FASNACHT LUZERN: Gerüchte, Geschehnisse und anderes Geschnorre

Viele Köche verderben den Brei. Viele Fasnächtler sorgen höchstens für eine reichhaltige Küche – jene der Gerüchte und des Geschwätzes. Die Neue Luzerner Zeitung hat über die Fasnachtstage davon einiges zusammengetragen und präsentiert hier das vollumfängliche Menü.

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Mal brodelt die Stimmung – wie hier an der Fritschi-Tagwache am Schmutzigen Donnerstag – mal ists die Gerüchteküche. (Bild: Philipp Schmidli / Neue  LZ)

Mal brodelt die Stimmung – wie hier an der Fritschi-Tagwache am Schmutzigen Donnerstag – mal ists die Gerüchteküche. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Goldig Grend Für ihr Sujet «John Lennon und Yoko Ono» (Bild) erhielt die Meggerin Cathy Bürgi bei der Maskenprämierung der Maskenliebhaber-Gesellschaft Luzern (MLG) den ersten Preis. Die MLG verlieh ihre Fasnachtsoscars Goldig Grend

KULT-UR-WANDEL Hat man so was je gesehen? Da liess sich doch der Präsident der archaisch-traditionellen Kult-Ur-Fasnächtler, René Burach, tatsächlich in einer Kutsche durch den grossen LFK-Umzug rössle. Fehlt nur noch die Kette, und er wird zum brüe­lenden Huerenaff. Wir finden: Rüüdig verreckt, dass sich die alten Gräben zwischen Zünftlern, Kult-Ürlern und Guuggern langsam zu schliessen scheinen. (hie)

Gipfeli-WAPPEN Der Luzerner Fritschivater ist bekanntlich ein Bäckermeister. Bekannt ist auch, dass bei den traditionsbewussten Zünftigen gerne Flaggen und Banner mitgetragen werden. Ganz so ernst mit der Heraldik nehmen es aber auch gewisse Zünftige nicht. Wurde doch flugs zu Ehren des Fritschivaters Josef Kreyenbühleine neue Flagge kreiert (made by Silvan): Im leicht abgeänderten Zunft-zu-Safran-Wappen sind plötzlich Kornähre, Brot und Gipfeli zu erkennen. (hie)

COWBOY-POLITIK Endlich ist klar, was «CVP» in Luzern bedeutet. Die Abkürzung steht für Cowboy-Verein der Pistolenträger. Wildwest-Zustände in der hiesigen Parteipolitik? Naja, rauchende Colts gibts zumindest bei der Parteileitung: CVP-Sekretär Rico De Bona wurde mit feschem Cowboyhut in den Gassen gesichtet. Ob er auch scharf schiesst, ist nicht bekannt. (hie)

EPIZENTRUM In der Stadt Luzern ist die Dichte an Zunftmeistern, Weibeln und weiteren hochdekorierten Fasnachtsgewaltigen am höchsten. Tatsächlich? Falsch gedacht! Das Epizentrum rüüdig verreckter Würdenträger ist nämlich die Kuonimatt in Kriens. Dort hausen der aktuelle LFK-PräsidentRoli Barmet, der Gallivater-Weibel Kurt Imgrüth und einer seiner Vorgänger, Urs Schättin, weiter alt GallivaterThomas Müller.Darüber hinaus arbeitet die aktuelle Gallimutter Marlies Schwarz im Quartier. Sollten wir einen hochdekorierten Kuonimättler vergessen haben, entschuldigen wir uns hier schon mal rein präventiv. (hie)

FLIKCSERVICE Auch dieses Jahr gibt es auf dem Kapellplatz wieder einen Flickservice für kaputte und misslungene Masken sowie beschädigte Kostüme. Das Luzerner Fasnachtswagenbau-Duo Luzerner Fasnachtskorrektiv bietet diesen Service bereits zum dritten Mal an. Die Reparatur-Barbefindet sich in einem schwarzen Bauwagen an der Ecke Kapellplatz/Kapellgasse. Offen ist der Wagen noch am Güdismontag und am Güdisdienstag «ab Mittag bis spät in die Nächte». Bezahlen kann man mit einem freiwilligen Beitrag in einen Kollektentopf. «Bis jetzt hatten wir noch nicht viel zu reparieren», sagt Lothar Steinke, einer der beiden Reparateure. Aber das kann sich noch ändern. Wer freundlich fragt, kann an der Reparatur-Bar auch einen Kaffee trinken. (red)

 

FASNACHTSGESETZ I Irritiert war er, der Crowd-Mänätscher unserer Zeitung, als er am komischen Friitig in der Luzerner Innenstadt seiner Arbeit nachgehen wollte, er aber mangels Fasnachtsvolk gar nicht richtig eingreifen konnte. Darum plädierte der Experte für eine Gesetzesänderung: Fasnacht ist an allen Tagen zwischen Schmudo und Aschermittwoch (Ausgabe vom Samstag). Und die politische Reaktion folgte umgehend: «Die Liberalen haben den Crowd-Mänätscher gehört und denken nach!», meldet Fabian Reinhard via Twitter. Der Grossstadtrat und Präsident der Stadtluzerner FDP und seine Parteigspänli werden wohl noch ein paar Holdrio zwitschern und dann den geltenden Gesetzesartikel sezieren. Der Crowd-Mänätscher dankt schon jetzt bestens dafür, dass der Vorstoss dann exklusiv an ihn geschickt wird. (hie)

FASNACHTSGESETZ II Während der Crowd-Mänätscher noch auf einen politischen Vorstoss wartet (siehe oben), waren die Macher von «fasnachtlozaern.ch» bereits investigativ tätig. In der Düsternis der Noster-Bar stiessen sie dabei gemäss Blog-Eintrag auf einen Whistle­blower: Der rüüdige Polizist zeigte den Rechercheuren einen exklusiv vorliegenden Vorstossentwurf der FDP mit dem Vermerk «Streng geheim!» (siehe Bild). Titel des «Dinglichen Postulats»: «Gerechte Verteilung der Fasnacht auf die Wochentage per Los-Entscheid». Ob die liberale Forderung tatsächlich nur ein Zufall ist? Die Noster-Bar geniesst an der Fasnacht Gastrecht in den Räumen der Maskenliebhabergesellschaft der Stadt Luzern (MLG). Und die bürgerliche MLG wieder ist statutengemäss der freisinnigen Partei nahestehend. Für diese grosse Portion fasnächtliche Intrigierlust vergeben wir hier sehr gerne 10 Punkte! (hie)

Fasnachtlozaern: Hier gehts zum Blog: www.luzernerzeitung.ch/bonus, 8. Februar wählen.

 

TAXI-DANCER «Mer tanzed dör d Fasnacht» – das offizielle Motto des diesjährigen LFK-Präsidenten Roland Barmet trägt demselben auch den Spott seiner kettentragenden Meisterkollegen ein. Sind diese doch, zumindest gemäss Aussagen von Wey-Zunftmeister Andi Arpagaus, nicht gerade begeisterte Tänzer. Und darum spielen sie den Ball eiskalt zu Barmet: Da er doch so tanzbegeistert sei, dürfe er gerne sämtlichen Aufforderungen weiblicherseits nachkommen, insbesondere an der LFK-Seniorenfasnacht. Wissen muss man: Die Seniorinnen, die jeweils am Rüüdigen Samstag zum LFK ins Casino pilgern, gelten als äusserst tanzfreudig. (hie)

REGIERUNGSFASNACHT I Soll noch einer sagen, unsere Regierungsräte seien nicht volksnah. Zumindest in Sachen Fasnacht ist das Gegenteil der Fall: Unser parteiloser (oder ist er etwa in einer Fasnachtspartei?) Finanzdirektor wurde sogar schon beim «Vorglühen» beobachtet. Marcel Schwerzmann bewegte sich an der Us­güüglete am Dienstagabend sogar auffallend nahe am Getränkeausschank. Was da und dort in der Gruppe sogleich Diskussionen über das Magistraten-Image – «Welchen findest du am sympathischsten?» – auslöste. (hie)

REGIERUNGSFASNACHT II Als ob nur der Regierungsfinanzer ein fasnächtliches Flair hätte – nein. Auch der amtsjüngste der Fünferbande war gestern – selbstverständlich verkleidet – unterwegs: Justiz- und Sicherheitsdirektor Paul Winiker zog mit den Huerenaffe umher. Und der Krienser und langjährige Safranzünftler liess sich dabei von seinem persönlichen Mitarbeiter Peter Soland auf Schritt und Tritt fotodokumentarisch begleiten. Auch dieser im (asiatischen) Kostüm. Wobei Soland Gerüchten zufolge auch als Papst Petrus Solandus I. durchgehen könnte. (hie)

IMPORT-KOSTÜM Wahltag – Zahltag: Unser Stapi Stefan Roth nutzt die (Vor-)Fasnachtsanlässe rüüdig konsequent fürs «Product Placement» in eigener Sache. Mindestens so auffällig wie seine Präsenz war der knallbunte Weihnachtsanzug, den er etwa am Fasnachtsball «Gisela und Ruedi» trug. Woher um Himmels willen hat er denn dieses Teil? Gar selber geschneidert? Google verrät es uns: «Opposuit Quilty Pleasure Weihnachts Party Anzug», nennt sich das Teil. Rund 80 Euro kostet es, wird von Amazon gar bis an die Haustüre geliefert. (hie)

SUJET-SONG Die Guuggenmusig Ratteschwänz aus Luzern hat eigens für ihr neues Sujet einen Song komponiert – also zumindest den Text dazu. Der Refrain «Ond i ha gmeint, d Ratte chömid grau ond ned em pinke Chleid» entstand in Anlehnung an den Schweizer Hit von Lo & Leduc «Jung verdammt». Die Hymne an die Ratteschwänz kommt auf jeden Fall witzig daher – und macht gluschtig auf das Sujet, mit dem sie nun unterwegs sind. (shä)

Video zum Sujet-Song der Ratteschwänz unter www.luzernerzeitung.ch/bonus, 5. Februar wählen.