FASNACHT: Lieber bei der Zunft als am Lauberhorn

Das Bärteli-Essen ist der wichtigste Anlass der Zunft zu Safran. Gestern war es wieder soweit. Als Ehrengast war auch Bundesrat Ueli Maurer unter den Geladenen.

Thomas Heer
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Gewehrsalven für den Ehrengast: Bundesrat Ueli Maurer zusammen mit Zunftmeister Thomas Bucher (mit Blumen) vor dem «Wilden Mann» in Luzern. Logistikunternehmer Peter Galliker hält sich schon mal die Ohren zu. (Bild Corinne Glanzmann)

Gewehrsalven für den Ehrengast: Bundesrat Ueli Maurer zusammen mit Zunftmeister Thomas Bucher (mit Blumen) vor dem «Wilden Mann» in Luzern. Logistikunternehmer Peter Galliker hält sich schon mal die Ohren zu. (Bild Corinne Glanzmann)

Thomas Bucher stand vor dem Hotel «Wilden Mann» und blinzelte gegen das Regen-Schnee-Gemisch an, das sich am gestrigen späteren Nachmittag über der Stadt Luzern ergoss. Das tat Buchers Laune aber überhaupt keinen Abbruch. Im Gegenteil: Zufrieden strahlend meinte der Zunftmeister der Zunft zu Safran und als Fritschivater heuer der oberste Luzerner Fasnächtler: «Ich freue mich, dass trotz des garstigen Wetters so viele Leute aus der Bevölkerung auf den Strassen und Plätzen anwesend sind.»

Stützpfeiler der Demokratie

Nach dem Essen im «Wilden Mann», dislozierte der Fritschivater, begleitet unter anderem von berittenen Standartenträgern und einer Guggenmusig, via Altstadt ins KKL. Im Zentrum des eigentlichen Bärteli-Essens standen neben den Fritschi-Pastetli natürlich wie jedes Jahr die verschiedenen Ansprachen der Ehrengäste.

Der prominenteste Redner hiess gestern ganz klar Bundesrat Ueli Maurer, Vorsteher des Eidgenössischen Departementes für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Im Vorfeld seines Referates sagte Maurer: «Ich werde sicher etwas zur Tradition und der Bedeutung der Zünfte sagen.» Sinngemäss betonte der Bundesrat die Bedeutung dieser selbst organisierten Gruppierungen als «einen der Stützpfeiler der Demokratie», insbesondere während des Mittelalters.

Im Umfeld der Luzerner Zünfter und Fasnächtler fühlte sich Maurer schnell zu Hause, wie er betonte. Als gebürtiger Zürcher Oberländer hat er allerdings wenig Berührungspunkte zur Luzerner Fasnacht. Er sagte aber: «Dieser traditionelle Anlass zeichnet sich durch viel Witz und Charme aus.» Maurer fand es im Übrigen auch nicht tragisch, dass Luzern mit seiner Fasnacht vom Bund – im Gegensatz zu Basel – nicht als Kandidat fürs Unesco-Weltkulturerbe nominiert wurde. Kulturfachleute hätten nun mal so entschieden. Und Maurer sagte weiter «Luzern bleibt Luzern, ob es nun auf dieser Liste steht oder nicht.» Wird er dereinst auch selber an der Luzerner Fasnacht teilnehmen? «Ja, den Urknall möchte ich gerne einmal miterleben», sagt der Bundesrat.

Kein Bundesrat am Lauberhorn

Maurer sieht auch Parallelen zwischen Politik und Fasnacht. Im Zusammenhang mit den fasnächtlichen Maskenträgern stellte er fest: «Es gibt auch in der Politik Leute, die vorgeben, etwas anderes zu sein, als sie tatsächlich sind.»

Sportminister Maurer hätte sich dieses Wochenende auch unter die Zuschauerinnen und Zuschauern der Lauberhornrennen von Wengen mischen können. Zu seiner Abwesenheit im Berner Oberland sagte der Magistrat: «Wegen des Bärteli-Essens kam es nun dazu, dass erstmals seit vielen Jahren kein amtierender Bundesrat in Wengen anwesend ist.» Immerhin konnte sich Maurer aus der Ferne über Carlo Jankas Kombinations-Sieg vom Freitag freuen.

Neben Ueli Maurer gehörten Christian A. Städeli, Zunftmeister der ­Zürcher Zunft zum Weggen, sowie der Luzerner Logistikunternehmer Peter Galliker zu Zunftmeister Thomas Buchers Ehrengästen. Galliker, CEO der Galliker Transport AG, sagte: «Es ist wunderbar, erstmals an diesem Anlass teilzunehmen. Ich fühle mich geehrt.»

Thomas Heer