Lozärner Fasnacht 2022
Gemeinsamer Entscheid zur «sicheren und uneingeschränkten» Fasnacht – doch bei 3G-Zonen scheiden sich die Geister

Alle grossen Luzerner Fasnachtsorganisationen bekräftigen, dass es nächstes Jahr eine Fasnacht geben soll – auch wenn vieles noch unklar ist. Nur in einem Punkt sind sie sich uneinig.

Roman Hodel & Janick Wetterwald Jetzt kommentieren
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Es war eine klare Ansage, ein Statement: Alle grossen Luzerner Fasnachtsorganisationen sind am Donnerstag um 10 Uhr im Fliegerschuppen auf der Luzerner Allmend, der Heimat des Lozärner Fasnachtskomitees (LFK), gemeinsam vor die Medien getreten: LFK, Vereinigte, Kult-Ur-Fasnächtler, Zunft zu Safran, Maskenliebhaber-Gesellschaft (MLG), Fidelitas Lucernensis und die Wey-Zunft. Denn sie hatten etwas zu verkünden, was seit Tagen mit Spannung erwartet wird: Gibt’s im nächsten Jahr eine Fasnacht oder nicht? Für alle ist klar: Es wird eine geben. «Und zwar sicher und uneingeschränkt», wie LFK-Sprecher Peti Federer im Namen aller Beteiligten sagte. Aber er betonte:

«Wir entscheiden nicht, ob sie stattfindet oder nicht – aber sie passiert, und das wollen wir.»
Wie spielt die Musik an der Lozärner Fasnacht 2022?

Wie spielt die Musik an der Lozärner Fasnacht 2022?

Bild: Philipp Schmidli (Februar 2020)

Um eine sichere und uneingeschränkte Fasnacht durchzuführen, heisst das Gebot der Stunde auch hier: 3G – also geimpft, getestet oder genesen. «Das ist im Moment der Weg, ohne dass wir ein politisches Statement abgeben wollen», sagte Federer. Trotzdem erinnerte er daran: «Je höher die Impfquote in den kommenden Wochen steigt, desto wahrscheinlicher ist die Durchführung von grossen fasnächtlichen Anlässen.» Wobei sich die 3G-Zertifikatspflicht auf Veranstaltungen wie die Värsli-Brönzlete oder Vorfasnachtsevents beziehe. Federer betonte:

«Von allfälligen 3G-Perimetern etwa für die Bahnhofstrasse halten wir nichts und wir wollen auch keine Lightversion, vor allem bei der Strassenfasnacht.»
Die Strassenfasnacht soll ohne 3G-Zonen auskommen.

Die Strassenfasnacht soll ohne 3G-Zonen auskommen.

Bild: Patrick Hürlimann (Februar 2020)

Diesbezüglich waren sich die Fasnachtsorganisationen allerdings nicht so einig, wie in der Medienmitteilung geschrieben. Die Zunft zu Safran findet die Idee eines 3G-Perimeters für die Altstadt prüfenswert, wie Fredi Meier, Fritschivater 2018, sagte. Diese sei am runden Fasnachtstisch Anfang diese Woche ins Spiel gebracht worden. «Entscheiden müsste da natürlich die Obrigkeit», so Meier. Für Vereinigte-Präsident Röbi Marty ist ein solcher Perimeter hingegen undenkbar: «Du kannst jemandem ohne Zertifikat nicht verbieten, die Altstadt zu betreten.»

Was sagt wer? Hier gibt's die Übersicht, einen Ausblick und den Liveticker der Medienkonferenz zum Nachlesen:

LFK: Als Vorbild für Umzüge dient der City-Marathon

«Unsere internen und externen Anlässe finden mit 3G statt, dies hat die Geschäftsleitung einstimmig entschieden», sagte LFK-Präsident Dani Abächerli. Darunter fallen etwa der Schalander-Empfang im Eichhof oder die Plakettenpräsentation. Auch der Fasnachtsmäärt und die Usgüüglete werden stattfinden – aus Platz- und Kontrollgründen nicht nur Unter der Egg, sondern auch in einer Festhütte auf dem Kornmarkt. Die beiden Umzüge würden ebenfalls auf Hochtouren vorbereitet.

Rasselbandi Horw mit dem Sujet Drachenjäger am Fritschiumzug am Schmutzigen Donnerstag 2020.

Rasselbandi Horw mit dem Sujet Drachenjäger am Fritschiumzug am Schmutzigen Donnerstag 2020.

Bild: Jakob Ineichen (Luzern, Februar 2020)

Als Vorbild dient laut Abächerli das Konzept des City-Marathons vom 31. Oktober: Teilnehmende mit 3G-Zertifikat, Zuschauende auf freiwilliger Basis mit Zertifikat oder Maske. «Selbstverständlich können wir jetzt noch nicht sagen, ob die Umzüge stattfinden, denn sie sind bewilligungspflichtig», so Abächerli.

Vereinigte: Nur eine Fasnacht, «wie wir sie kennen»

Die Guuggenmusigen proben laut Präsident Röbi Marty entweder mit 3G oder draussen: «Wir halten uns strikte an die Regeln des Blasmusik-Verbandes.» Was Chendermonschter und Monstercorso betreffe, so spreche man sich mit dem LFK ab. «Gerade das ‹Monster› können wir kurzfristig absagen oder organisieren, denn unsere Mitglieder kommen ja ohne Wagen.» Klar sei für die Vereinigten, dass es «keine A-, B- oder C-Fasnacht gibt, sondern nur eine, wie wir sie kennen.»

Zunft zu Safran: Tagwache in «noch zu definierender Form»

Ob Jahresbot oder Bärteliessen – die Zunft zu Safran setzt bei allen internen und externen (Vorfasnachts-)Anlässen auf 3G. Sie rechnet zudem mit der Durchführung der Schmudo-Tagwache. «In zu definierender Form wird im Februar vieles möglich sein, denn die Impfquote geht rauf, die Fallzahlen runter», zeigte sich Mediensprecher Alex Stadelmann überzeugt.

Wey-Zunft: Glauben an die «vernünftigen Fasnächtler»

Auch die Wey-Zunft plant ihre Tagwache am Güdismontag. Ebenfalls gilt 3G für interne und externe (Vorfasnachts-)Anlässe. Präsident Bruno Spörri sagte, dass seine Zunft an die vernünftigen Fasnächtler glaube: «Sie wissen, wie man sich verhält.» Wer Fasnacht nicht möge, bleibe ohnehin daheim, «und das sind hoffentlich mehrheitlich die Ungeimpften».

Maskenliebhaber-Gesellschaft: Neue Regeln, neues Layout

Für das Haus der Maskenliebhaber-Gesellschaft (MLG) und den Süsswinkel überhaupt kündigt MLG-Sprecher Bruno Gisi 3G-Pflicht an. Dafür finden alle Anlässe statt. Und die MLG-Bar der Nostradamus werde mit einem neuen Layout überraschen.

Fidelitas: Guten Mutes für den Rüüdige Samschtig

Interne Anlässe wie der Herrenabend finden natürlich mit 3G-Zertifikatspflicht statt. Noch offen ist das Vorgehen beim Rüüdige Samschtig, den die Fidelitas Lucernensis Unter der Egg bestreitet. «Da werden wir uns mit dem LFK absprechen», so Sprecher Flavio Bezzola.

Kult-Ur-Fasnächtler: Alle sind am Basteln

Im Gegensatz zu vielen Guuggenmusigen und den Zünften kennen die Kult-Ur-Fasnächtler kaum Vorfasnachtsanlässe. Deshalb gilt die volle Konzentration der eigentlichen Fasnacht. «Wir hoffen ganz fest auf die Durchführung und sind riesig am Basteln», sagte Präsident Otto Joho. Ob sie ihre legendären Zögli durchführen können, sei noch offen.

So geht es weiter

Doch so sehr die Fasnachtsorganisationen die Durchführung bekräftigt haben – sie steht und fällt mit der epidemiologischen Lage. Und das Zünglein an der Waage spielt laut Röbi Marty der Kanton Luzern – «und dieser wiederum ist vom Bund abhängig».

Die Fasnachtsorganisationen rechnen im Januar mit den behördlichen Entscheiden bezüglich Grossanlässe. Eine Blackbox dürfte die Strassenfasnacht bleiben. Sie wird von niemandem organisiert. Peti Federer sagte:

«Man kann einer Musig schlecht verbieten, durch die Altstadt zu marschieren. Wenn überhaupt, dann bräuchte es einen Entscheid des Kantons.»

Das sagt der Kanton

David Dürr, Leiter Dienststelle Gesundheit und Sport, hält auf Anfrage fest: «Der Bund definiert in seiner Verordnung die Spielregeln für Veranstaltungen. Diese gelten für alle Kantone – auch für den Kanton Luzern. Das heisst: Solange die Verordnung des Bundes gilt, halten wir uns auch an diese. Gemäss den aktuellen Massnahmen des Bundes benötigen Grossveranstaltungen mit über 1000 Personen eine Bewilligung des Kantons.» Allgemein gelte: Je höher die Impfquote, desto eher sei eine Lockerung der Massnahmen des Bundes denkbar.

Das sagt die Stadt Luzern

Die Stadt begrüsst laut Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen, «die einhellige Positionierung der Fasnachtsinstitutionen zur Ausrichtung aller Anlässe auf die bekannten 3G-Anforderungen sehr». Sie teile auch die Hoffnung auf eine möglichst ungestörte Durchführung im 2022. «Abhängig von der Pandemieentwicklung und den damit verbundenen Vorgaben von Bund und Kanton wird jedoch noch einiges an Konzeptarbeit zu leisten sein», so Lütolf. Was eine allfällige 3G-Zone Altstadt betrifft, so sagt er: «Das müssen wir zusammen mit allen Beteiligten klären. Ist ein 3G-Szenario ohne Absperrungen möglich? Und kann man das signalisieren?» Die Stadt sei ebenfalls bestrebt, punkto Bewilligungen im Januar «klarer zu sehen».

Liveticker der Medienkonferenz zum Nachlesen

10:42 Uhr Fazit

Für die internen und externen Anlässe gilt die 3G-Regel. Dazu gehören unter anderem der Zunftbot, der Schalander-Empfang oder auch das Bärteliessen. Für die Durchführung der bewilligungspflichtigen Veranstaltungen wie Umzüge, Fasnachtsmäärt oder Monstercorso gilt die Devise: Abwarten. Die Stadt Luzern drückte am runden Tisch aber ihre Unterstützung aus bezüglich 3G-Konzepte. Keine Fasnacht light oder abgesperrte Zonen: Alle Fasnachsorganisationen plädieren für eine uneingeschränkte Fasnacht und appellieren an die Vernunft der Fasnächtlerinnen und Fasnächtler, das der Weg über die 3G-Konzepte helfen wird.

Das war's von der Medienkonferenz – vielen Dank fürs Mitlesen.

10:28 Uhr

Die Fragerunde beginnt:

Wie ist das genau mit dieser 3G-Zone?

Peti Federer: «Das ist ein Gedanke, der schon mal diskutiert wurde. Beispielsweise von einer Bahnhofstrasse mit Zertifikatspflicht. Für das LFK ist aber klar: Das können wir uns nicht vorstellen.»

Robert Marty ergänzt: «Die Stadt ist ein öffentlicher Raum, da wären solche Einschränkungen schwierig durchzusetzen.»

Vorbild Swiss City Marathon für die Umzüge. Ausführungen?

Dani Abächerli: «Wir schauen uns das Konzept an und es stimmt uns zuversichtlich, dass die Umzüge möglich sind. Ich muss aber festhalten: Die Umzüge sind an eine Bewilligung der Stadt gekoppelt. Wir müssen dann ein Konzept vorweisen, das abgesegnet werden muss.»

Nachfrage zum runden Tisch mit dem Kanton und der Stadt. Was sagten die Behörden?

Robert Marty: «Wir haben das Wohlwollen gespürt und Zuspruch von der Stadt Luzern. Der Kanton hat sich nicht zu Wort gemeldet am runden Tisch. Wir erwarten da im Januar eine Bewegung von kantonaler Seite. Die Fasnacht ist eine Riesenkiste und am Ende sind wir vom Kanton abhängig, und der wiederum vom Bund. Wir Fasnächtler sind da eher weit unten in der Kette.»

Wie würde man entscheiden, wenn nur ein Teil der Fasnacht durchführbar wäre?

Federer: «Es gibt aktuell keine rechtliche Grundlage, dass die Guuggenmusigen und die Fasnächtler nicht die Strassenfasnacht feiern könnten. Die Strassenfasnacht ist nicht organisiert, die passiert einfach. Da können wir also nicht viel machen. Anders sieht es bei den Umzügen aus, die eben an der Bewilligungspflicht scheitern könnten.»

10:26 Uhr

Federer: «Die Stadt unterstützt unsere Überlegungen und hofft ebenfalls auf eine uneingeschränkte Fasnacht.» Es gab einen runden Tisch mit dem Kanton und der Stadt Luzern.

10:25 Uhr

Peti Federer hat wieder das Wort: «Schwierig wird es, sobald ein Anlass unter die Bewilligungspflicht fällt. Wir planen aber, sind zuversichtlich und wollen eine uneingeschränkte Fasnacht feiern.»

10:23 Uhr

Flavio Bezzola, Fidelitas Lucernensis: «Auch wir haben beschlossen, die Anlässe finden unter den aktuellen Regeln statt.» Zum rüüdigen Samschtig: «Da hoffen wir auf eine Durchführung und werden mit dem LFK die Situation weiterhin beobachten und uns absprechen.»

10:22 Uhr

Bruno Gisi, Medienbeauftragter Maskenliebhaber-Gesellschaft: «Im MLG-Gesellschaftshaus wird die Stobete stattfinden mit Publikum. Natürlich unter Einhaltung der geltenden Regeln.» Auch für die Noster Bar, die jeweils während der Fasnacht im unteren Teil des MLG-Hauses organisiert wird, läuft die Planung.

10:20 Uhr

Bruno Spörri, Präsident Wey Zunft: «Wir haben beschlossen, alle unsere Anlässe in der Vorfasnachtszeit durchzuführen. Stand heute: Wir planen die Tagwache am Güdis-Mäntig.» Man glaube an den guten Fasnächter, an den vernünftigen Fasnächtler, der weiss, wie man sich in dieser Situation zu verhalten hat.

10:16 Uhr

Otto Joho, Präsident Kult-Ur-Fasnächtler Lozärn: «Wir hoffen, dass wir mit unseren Sujets wieder durch die Gassen ziehen können.»

Alex Stadelmann, Präsident Zunft zu Safran: «Unsere Anlässe in den kommenden Wochen finden unter den 3G-Regeln statt.» Bezüglich der rüüdigen Tage ist Stadelmann zuversichtlich und er denkt, es werde einiges möglich sein. «Wir sind positiv, dass in irgendeiner Form auch die grossen Feste stattfinden können.»

Fredi Meier von der Zunft zu Safran ergänzt: «Die Idee einer 3G-Zone liegt im Raum.» Stichprobenkontrollen sollen dann stattfinden und wer sich nicht daran hält, der bekommt eine Busse. So könne man sich die Fasnacht vorstellen.

10:13 Uhr

Robert Marty, Präsident Die Vereinigte: «Für uns gibt es nur eine Fasnacht, wie wir sie kennen, keine Alternativen.» Wir halten uns an alle Vorschriften und sind optimistisch, mit 3G die vorfasnächtlichen Anlässe durchführen zu können.

Der Guuggerbaum ist ebenfalls geplant. Betreffend Kindermonster ist man noch zurückhaltend, da wird abgewartet. Das Monstercorso ist flexibel und kann auch noch spontan abgesagt oder durchgeführt werden.

10:08 Uhr

Dani Abächerli, Präsident LFK: «Die Plakettenproduktion haben wir für 2022 für die Hälfte der Menge gestartet. Ob die zweite Hälfte produziert wird, entscheiden wir später.»

Das LFK wolle alle internen und externen Anlässe gemäss den Vorschriften des BAG durchführen. Das bedeutet unter den 3G-Regeln. Darunter fallen der Schalander im Januar oder auch die Plakettenpräsentation. Auch der Fasnachtsmarkt und die Usgüügglete sollen geschützt stattfinden.

Die Vorbereitungen der Fasnachtsumzüge sind im Gang. Abächerli: «Wir sind vorsichtig optimistisch, dass die Umzüge stattfinden können.» Vorbild dafür sei der bald stattfindende Swiss City Marathon.

Die Anlässe für die Kinder werden mit Maske durchgeführt.

10:07 Uhr

Federer: «Stand heute wäre ein Fötzeliregen mit Tausenden Menschen auf dem Kapellplatz nicht möglich, aber die Chance besteht noch.» Klar sei: Man wolle keine Fasnacht light, insbesondere, was die Strassenfasnacht betreffe.

10:04 Uhr

Federer sagt: «Wir entscheiden nicht, ob die Fasnacht stattfindet. Wir organisieren und machen alles drum herum und wir stehen ein für traditionelle Fasnachtsanlässe. Klar ist: Wir tragen auch eine Mitverantwortung für die Fasnacht.»

«Für Anlässe führt der Weg wohl nicht an der Zertifikatspflicht vorbei.» Man wolle nicht diese Zertifikatspflicht beurteilen, sondern man wolle einfach Fasnacht machen. «In den nächsten Monaten ist das dann einfach der Weg. Dieser Weg wird auch helfen, die Lozärner Fasnacht 2022 besser geniessen zu können.»

10:00 Uhr

Peti Federer macht pünktlich die Begrüssung. «147 Tage geht's noch bis zum Schmudo», sagt Federer. Der Fasnachtsvirus soll das Coronavirus vertreiben.

09:50 Uhr

Herzlich willkommen zur Medienkonferenz zur Lozärner Fasnacht 2022. Auf dem Rednertisch sind acht Namensschilder aufgestellt. Mit dabei sind:

- Bruno Gisi, Medienbeauftragter Maskenliebhaber-Gesellschaft
- Otto Joho, Präsident Kult-Ur-Fasnächtler Lozärn
- Bruno Spörri, Präsident Wey-Zunft
- Röbi Marty, Präsident Vereinigte
- Peti Federer, Sprecher Lozärner Fasnachtskomitee (LFK)
- Dani Abächerli, Präsident Lozärner Fasnachtskomitee (LFK)
- Alex Stadelmann, Sprecher Zunft zu Safran
- Flavio Bezzola, Sprecher Fidelitas Lucernensis.

Die Medienkonferenz im Video

Beitrag von Tele 1 mit Peti Federer

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