FASNACHT: Mit Ross und Schnauz im Wilden Luzern

Wenn aus einem Fünf-Sterne-Hotel plötzlich eine Westernstadt wird, muss das mit Gisela und Ruedi zu tun haben. Da fliegen auch schon mal Hufeisen durch den Saal.

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Western-Feeling im «Palace» – hier mit einem Geburtstagskuchen für Hoteldirektor Raymond Hunziker (Mitte, weisses Hemd). (Bild: Heinz Steimann (Luzern, 21. Januar 2017))

Western-Feeling im «Palace» – hier mit einem Geburtstagskuchen für Hoteldirektor Raymond Hunziker (Mitte, weisses Hemd). (Bild: Heinz Steimann (Luzern, 21. Januar 2017))

Das hat wohl die ganz Stadt gehört. Die Trucks vor dem Hotel Palace haben nicht nur stilecht den Start des "Tröcker- und Cöntrytreffen" am Samstagabend untermalt, sie haben mit ihrem Hupkonzert auch jegliche Zweifel ausgeräumt: Wenn die Kunstfiguren Gisela und Ruedi (zusammen mit ihrem Sohnemännchen Ernschtli) zu ihrer kunterbunten Fasnachtsball-Esstheater-Rollenspiel-Mischung laden, dann redet nachher (fast) die ganze Stadt darüber. Bereits zum sechsten Mal sorgte das OK um Beat Felder und Marco Thomann dafür, dass das Fünf-Sterne-Haus eine Nacht lang zum rüüdigen Hotspot wurde.

200 fesche Cowgirls und -boys waren vor Ort, mit oder ohne Ross, schnauzbärtige Trucker, Rednecks in Karohemden und ein waschechter, immer wieder aufspielender Countrysänger. Gesichtet wurde auch Elvis - oder zumindest dessen Interpretation durch den Luzerner Gordon-Blöö-Zunftmeister. Durch den Abend führte mit Carla Serschen-Kalbermatter eine, die das Motto im Blut hat: Die in Sarnen wohnhafte Walliserin moderiert auch am echten Trucker- und Countrytreffen von Interlaken.

Chili con Carne für President Trump?

In oppulent-kreativer Kulisse schnellte das Stimmungsbarometer rasch hoch. Mit dem Auftritt einer Line-Dance-Truppe übte sich die Western-Community in der Hotelhalle im rhytmischen Stiefelspitzenzeigen. Ob er am mexikanischen Menü mit Nachos und Chili con Carne Freude gehabt hätte? Donald Trumps Konterfei hing dennoch über dem Saal-Eingang unter dem Slogan: "Tröcker-First". Wobei vom Saal nichts mehr zu erkennen war: Eine regelrechte Western-City gabs da zu bestaunen, mit Saloon, Saddlery, General Merchandise und bison-behängter Bar-Theke. Zwischen den kakofinschen Auftritten von Barfuessfäger und Rüssgusler vergnügten sich Festbesucher beim Hufeisenwerfen, Nageln oder in Ernschtlis Western-Theäterli.

Doch was geht im Wilden Westen, wenn das Hotel Palace ab Herbst wegen Sanierung ein Jahr geschlossen bleibt? Die Gisela-und-Ruedi-Fasnacht findet auch 2018 wieder statt, versprechen die Macher. "Sänkk you very mötsch!"

Jérôme Martinu 

jerome.martinu@luzernerzeitung.ch