Fasnacht nach Drehbuch

Die Dreharbeiten laufen nun bekanntlich ohne Luzerner Zünfte. Der vierte Luzerner «Tatort» – so versichert das Schweizer Fernsehen – wird die Fasnacht nicht in den Dreck ziehen.

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Bei den Dreharbeiten am Schmutzigen Donnerstag für «Schmutziger Donnerstag». (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Bei den Dreharbeiten am Schmutzigen Donnerstag für «Schmutziger Donnerstag». (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Ich habe ihn bereits vor Augen: Spannende Musik. Intro. Kommissar Reto Flückiger (gespielt von Stefan Gubser) patrouilliert durchs Brandgässli. Rund um ihn wildes Treiben. Vollmaskierte und nüchterne Fasnächtler toben zu den Klängen einer Guuggenmusig, die nur Stücke spielt, die sie vorab bei der Suisa angemeldet hat. Flückiger nickt zufrieden. Er trinkt aus einem Mehrwegbecher, den er anschliessend gegen ein Depot wieder zurückgibt, einen Rumpunsch (alkoholfrei), den er bei einem offiziellen Händler zu einem fairen Preis erworben hat.

Zufrieden schwenkt sein Blick über den Weinmarkt. Wagen an Wagen, sauber parkiert und keine Soundanlage, aus der zu laut schlechter Schlager tönt. Alle Wagengruppen haben ein originelles Motto ausgesucht, das trotz einer Bauzeit von einem halben Jahr immer noch aktuell und teilweise sogar politisch ist. «So sind sie halt, die Luzerner», sagt der Kommissar, der bekannterweise vom Bodensee in die Innerschweiz versetzt wurde.

Etwas Hektik kommt auf dem Kornmarkt auf. Unterhalb der Treppe kommt es zu einem kleineren Gedränge, da die Schlange vor dem öffentlichen WC, das trotz Hochbetrieb immer blitzeblank ist, mittlerweile epische Ausmasse angenommen hat. Nach kurzem Zureden des Kommissars verstehen es aber die vereinzelten Drängler (Auswärtige), verkneifen sich den Harndrang und reihen sich wieder ein.

Besonders positiv fällt Flückiger auch der Umgang zwischen Mann und Frau auf. Man ist nett, nicht auf schnellen Sex aus, was auch seiner Partnerin Abigail Lanning (Sofia Milos) ein «Wonderful» entlockt. In einer offiziellen Verpflegungszone stärken sich die Polizisten und entsorgen den biologisch abbaubaren Teller anschliessend in einem «Dräksack». Kurz fällt Flückiger noch auf, dass wirklich jeder eine offizielle Fasnachtsplakette in Gold trägt. Spannende Musik. Abspann.

Die Kritiken auf die «Tatort»-Folge «Schmutziger Donnerstag» fallen gespalten aus. Während die «Süddeutsche Zeitung» von der «langweiligsten Episode aller Zeiten» spricht, kommentiert der Fritschivater, dass er «zufrieden» sei. Er habe, so der Zunftmeister der Zunft zu Safran, die Fasnacht – mit kleinen Ausnahmen – ganz ähnlich in Erinnerung.

Michael Graber