FASNACHT: Urs Jans: «Ich muss ja nachher den Kopf hinhalten»

Die Fasnachtszeitungen sorgen jedes Jahr für Gesprächsstoff. Zwei Zeitungsmacher erzählen, wie sie an die Geschichten rankommen und wo die Grenzen sind.

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Urs Jans, der Macher der Rothenburger Fasnachtszeitung «Ameisi-Bronz», arbeitet an der Ausgabe 2015. (Bild: Corinne Glanzmann)

Urs Jans, der Macher der Rothenburger Fasnachtszeitung «Ameisi-Bronz», arbeitet an der Ausgabe 2015. (Bild: Corinne Glanzmann)

Die Ameisi-Zunft Rothenburg bringt heuer ihre 25. Ausgabe des «Ameisi-Bronz» heraus. «Die Jubiläumsausgabe wird aber auch nicht anders als die vergangenen. Sie hat wieder einige Highlights, unter anderem acht grosse Karikaturen», verrät Zeitungsmacher Urs Jans. Seit 20 Jahren sammelt er unter dem Jahr die Infos aus den rund 100 Vereinen, aus der Politik, den Quartieren und von vielen Privatpersonen und trägt so Geschichten aus dem Dorfleben zusammen. «Ich ermahne die Leute immer wieder, mir ihre Storys zu erzählen», sagt er und deutet auf die vielen USB-Sticks auf seinem Tisch. Plaudern tun sie offenbar alle gern.

Ähnlich kommt auch Benno Zurfluh von der Wey-Zunft an seine Geschichten für die Fasnachtszeitung «Knallfrosch». «Der Frosch hat seine Augen und Ohren überall», meint er lachend. Seine Quellen würde er natürlich nie preisgeben. Die manchmal für die betroffenen Personen etwas peinlichen Geschichten sollen lustig sein und jemanden aufs Korn nehmen, man will niemandem an den Karren fahren.

Quellen werden nicht verraten

«Es kam sehr selten vor, dass jemand nicht zufrieden war mit dem, was über ihn im ‹Bronz› stand. Eher wollten die Betroffenen wissen, wer die Geschichte verraten hat. Doch das verraten wir natürlich nicht. Meist ist so was mit ein paar Kafi auch erledigt», sagt Urs Jans schmunzelnd.

«Ich glaube, die Leute empfinden es eher als eine Ehre, in der Fasnachtszeitung zu erscheinen. Jeder tritt ja mal in ein Fettnäpfchen, aber wir stellen niemanden bloss. Die Grenze ist immer dort, wo der Betroffene auch selber noch schmunzeln kann», erzählt Benno Zurfluh. Das sieht Urs Jans ähnlich: «Ich denke mich immer in die Situation der Betroffenen. Ja, manchmal erscheint sogar ein Text über mich.» Damit niemandem Unrecht getan wird, hat Urs Jans den Rat der Weisen. «In der Woche vor Erscheinen treffen wir uns bei einer Fleischplatte und diskutieren die Beiträge. Sie raten mir, wo ich schärfer sein soll, wo milder. Allerdings bin ich da vorsichtiger als sie. Ich muss ja nachher den Kopf hinhalten. Und ich möchte in dieser Gemeinde ohne Probleme leben», betont der Rothenburger. Auch Benno Zurfluh sichert sich bei seinen Zunftkollegen ab. «Wir stehen alle im Berufsleben, kennen einander. Da weiss man schon, was es verträgt und was nicht.»

Auflage von 55 000 Exemplaren

Mit einer Auflage von 55 000 Exemplaren ist der «Knallfrosch» die grösste Fasnachtszeitung im Raum Luzern. «51 000 werden gleich am 5. Februar in die Haushalte verteilt, die anderen liegen im LZ-Corner auf», erzählt Benno Zurfluh. Im Vergleich dazu hat der «Ameisi-Bronz» eine bescheidene Auflage von 3000 Exemplaren.

Beide Zeitungen werden vom Publikum sehnlichst erwartet und sind schnell vergriffen. Dass beide gratis sind, trägt dazu sicher bei. So ist denn auch die Finanzierung des 80-seitigen «Knallfroschs» die grösste Schwierigkeit, der sich Benno Zurfluh gegenübersieht. «Es wird jedes Jahr schwieriger, das Geld zusammenzubekommen. Es funktioniert nur dank sehr treuen Sponsoren und Inserenten», betont er. Für den «Knallfrosch» oder den «Ameisi-Bronz» Geld zu verlangen, steht aber für beide Zeitungsmacher nicht zur Diskussion.

Stolz wird Urs Jans auch am 6. Februar an der Iigüglete auf dem Fleckenplatz den diesjährigen «Ameisi-Bronz» präsentieren. Am nächsten Morgen liegt die Zeitung dann auf. «Und der Pfarrer und die Gemeinderäte gehen besonders früh zur Bäckerei, um sich ihr Exemplar zu sichern», meint der Rothenburger Fasnachtszeitungsmacher augenzwinkernd.

nATALIE eHRENZWEIG