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Fasnachts-Büezer: «Gewisse Fasnächtler sind froh, wenn wir sie wecken»

Wenn andere feiern, sitzt Reto Wirth für die Verkehrsbetriebe Luzern hinter dem Steuer. Der 47-Jährige geniesst die Abwechslung während der Fasnacht – und drückt in einer bestimmten Angelegenheit auch mal ein Auge zu.
Aufgezeichnet von Roman Hodel
Reto Wirth (47), Fahrdienst VBL, am SchmuDo am Bahnhof Luzern (Bild: Roman Hodel, 28. Februar 2019)

Reto Wirth (47), Fahrdienst VBL, am SchmuDo am Bahnhof Luzern (Bild: Roman Hodel, 28. Februar 2019)

«Für mich bedeutet Arbeiten an der Fasnacht eine willkommene Abwechslung. Es ist toll, mitten im Geschehen zu sein, während andere feiern. So kann ich meine Tätigkeit quasi mit dem Schönen verbinden. Und dies seit zwölf Jahren. Ich kann sagen, dass ich bei der VBL im Fahrdienst meinen Traumjob gefunden habe. Einerseits bin ich Chauffeur – aber nicht nur. Am Schmutzigen Donnerstag beispielsweise war ich frühmorgens als Reserve eingeteilt, später hat mich die Leitstelle am Bahnhof und für den Kontrolldienst eingesetzt.

Die Stimmung in unseren Bussen ist an der Fasnacht natürlich anders als sonst. Cool ist, wenn ganze Familien mit ihren aufwendigen Sujets einsteigen. Da kann man als Chauffeur erst noch seinen Teil dazu beitragen. Etwa, wenn diese Gruppen einen Wagen mitführen, für welchen wir dann die Rollstuhl-Rampe herunterklappen können. Das sind schöne Begegnungen. Oder wenn eine Guuggenmusig einsteigt und ein paar Töne von sich gibt. Gut, das gefällt nicht allen.

Wir transportieren an den Fasnachtstagen selbstverständlich auch viele Nicht-Fasnächtler, die womöglich zur Arbeit fahren. Doch die meisten Fahrgäste sind tolerant, selten gibt es Reklamationen. Wir sind ja schliesslich in Luzern.

Gute Nerven braucht man in unserem Job sowieso – auch unter dem Jahr. Da hilft mir meine Gelassenheit mit mittlerweile 47 Jahren und meine Erfahrung. Ich habe unter anderem zwei Jahre in der Schweizer Garde in Rom gedient und war zudem für die Schweizer Armee im Kosovo im Einsatz. Wobei: Die meisten VBL-Fahrgäste verhalten sich korrekt.

Das gilt auch auf den Nachtstern-Bussen, die ich oft fahre – etwa wieder am Rüüdige Samschtig, sowie am Güdismäntig.

Glücklicherweise benimmt sich ganz selten jemand daneben oder wird aggressiv. Und wenn, dann können wir immer noch Hilfe anfordern.

Gewisse Fasnächtler sind ja so tilt, dass sie froh sind, wenn wir sie an der Endhaltestelle wecken. Apropos Endhaltestellen. Dort sind wir Chauffeure angehalten, eine Grobreinigung vorzunehmen. Also etwa Zeitungen und Pet-Fläschli einzusammeln. An der Fasnacht hat es im Fahrzeug mehr Abfall als sonst. Grundsätzlich drücken wir an solchen Tagen aber ein Auge zu. Das gilt auch fürs Essen, was ja in den Bussen verboten ist.

In jungen Jahren bin ich an der Fasnacht oft durch die Gassen gezogen. Im Strassenkleid, wie es damals üblich war. Am SchmuDo begleitete ich mein Gottemeitli aus Sargans. Für sie ist die Luzerner Fasnacht ein Highlight. Selber verkleide ich mich nicht mehr – aber wer weiss, vielleicht tue ich es irgendwann wieder.»

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