FASNACHT: Umzugsprämierung neu ohne Publikum

Das Lozärner Fasnachtskomitee stellt um: Die Resultate der Sujetprämierung werden schon an der Fasnacht bekannt, das Tele­voting wird gestrichen.

Jérôme Martinu
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Sängerin Silvia Kaufmann mit Määrtpuure gestern an der Schalander-Premiere von «Tschiggi, tschiggi, bum, bum – mini Lozärner Fasnacht» des LFK-Määrtkomitees. (Bild Manuela Jans)

Sängerin Silvia Kaufmann mit Määrtpuure gestern an der Schalander-Premiere von «Tschiggi, tschiggi, bum, bum – mini Lozärner Fasnacht» des LFK-Määrtkomitees. (Bild Manuela Jans)

Grossaufmarsch gestern Abend im Schalander der Brauerei Eichhof: Rund 100 Personen, fast alles, was in der zünftigen Szene Rang und Namen hat, trafen sich zur Präsentation der neuen Zunftmeister und Amtsträger. Der Präsident des Lozärner Fasnachtskomitees (LFK), Daniel Medici, motivierte in seiner Rede die Huerenaffe, die ursprünglichen Werte der Fasnacht zu pflegen: «Wir haben den Anlass bewusst auf traditionelle Werte zurückgesetzt. Darum verzichten wir auch auf die Auftritte nationaler Comedygrössen der letzten Jahre.»

Määrtpuure als Rapper

Neu nutzt das LFK den Schalander-Empfang, um Neuerungen der (Medien-)Öffentlichkeit zu präsentieren (siehe Box). Entsprechend kamen gestern alle Ressortverantwortlichen zu Wort – und Musik. So auch der lautstarke Primeur des Määrt-Komitees «Tschiggi, tschiggi, bum, bum – mini Lozärner Fasnacht» von Schlagersängerin Silvia Kaufmann. Die Määrtpuure haben ihn neu mit einem Rap garniert und glauben fest ans Schunkelpotenzial dieser Nummer.

Die gewichtigste Veränderung an der Fasnacht 2013 seitens LFK: Die Prämierung der Umzugssujets vom Schmutzigen Donnerstag und Güdismontag wird nicht mehr in den Tagen nach Aschermittwoch, sondern bereits am Güdisdienstagabend bekannt gemacht. Dies in der LFK-Beiz Buobenmatt. Grund: «Es macht mehr Sinn und ist stimmiger, wenn die Prämierung während der Fasnacht stattfindet», sagt LFK-Mediensprecher Bruno Spörri. Und: «Es war immer etwas eigenartig, wenn die Sieger im Nachgang ihre Masken in Papiersäcken tragend an die Preisverleihung kamen.»

Einen Einschnitt wird es zudem in Sachen Umzugsbewertung geben: Publikumsstimmen sind nicht mehr gefragt – das Televoting wird abgeschafft. In den vergangenen Jahren wurde das Publikum jeweils zu einem Viertel einbezogen. 25 Prozent zählte zudem die Meinung der Promi-Jury, 50 Prozent die Stimmen der LFK-Fachjuroren. Nebst den Prominenten wird also eine acht- bis zehnköpfige Fachjury ihre Urteile abgeben, sie soll beim Bahnhof stationiert werden. Wer genau Einsitz nimmt, ist noch nicht abschliessend definiert.

«Wiederholt böses Blut»

Spörri erklärt: «Das bisherige System hat wiederholt für böses Blut gesorgt. Gegen aussen, weil die Publikumsmeinung teils weit von der Schlussbewertung entfernt lag, gegen innen, weil Umzugsteilnehmer die Publikumsmeinung in Frage stellten.» Umzugsfasnacht unter Ausschluss der Publikumsmeinung? Man sei sich bewusst, dass dies eine Gratwanderung sei, so Mediensprecher Spörri, das LFK habe damit aber auch die Mauschelei-Vorwürfe bei den Telefonstimmen entkräften wollen.

Was er damit meint: 2012 waren beim Televoting über 6100 Stimmen abgegeben worden (90 Rappen pro Anruf) – darunter wie immer viele Wiederholungsanrufer. Spörri: «Klar, eine Telefonabstimmung ist immer auch eine Mobilisierungsgeschichte. Aber wo setzt man die Grenze? Schon beim zweiten oder erst beim zehnten oder fünfzigsten Anruf von der gleichen Nummer?»

Regelmässig für Kritik an die Adresse der Umzugsverantwortlichen des LFK sorgt auch die Verteilung der Startplätze. Absagen sorgen für Frust. So kursieren derzeit Schreiben an die LFK-Adresse, in welchen der Vorwurf der Intransparenz bei der Umzugsplätze-Vergabe erhoben wird. Willkür? Vitamin B? «Für uns ist es schwierig auszumachen, wer die Umzugsteilnehmer effektiv auswählt», schreibt eine Gruppe. Stephan Furrer, Chef des Umzugskomitees (UK), kennt die Kritik – und stellt Transparenz her: «Die neun UK-Mitglieder beurteilen die Bewerbungen, dann wird demkratisch abgestimmt.» Die Kriterien gemäss Furrer in der Zusammenfassung:

  • Treue: Langjährige Umzugsteilnehmer sind gesetzt, werden bevorzugt.
  • Sujet: Die Sujets sollten mit aussagekräftigen Skizzen/Plänen vorgeschlagen werden, das UK soll sich aufgrund der Angaben ein gutes Bild machen können.
  • Pausen: Setzen Umzugsteilnehmer aus und pausieren, so mindert das die Chancen auf die Berücksichtigung.
  • Länge: Maximal 36 Nummern, dies primär wegen Sicherheitsauflagen (Verkehr) und Zeitdauer (TV-Übertragung).


Bei den Umzug-Teilnahmen geht es auch um finanzielle Unterstützung: Es werden 15'000 Franken ausbezahlt. Das LFK leistet Subventionen an Teilnehmer. Es werden Langjährigkeit, Wagenbau und Gruppengrösse berücksichtigt.

Herrenabend nicht mehr «öffentlich»

Die Abende im Saal der Maskenliebhaber sind im Kreis der Eingefleischten legendär: der sogenannte LFK-Empfang oder Herrenabend, mit mal mehr, mal minder zünftig-deftigen Reden der Fasnachtsgewaltigen und ihrer prominenten Ehrengäste. Der Anlass, ursprünglich als Medienorientierung konzipiert, wird nun umgestellt: Medien sind nicht mehr zur Berichterstattung eingeladen.

Warum schliesst das Lozärner Fasnachtskomitee so faktisch die Öffentlichkeit aus? LFK-Sprecher Bruno Spörri sagt auf Anfrage, dass man einerseits das akute Platzproblem im Saal entschärfen wolle. Im Gegenzug habe man für die Medien den Schalander-Empfang aufgewertet. «Und dann ist das ein Stück weit auch ein Nachbrenner des Falles Regierungsrat Bühlmann von 2006. Das LFK möchte, dass die geladenen Redner ihre Meinung frei, ohne Angst vor einem medialen Gewitter äussern können.» Ein kategorischer Schnitt sei nicht geplant, «persönliche Einladungen an Journalisten sollen möglich sein», so Spörri. jem