Fasnachtsausstellung ohne LFK

Eine Ausstellung thematisiert die Luzerner Fasnacht. Nur: Die grossen Zünfte und Gesellschaften machen nicht mit.

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Projektleiter Bruno Gapp in seinem Atelier im Ortsteil Littau mit einigen der Masken, die ausgestellt werden. (Bild: Remo Nägeli/Neue LZ)

Projektleiter Bruno Gapp in seinem Atelier im Ortsteil Littau mit einigen der Masken, die ausgestellt werden. (Bild: Remo Nägeli/Neue LZ)

Künstler Bruno Gapp und die Zünfte - da ist einiges an Reibungsfläche vorhanden. Das zeigt etwa seine Reaktion zum Kurzartikel zur von ihm initiierten Fasnachts-Ausstellung gestern in unserer Zeitung. Auf dem dazu gestellten Foto ist nämlich der Huerenaff zu sehen, eine Figur, die häufig mit der Zunft zu Safran in Verbindung gebracht wird. «Es ist ein Hohn, dass auf dem Bild ausgerechnet die Maske einer Vereinigung zu sehen ist, welche das Wesen der Fasnacht nicht versteht und bei meiner Ausstellung nicht dabei sein will», so der Ehrenpräsident der Vereinigung Kult-Ur-Fasnächtler Luzern. In seiner Ausstellung «Lozärner Fasnacht! Kreativ» soll das breite Schaffen von Kultur- und Strassenfasnächtlern aufgearbeitet werden. Gapp sagt: «Diese vielen Einzelpersonen und Kleingruppierungen machen die Fasnacht aus - nicht nur die grossen Umzüge.»

Ursprünglich wollte Gapp die Ausstellung zusammen mit dem Luzerner Fasnachtskomitee (LFK), also mit der Zunft zu Safran, der Wey-Zunft, der Maskenliebhaber-Gesellschaft und der Gesellschaft Fidelitas Lucernensis, durchführen. «Als ich das LFK im März 2010 angefragt hatte, waren die Reaktionen sehr positiv», erzählt Gapp. Erst im September habe sich das LFK nach mehreren Sitzungen vom Projekt zurückgezogen. Er ist enttäuscht: «Wenn man eine Ausstellung über die Fasnacht macht, gehören diese grossen Zünfte und Gesellschaften dazu. Schade, dass diese Köfferlifasnächtler nicht verstehen, worum es bei der Fasnacht geht.»

Aufwand wäre zu gross gewesen

Beat Niederberger, Präsident des Luzerner Fasnachtskomitees, erklärt: «Wir haben uns gegen eine Beteiligung entschieden, weil die Zeit zu knapp und der Aufwand zu hoch gewesen wären.» Das LFK sei ein knappes Jahr vor Ausstellungsbeginn von Gapp kontaktiert worden, aber man habe die Organisation anfangs zu wenig forciert, und im Sommer sei die Zeit zu knapp geworden. Niederberger sagt: «Es ist ein enger Entscheid gewesen, und hätten wir mehr Zeit gehabt, wäre er vielleicht anders ausgefallen.» Auch seien nicht alle im LFK vertretenen Gesellschaften gleicher Meinung gewesen. Aber das LFK basiere auf ehrenamtlicher Arbeit und habe schlicht zu wenig personelle und zeitliche Ressourcen gehabt, die Ausstellung professionell anzugehen - und halbe Sachen wolle man keine machen. «Im Endeffekt haben wir schweren Herzens abgesagt, denn auch wir finden die Ausstellung eine sehr gute Sache», betont Niederberger. Dafür sei nun eine tolle Ausstellung auf die Beine gestellt worden, welche die Fasnacht unter anderem als künstlerische und handwerkliche Tradition zeige.

Nachwuchs gewinnen

Gapp kann den Rückzug des LFK nicht verstehen. «Es wäre eine gute Plattform gewesen, sich zu präsentieren und Nachwuchs anzusprechen.» Denn viele junge Luzerner wüssten nur wenig über die traditionelle Fasnacht. «Saufgelage und Disco-Musik haben nichts mit Fasnacht zu tun», sagt Gapp. Nicht zuletzt deshalb hat der Luzerner die Ausstellung ins Leben gerufen. So sollen vermehrt junge Leute für die traditionelle Fasnacht, beispielsweise für die Maskengestaltung, begeistert werden. «Schliesslich ist der jüngste lokale Maskengestalter bereits über 50-jährig», sagt Gapp. Die Ausstellung zeigt zahlreiche Masken, Bilder und Filme aus dem 18. Jahrhundert bis heute.

Rund 25 Künstler von früher bis heute präsentieren ihre Objekte. Unterstützung erhält Gapps Ausstellung auch von der Stadt. Sie stellt gemäss Gapp die Kornschütte kostenlos zur Verfügung. Stadträtin Ursula Stämmer-Horst wird an der Vernissage das Grusswort halten.

Olivia Steiner / Neue LZ