FASNACHT: Zahnräder, Korsagen und Zylinder erobern die Luzerner Fasnacht

Steampunk-Kostüme haben an der Fasnacht ihren grossen Auftritt. Am Charme des viktorianischen Zeitalters, gepaart mit einem historischen Blick in die Zukunft, gibt es kein Vorbei mehr.

Urs-Ueli Schorno
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Die Steampunker von links: Pierrre-Alain Rouiller (Doktor Angstroem), Marco Meier (Professor Wolfenstein) und Stephan Dräyer (Dr. Zorno) in ihrem «Freakatorium» in Emmenbrücke. (Bild: Eveline Beerkircher (1. Februar 2017))

Die Steampunker von links: Pierrre-Alain Rouiller (Doktor Angstroem), Marco Meier (Professor Wolfenstein) und Stephan Dräyer (Dr. Zorno) in ihrem «Freakatorium» in Emmenbrücke. (Bild: Eveline Beerkircher (1. Februar 2017))

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch

Sag einer, Fasnacht und Literatur gingen nicht zusammen. Einer der grossen Ideengeber für die rüüdigen Tage wird dieses Jahr der legendäre Jules Verne sein. Sein U-Boot «Nautilus» oder die Rakete in der «Reise zum Mond» stehen sinnbildlich für den Trend, der dieses Jahr auch die Stadt Luzern erobern wird. «Ganz klar: Steampunk-Kostüme und Zubehör sind dieses Jahr gefragt wie noch nie», sagt Damian Surber, Geschäftsführer des Fasnachts-Bazars an der Bireggstrasse. «Die Fasnächtler sind ganz verrückt nach Korsagen, Röcken, Mäntel, Hüten, aber auch Motorradbrillen, die mit Zahnrädern und allerlei metallenen Gegenständen kombiniert werden.»

Steampunk. Hier trifft das viktorianische Zeitalter mit Frack, Korsett und Zylinder auf das Genie des Gentlemans, der sich gerne auch als Erfinder versucht. Die Dampfmaschine (Dampf auf Englisch = «steam») soll dabei für den Antrieb von U-Booten, Raketen, Waffen, Computern und ­allerlei Accessoires der Zukunft sorgen. Der Charme von mechanischen Zukunftsvisionen, die ganz ohne Elektrizität auskommen müssen, macht diesen ursprünglich literarischen Trend aus, der von einigen heute auch durchaus im Alltag gelebt wird.

Dr. Zorno zeigt den Fasnächtlern, wie es geht

«Mach ein Zahnrad dran, und nenn es Steampunk», lautet eine gängige Definition, die auch die bastelfreudigen Fasnächtler anleiten wird. «Ganz so einfach machen es sich richtige Steampunker nicht», sagt Stephan Dräyer (auch bekannt unter seinem Pseudonym Dr. Zorno): «Aber es ist mal ein Anfang.» Der 40-jährige Luzerner betreibt in Emmenbrücke mit Marco Meier alias Professor Wolfenstein und Pierre-Alain Rouiller alias Doktor Angstroem das «Freakatorium», einen Laden, in dem sich Mittelalter-Fans, Superhelden-Begeisterte oder eben Steampunker einkleiden und ausstatten. Das ganze Jahr über. «Die Fasnächtler sorgen dafür, dass wir kein Januarloch verspüren», sagt Dräyer mit einem Lachen unter dem Zylinder und der metallenen «Goggle», wie die klassische Steampunk-Brille heisst. Schon in den vergangenen ein, zwei Jahren beobachtete er, dass die Steampunk-Ästhetik Einzug an die Fasnacht hielt: «Die Szene ist seit rund fünf Jahren auch kommerziell interessant geworden; da überrascht es nicht, dass sich auch Fasnächtler vermehrt dafür interessieren.»

Er selbst entwickelt seinen Dr. Zorno seit zehn Jahren immer weiter. Da gibt es die lederne «Kleriker-Maske» mit eingebautem Monokel. Bewaffnet ist seine Figur mit der «Schmugglerkanone», die als Ring getragen wird. Im Gefecht kommt auch mal eine eiserne Hand zum Einsatz. Alle Teile sind in Metall – häufig Messing – gehalten und liebevoll mit Details ausgestattet.

Guuggenmusigen mit Kostümen ausgestattet

«Zu Beginn waren wir nur ein ganz kleines Grüppchen von Schweizern, die nach England und Deutschland gereist sind, um an Teepartys oder Picknicks teilzunehmen», sagt Dräyer. Seit ­einigen Jahren nehme das Interesse am Steampunk stark zu – auch dank Filmen wie der neueren Sherlock-Holmes-Reihe.

«In der Szene macht das Entwickeln und Basteln einen grossen Teil aus», führt Dräyer aus. Das verbindet die Steampunker wohl auch direkt mit den Fasnächtlern. «Wir haben schon einige Guuggenmusigen mit kompletten Kostümen ausgestattet. Viele kommen aber auch, um sich mit Einzelteilen einzudecken, die sie dann selbst oder in unseren Workshops verarbeiten.» Ganz günstig sei ein stilechtes Steampunk-Outfit nicht, der echte Punker trage sein Kostüm ja nicht nur während weniger Tage im Jahr.

Obwohl Stephan Dräyer noch unzählige Spielarten, von «Diesel-Punk» bis zum «Gaslicht-Punk» kennt, wird er an der Fasnacht nicht unbedingt zum Retrofuturisten, wie es in der Fachsprache heisst. «Es wird wohl eher ein Superheld werden», verrät er. Ganz ausschliessen will er aber nicht, das Dr. Zorno für einen kurzen Augenschein durch die Luzerner Altstadt flanieren wird. «Es interessiert ihn schon, wie andere ihre Ideen umsetzen.»

Hinweis: Kostüm-Fotoshooting mit Wettbewerb: 10. Februar 18 bis 21 Uhr. 11. Februar 13 bis 16 Uhr im Freakatorium, Buchenstrasse 4, Emmenbrücke.