FASNACHTS-ABC: Jetzt gilts langsam wieder ernst

Fasnacht ist Fasnacht. Viel mehr muss man nicht sagen. Ein bisschen aber schon: Das Abc zur «schönsten Zeit des Jahres».

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Dass man einen Schluck Konfetti abkriegt, gehört zur Fasnacht. (Bild Chris Iseli/Neue LZ)

Dass man einen Schluck Konfetti abkriegt, gehört zur Fasnacht. (Bild Chris Iseli/Neue LZ)

A wie Anbändeln. Sehr beliebte Tätigkeit während der Fasnacht. Im dichten Gewühl keimen grosse Gefühle. Anbändeln hat nichts zu tun mit dem so genannten Fasnachtsbändel, der im Gegensatz zu vielen Menschen nur sehr schwer entflammbar ist. Ein kurzes Funken, dann stinkts ein bisschen, und schon ist der Ofen aufs. Wie übrigens nicht selten auch beim Anbändeln.

B wie Basel. Kommt hinterher wie die alte Fasnacht, hat Luzern trotzdem einiges voraus: mehr Feierlichkeit, mehr Wortwitz, mehr Konfetti («Räppli»). Nur leider marschieren die Guuggen dort im zackigen Gleichschritt, und wer ihnen auszuweichen versucht, wird vom Seitengässli her sofort zurückgepfiffen und gnadenlos zusammengetrommelt.

C wie Chleid. Wird häufig arschknapp fertig, manchmal nur dank gütiger Mithilfe einer Nachbarin. Falls diese um 3.15 Uhr einen Nervenzusammenbruch erleidet, kann man im äussersten Notfall das Chleid vom letzten Jahr tragen. Das irgendwie Tragische daran: Es merkts niemand.

D wie Durchmachen. Ein echter Fasnächtler macht durch. Mit zunehmendem Alter vor allem auch danach so einiges.

Q wie quer. An der Fasnacht gerät alles etwas durcheinander. Deshalb platzieren wir das dumme Q ungeniert hier und lassen es einfach so stehen.

E wie Event. Dass in Zusammenhang mit Fasnacht niemand von einem Event spricht, spricht für die Fasnacht. Netterweise ist auch noch niemand auf die Idee gekommen, die Zunftmeister in CEO (Carnival Executive Officer) umzubenennen.

F wie Fieber. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung ist das Fasnachtsvirus nicht ansteckend. Entweder man hats, oder man hats nicht. Unter Alkoholeinfluss zeigen sich mitunter ähnliche Symptome, wie wenn man vom Fasnachtsvirus befallen wäre. Im Unterschied zu den tatsächlich Infizierten machen sich die Scheininfizierten im Nachhinein Vorwürfe deswegen.

G wie Grind. Gehört dazu, vor allem bei Guuggenmusigen, nicht unbedingt bei den Zuschauern des Umzugs, die aber aus wohl falsch verstandener Solidarität häufig auch einen Grind machen.

H wie Holdrio. So wie der Advent untrennbar mit dem Glühwein verbunden ist, gibts an der Fasnacht auf Teufel komm raus diesen Mix aus Hagenbuttentee und Zwetschgenwasser. Das Beste, wenn nicht gar das einzig Gute an diesem Gesöff ist und bleibt sein Name.

I wie Intrigieren. Früher soll speziell in Luzerner Beizen noch so richtig intrigiert worden sein. Unklar ist, wann das genau war. Das verloren gegangene Intrigieren wird bereits seit Jahrzehnten bitterlich beklagt. Versuche, es wieder zu beleben, sind zum Scheitern verurteilt, weil niemand mehr weiss, wie richtiges Intrigieren geht. Manchmal kommts auch zu Verwechslungen mit Integrieren, was man nicht überall gerne hat.

J wie Jugend. Die Gesetzteren unter uns klönen an der Fasnacht gerne über die Masslosigkeit und das Überborden und den Sittenverfall unter den Jungen. Um dann aber schon im übernächsten Satz mit feuchtem Stolz zu verkünden, dass das alles Vergleich zu damals, als sie selber jung waren, ja «gar nüüt» sei, denn seinerzeit, da sei die Post voll abgegangen und die Sau rausgelassen worden, dass es keine Art mehr hatte, «das chasch dr hütt gar nümm vorstelle».

K wie kreativ. Das Jahresreservoir an Kreativität wird von Fasnächtlern einzig für die Zeit zwischen Schmutzigem Donnerstag und Güdisdienstag aufgewendet. Das ist auch bei uns nicht anders, weshalb uns hier zu diesem Wort ums Verrecken nichts, aber auch gar nichts einfallen will.

L wie Lyra. Was der Linksaussen in einer Fussballmannschaft ist, ist die Lyra in der Guuggenmusig: leicht daneben und doch fehlt etwas, wenn sie nicht dabei ist. Lyra-Spielerinnen (Spieler gibt es fast nur in reinen Männermusigen) heissen seltsamerweise häufig Angie. Oder Mela.

M wie Motto. Keine Fasnacht ohne Motto. Es wird vom Zunftmeister anlässlich seiner Inthronisation im Dezember ausgerufen, danach hört man häufig nichts mehr davon. Wir rufen deshalb ein paar Mottos 2008 in Erinnerung: «Bunte Vogelwelt» (Fischlizunft Rickenbach). «Witzig mit Vollgas» (Höckeler-Zunft Neuenkirch). «Egli, Frosch oder Stier, eifach weldi Tier» (Egli-Zunft Horw). Alles in allem: «Mier nämids wies chund» (Fröschenzunft Ebel). Genau.

N wie Nase. Nach wie vor ist eine rote Nase die einfachste Form fasnächtlicher Verkleidung. Wer sich keine aus Plastik kaufen möchte, kann den gleichen Effekt erzielen, indem man sich rechtzeitig einen Schnupfen holt, sehr tief ins Glas guckt oder sich nach einer gezielt eingesetzten Provokation auf die Nase hauen lässt. Letzteres kann aber ins Auge gehen.

O wie originell. Beliebter Ausspruch an der Fasnacht, wobei man nicht immer weiss, wie es wirklich gemeint ist.

P wie Plakette. Ist natürlich Ehrensache, hängt aber zuweilen doch bleischwer an einem (der Verkäufer, nicht die Plakette).

R wie rüüdig. Je langgezogener das «ü», um so rüüüüüüdiger ist etwas, wobei gemeinhin praktisch alles als rüüdig gilt. Rüüdig doofs wirds, wenn auch noch Zürcher und Aargauer dieses Wort in den Mund nehmen.

S wie Sujet. Nicht zu verwechseln mit dem Motto. Ein Sujet ist umso besser, je weniger man es erklären muss. Sujets dienen auch als fasnächtlicher Elchtest: Wer dreimal hintereinander fehlerfrei «schampar schöni Sujets» sagen kann, darf noch ein Holdrio bestellen.

T wie Television. Fasnacht nach Innerschweizer Art ist eines der ganz wenigen Ereignisse, die sich nicht via Fernsehen vermitteln lassen. Die drei beliebtesten Reporterfragen, sowohl am Fernsehen wie am Konfettiradio: «Wie lang besch scho uuf?» «As was send ehr onderwägs?» «Wie lang mache der no?» Die Antwort unter dem Grind hervor lautet immer ungefähr gleich: «Uoäähoargüüiählri». Vielen Dank.

U wie Urknall. Die Silbe «Ur-» legt nahe, dass auf den ersten Knall weitere folgen. Die einen haben einen in der Birne, andere zünden in der Menge Chinaböller und Schweizerkracher. Erstere laufen Gefahr, auf Dauer debil zu werden, Letztere sind es bereits (gleich wie die Orangen-Zurückwerfer).

V wie Verkehr. Wird an der Fasnacht vielerorts umgeleitet.

W wie Wetter. Macht nicht immer voll mit, als störend wird aber eigentlich nur Regen empfunden. Und Dachlawinen. Wenns einen Fasnächtler umhaut, ists aber meist aus einem anderen Grund.

XY wie Aktenzeichen. An der Fasnacht in der Stadt eine bestimmte Person zu suchen, erinnert an die Stecknadel im Heuhaufen. Tipp: Suchen Sie nicht, bleiben Sie, wo Sie sind. Weil 99 Prozent ständig rastlos zirkulieren, weil sie meinen, auf einem anderen Platz oder in einer anderen Beiz sei es besser, haben Sie so beste Chancen, «ihn» oder «sie» zu treffen. Ganz sicher aber viele andere nette Leute.

Z wie Zzzzz. Typisches Geräusch in Wohnungen von Fasnächtlern am Tag danach. Das Geräusch, das in seiner gesteigerten Form auch ein «chchchchrrn» oder ein «pfrrrrrrrr» sein kann, gibt besorgten Angehörigen gute Hoffnung, dass die Person wahrscheinlich noch am Leben ist.

A wie Aschermittwoch. Nur noch 376 Mal schlafen.

Hans Graber