Fasnacht: Jetzt redet Stämmer

Aufregung bei den Guuggenmusigen: Sie sollen keine Getränke mehr verkaufen dürfen. Jetzt krebst die Stadt zurück - aber nur ein kleines Stück.

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Stadträtin Ursula Stämmer. (Bild: Corinne Glanzmann/Neue LZ)

Stadträtin Ursula Stämmer. (Bild: Corinne Glanzmann/Neue LZ)

Bei den Guuggenmusigen herrscht helle Aufregung. Die Stadtverwaltung kündigte in unserer Zeitung an, dass es die zahlreichen wilden Stände – darunter ausdrücklich auch die Guuggenmusigen, die Kafi Schnaps verkaufen – nicht mehr an der Luzerner Fasnacht geben soll. Dazu sollen sechs zusätzliche Kontrolleure eingesetzt werden. Unter den Guuggern, die seit Jahrzehnten Getränke verkaufen oder gegen Spenden gratis ausschenken – beides ist illegal –, herrschte deshalb Verärgerung und Verwirrung.

Nur begrenzt Grund zum Aufatmen

Im darauffolgenden medialen Ansturm buchstabierte Sicherheitsdirektorin Ursula Stämmer ein Stück weit zurück und versicherte in einer Medienmitteilung, dass keine Jagd auf Guuggenmusigen gemacht werde. Doch die Mitteilung wirft neue Fragen auf. Im Interview mit Stämmer wird deutlich, dass die Guuggenmusigen nur begrenzt Grund zum Aufatmen haben.

Ursula Stämmer, in anderen Medien hört es sich fast so an, als würden Sie unseren Artikel von gestern dementieren.

Ursula Stämmer:Ich dementiere nichts. Ich bekräftige, was ich am 8. Februar sagte. Wir wollen ein neues Angebot mit den Verpflegungsständen auf öffentlichem Grund schaffen.

Ihr Mitarbeiter Rico De Bona hat in unserer Zeitung angekündigt, dass Guuggenmusigen, die an der Fasnacht Getränke verkaufen, nicht mehr toleriert würden. Nun herrscht grosse Aufregung. Wird die Stadt nun gegen die illegalen Stände vorgehen?

Stämmer: Die Kontrollen haben immer schon stattgefunden.

Also hat Rico De Bona gelogen, als er sagte, dass sechs zusätzliche Kontrolleure ins Rennen geschickt würden, damit es bald keinen illegalen Ausschank mehr gebe?

Stämmer: Nein, er hat nicht gelogen. Wir werden die Kontrollen intensivieren. Aber es wird nicht die grosse Jagd auf Guuggenmusigen geben, die da und dort einen Kafi-Schnaps offerieren.

Offerieren ist ja auch nicht illegal. Aber in der Medienmitteilung heisst es, man wolle die Zahl der illegalen Barbetriebe reduzieren. Was der grosse Teil der Guuggenmusigen tut, ist nach dem Gastgewerbegesetz illegal und wurde bislang geduldet. Laut Rico De Bona soll es dies nicht mehr geben. Also wo ist die Grenze?

Stämmer: Man kann an der Fasnacht nicht alles kontrollieren. Uns geht es um die Barbetriebe, die nur kommen, um Umsatz zu machen. Damit meine ich Barwagen, die mit Harassen kommen, Tische und Stühle aufstellen und ihre Getränke verkaufen.

Aber das machen auch einige der Guuggenmusigen, auf die Sie ja keine Jagd machen wollen.

Stämmer: Es spielt für uns keine Rolle, ob es sich bei den Barbetreibern um eine Fasnachtsgruppe oder eine Guuggenmusig handelt.

Das bedeutet, dass auch viele der hiesigen Guugger von den Kontrollen betroffen sein werden. Hätten Sie sie nicht früher informieren müssen? Oder überhaupt informieren? Denn ohne das Nachfragen seitens unserer Zeitung hätten Sie die verstärkten Kontrollen ja gar nicht kommuniziert.

Stämmer: Die Betroffenen wissen schon lange, dass das Wirten auf öffentlichem Grund ohne Bewilligung illegal ist. Das ist schon immer so gewesen. Und irgendwann muss man handeln. Bei einem Pilotprojekt kann man die Konsequenzen nicht immer schon bis ins letzte Detail voraussehen. Und über die verstärkten Kontrollen haben wir auch immer am runden Tisch mit allen Beteiligten gesprochen. Da besteht breiter Konsens.

Von 26 Gesprächspartnern am runden Tisch gehören 16 der städtischen oder der kantonalen Verwaltung und dem Gewerbe an. 8 sind Fasnächtler. Besteht da nicht ein Ungleichgewicht?

Stämmer: Bevor ich im Amt gewesen bin, hat man überhaupt nicht miteinander geredet.

Zu Beginn der Sitzungen werden die Beteiligten aufgefordert, die Informationen aus den Sitzungen nicht an die Medien weiterzugeben. Dazu liest sich das Protokoll einer der Sitzungen nicht wie eine Diskussion, sondern wie ein Vortrag von Ihnen und Ihren Mitarbeitern. Kann man da von breitem Konsens sprechen?

Stämmer: Ich gebe Ihnen gerne Einsicht in weitere Protokolle. Ziel ist ja, dass wir gemeinsam Lösungen finden und gemeinsam vor die Medien treten. Es handelt sich vorwiegend um Beschluss- und nicht um Wortprotokolle. Unsere Partner der Fasnachtsorganisationen würden es sicher nicht akzeptieren, wenn sie nicht zu Wort kommen würden.

Interview Silvia Weigel