Kolumne
Warum ich bei Tee-Bestellungen an der Luzerner Fasnacht fast «Vögu» bekomme

Was viele gar nicht wissen: Tee ausschenken an der Fasnacht ist harte Arbeit. Unser Fasnächtler Hotel Romanov weiss das nur zu gut.

Hotel Romanov
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Fasnacht kann ja so anstrengend sein. Überhaupt ist Feiern harte Arbeit. Ich weiss, wovon ich rede. An unserem Wagen in der Luzerner Altstadt erhalten Gönner Tee so viel sie mögen. Das bedingt Disziplin und Geduld von unserer Seite.

Ein Beispiel vom Schmudo-Abend: Eine junge Frau, nennen wir sie Petra, kommt an den Wagen und sagt: «Gärn es Tee.» Ich so: «Nur wenn du Gönnerin wirst!» Sie: «Unbedingt.» Ich: «Super, und was für ein Tee darf's sein – mit oder ohne Schnaps?» Sie dann: «Na eins mit Schnaps dänk, ich bin ja nicht krank.» Ich erwidere: «Das freut mich – aber soll's ein Holdrio oder ein Minze-Tee sein?» Sie schaut mich mit grossen Augen an und sagt: «Ich dachte mehr so an ein Hexentee.» Dann sage ich: «Okay, also demnach ein Minze-Zwätschge!» Jetzt schaut sie mich mit noch grösseren Augen an: «Ehm, Hexentee ist doch das mit Wodka drin, ich möchte eben Wodka.» Nun schaue ICH sie mit grossen Augen an und finde: «Das muss eine Verwechslung sein. Unser Hexentee ist nicht mit Wodka.» Sie sagt, sie habe doch letztes Jahr mehrfach Hexentee getrunken – mit Wodka. Ich so: «Gut möglich, aber nicht bei uns, eventuell in einer Bar in der Eisengasse, deren Namen mir entfallen ist?» Sie: «Keine Ahnung.»

Neuer Anlauf. Ich: «Also, willst du jetzt ein Holdrio oder einen mit Minze?» Sie so: «Hast du Tee ohne Schnaps?» Ich: «Ja, das sagte ich doch am Anfang.» Sie: Welche Sorte? Ich: «Hagebutten.» Sie: «Minze ohne Schnaps hast du nicht?» Ich verneinte und fragte, wieso jetzt plötzlich ohne Schnaps. Sie so: «Mir ist in den Sinn gekommen, dass meine Kollegin ja Wodka dabei hat zum Mischen. Demfall schaue ich bei einem anderen Wagen, machs gut, tschüüüs!»