FASNACHT: Luzern stehen schaurig-schöne Zeiten bevor

Noch weniger als eine Woche bis zum Urknall: Die Wagenbauer arbeiten auf Hochtouren, und die «Chatze» verweigern ihre Rente.

Yves Portmann
Drucken
Teilen
Vorfreude bei Vampir und Werwolf: Die riesige Kutsche der Chottlebotzer Lozärn rollt bald durch die Luzerner Gassen. (Bild Manuela Jans)

Vorfreude bei Vampir und Werwolf: Die riesige Kutsche der Chottlebotzer Lozärn rollt bald durch die Luzerner Gassen. (Bild Manuela Jans)

«Der Wagen ist extra noch nicht ganz fertig gebaut – alles wollen wir noch nicht verraten», scherzt Tobi Lanz. Der Präsident der Chottlebotzer Lozärn präsentierte am gestrigen traditionellen «Baustellenrundgang» des Lozärner Fasnachtskomitees (LFK) das diesjährige Fasnachtssujet: eine riesige schwarze Kutsche, flankiert von einem pelzigen und Furcht einflössenden Werwolf und einer schaurig-schönen Vampirdame. Am Schmutzigen Donnerstag ist es für die Chottlebotzer so weit: Die Herrschaft der Vampire in Luzern kann beginnen.

Über 1000 Arbeitsstunden

Andreas Lüdi ist der technische Leiter der Chottlebotzer und froh, dass er für die Fertigstellung noch etwas Zeit hat. «Diese Woche brauchen wir schon noch – es gibt noch einiges zu erledigen.» Die Kutsche, die bald schon von kräftigen Werwölfen durch die Stadt gezogen wird, weist mit einer Länge von acht Metern und mannshohen Hinterrädern imposante Ausmasse aus. Als Vampirdame lässt es sich darin sicherlich komfortabel durch die Stadt kutschieren.

Die überdimensionierten Hinterräder stellten die Wagenbauer vor einige Schwierigkeiten: «Das riesige Rad blockierte zuerst die ausklappbare Bar», erklärt Lüdi. Doch in den über 1000 geleisteten Arbeitsstunden an der Kutsche konnte dieses Problem elegant gelöst werden: Soll die Bar ausgefahren werden, bewegt sich das Rad – wie von Geisterhand – zur Seite.

Whisky aus rostigen Rohren?

Gestärkt mit Wurst und Bier, führte der «Baustellenrundgang» die Fasnachtsgewaltigen direkt ins Epizentrum der bevorstehenden Fasnacht: in die Luzerner Altstadt, genauer ins Lokal der Maskenliebhabergesellschaft am Süesswinkel. Hier begrüssten die Kult-ur-Fasnächtler von Nostradamus die illustre und durstige Gästeschar. Viel über ihr Motto verraten die verschwiegenen Fasnächtler nicht. Mit dem servierten Whisky und den Schlagwörtern «Roscht und Schottenrock» lässt sich aber so einiges zusammenreimen. Ob die für ihre Detailgenauigkeit bekannte Gruppe am Schmutzigen Donnerstag gar eine alte, rostige Whisky-Destillerie präsentieren wird?

«Den Puls der Gruppen fühlen»

Begleitet wird der Baustellenrundgang auch von LFK-Präsident Andreas Arpagaus: «Es ist wunderbar, den Puls der verschiedenen Fasnachtsgruppen zu fühlen und zu sehen, was sie gestaltet haben – es macht einen noch gwundriger, wie es dann am Umzug aussieht», schwärmt Arpagaus. Dies sieht auch Marcel Manetsch so. Als LFK-Umzugschef ist er über die 39 Umzugsteilnehmer bestens im Bild. «Die Freude beim Besuch ist gegenseitig – die Gruppierungen schätzen den Besuch des LFK sehr.» Um so mehr, da beim Baustellenrundgang nur jeweils drei Gruppen besucht werden können.

Besonderen Anlass zur Freude an der diesjährigen Fasnacht hat Marco Herzog, Präsident der Chatzemusig Lozärn. «Es ist ein spezielles Jahr für uns: Wir haben das Pensionsalter erreicht – wollen aber noch lange nicht in Rente gehen», sagt Herzog zum 65. Geburtstag der Chatzemusig Lozärn. Ein Blick auf das Sujet «Fascht so alt wie de Wassertorm» gibt denn auch den Blick in die Fasnachtsgeschichte preis: «Unsere typischen ‹Röhre-Grende› gehen auf den Ursprung der Fasnacht zurück – wie auch das Lied ‹Hau i de Chatz de Schwanz ab›.»