randvoll sein.»

Am Samstagabend startet der Event mit dem Kinderumzug. Bei rund 30 Nummern laufen zirka 1000 Teilnehmer mit, darunter Kinder von allen Willis­auer Kindergärten bis hin zur Einführungsklasse. «Wir wollen mit diesem Anlass den Narrensamen säen», sagt Lucas Peter. Ganz nach dem Motto: Man kann den Nachwuchs nicht früh genug für das fasnächtliche Treiben begeistern.

Ebenfalls zum samstäglichen Kürprogramm, wie es Lucas Peter nennt, gehören die Vorführungen vom gelebten Fasnachtsbrauchtum. So wird auf einer von mehreren Bühnen im Städtli eine Hexenverbrennung der Narrenzunft Stegstrecker aus Pfullendorf (D) zelebriert. Zudem hält Zunftmeister Markus Limacher bei der traditionellen Narrenmesse – einem ökumenischen Wortgottesdienst – die Predigt. Der Weltrekordversuch mit der längsten Polonaise dürfte beim vielfältigen Samstag- abendprogramm zu einem der Höhepunkte werden. «Vor zehn Jahren waren es 1555 Personen. Diese Zahl wollen wir überbieten», so Peter.

Der Sonntag wird vom grossen Umzug mit 57 Nummern und über 3500 Teilnehmern bestimmt. «Dieser Umzug kommt anders daher, als unsere bekannten in der Region», versichert der OK-Präsident. Die Narrenzünfte werden mit dem Häs – mit dem mit Schellen und Glocken versehenen Gewand – beim Umzug (Narrensprung) mitlaufen. Dabei «springen» die 22 Zünfte der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte im Takt ihres eigenen Narrenmarsches. Neben den mitgebrachten Kapellen stehen auch zwei Willisauer Musikvereine im Einsatz. Zu den ausländischen Gruppen werden am sonntäglichen Umzug auch 20 benachbarte Schweizer Zünfte und Gruppen sowie rund 15 Guggenmusigen oder Fanfarenzüge teilnehmen. Zudem hat sich das Luzerner Fasnachtskomitee angemeldet.

Rund 100 Cars erwartet

Verkehrsmässig steht den Organisatoren eine grosse Herausforderung ins Haus. Am Sonntag werden rund 100 Cars erwartet, am Samstag deren 60. Sie werden beim Zeughausareal platziert. Zudem dienen die Zufahrtsstrassen als Abstellplätze. Die Organisatoren erwarten am Wochenende zwischen 5000 und 7000 Personenwagen. Die Verantwortlichen können auch auf das Konzept des Christkindlimarktes zurückgreifen. «Zudem hoffen wir, dass viele Besucher den ÖV benützen», sagt Peter.

Während zwei Jahren hatte sich ein siebenköpfiges Komitee (vier alt Zunftmeister und drei aktive Zunftmitglieder) mit den Vorbereitungsarbeiten beschäftigt. Am Fest selber werden neben den 60 Zunftmitgliedern mehr als 250 freiwillige Helfer – vorwiegend aus einheimischen Vereinen – im Einsatz stehen.

Was das finanzielle Ergebnis betrifft, gibt sich Lucas Peter sehr pragmatisch. «In erster Linie wollen wir ein super Fest. Alles andere ist sekundär», sagt er. Und trotzdem: Als alt Zunftmeister und ehemaliger Säckelmeister habe er natürlich einen positiven Abschluss im Hinterkopf. Dazu sollen neben den Sponsoren vor allem die fünffränkigen Pins beitragen. Zudem kann die Karnöffel-Zunft mit dem Gewinn aus dem Getränkeverkauf rechnen. Was die Kosten für die deutschen Zünfte betrifft, sagt Peter: «Diesen Gruppen, die teilweise mit 100 bis 200 Personen nach Willisau kommen, müssen wir nichts bezahlen.» Vom Samstag auf Sonntag sind über 1000 Übernachtungen reserviert – 500 davon im Raum Willisau, der Rest im Campus Sursee.

Warum aber findet ein solcher Event nur alle 10 Jahre statt? «Weil man in den Zwischenjahren mit ein, zwei Gegenbesuchen bei den Zünften für den eigenen Anlass wirbt.» Zudem müsse man ihn auch immer wieder neu erfinden. Man könne ihn nicht aus der Schublade holen. «Wir müssen uns alles aufs Neue erarbeiten», sagt Lucas Peter. «Deshalb hat ein solcher Anlass für die Karnöffel-Zunft viel mehr Wert.»

Hinweis

www.narrentreffen14.ch