FASNACHTSBÄLLE: Guugger buhlen um das Publikum

In vier Wochen ist Fasnacht. Dieses Zeitfenster ist sehr eng. Die Folge: Viele Bälle konkurrenzieren sich, einige wurden gar abgesagt.

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Die Fasnächtler haben die Qual der Wahl: Die vielen Bälle konzentrieren sich auf wenige Wochenenden. (Bild Adrian Stähli/Neue LZ)

Die Fasnächtler haben die Qual der Wahl: Die vielen Bälle konzentrieren sich auf wenige Wochenenden. (Bild Adrian Stähli/Neue LZ)

«In diesem Jahr herrscht ein fürchterliches Chaos.» Andréas Härry, Sprecher des Lozärner Fasnachtskomitees (LFK), sieht sich derzeit als Berufsfasnächtler. Er sei «nur noch» mit Planungsarbeiten beschäftigt. «Schuld daran ist der Kalender», sagt Härry. Bereits am 31. Januar ist Schmutziger Donnerstag, bis dahin bleiben lediglich vier Wochenenden für Vorfasnachtsanlässe.

«Trotz Zeitknappheit wollen die meisten Guuggenmusigen und Fasnachtsvereine auf ihre Feste nicht verzichten», sagt Härry. Dies führt zu einer verstärkten Konkurrenz unter den Bällen und Festen, besonders auf der Landschaft.

Die Willisauer Guuggenmusig Wegere-Güüsser hat die Konsequenzen gezogen und ihr traditionelles Guuggertreffen abgesagt. «Der Terminplan ist zu eng», begründet Präsident Philipp Meier den Entscheid.

Aus dem gleichen Grund führen die Wolhuser Bahnhofgeister kein Fasnachtsfest durch. Präsident Stefan Müller ergänzt dazu: «Die Konkurrenz ist in diesem Jahr zu stark, der Termin ungünstig. Wir werden am 30. Mai und 1. Juni ein Open-Air organisieren, um doch noch Einnahmen generieren zu können.» Der Entscheid sei nicht leichtgefallen und eingehend diskutiert worden.

Bälle als Einnahmequelle
Dies überrascht nicht: Schliesslich sind die Einnahmen von Fasnachtspartys für die Guugger von zentraler Bedeutung. Damit werden vorab Kleider, Masken und Reisen finanziert. «Der wirtschaftliche Druck ist da», erklärt Erich Bachmann, Präsident der Räbedibäms aus Hochdorf. Auch darum und aus Tradition wollen die Quä-Quäger und Bluetsuuger aus Triengen nicht auf ein Fest verzichten. Doch statt separat zu feiern, haben die Musiken ihre Bälle zusammengelegt (26. Januar). Für Härry ein richtiger Schritt: «Die Fasnächtler dürften sich auf die grossen Anlässe konzentrieren. Für kleine Bälle könnte es problematisch werden.»

Darum setzen jetzt auch die Mü-Ha Ranchers aus Hämikon auf Grösse. «Wir organisieren heuer ein speziell aufwändiges Jubiläumsfest. Es ist auf den 26., 27. und 30. Januar verteilt», sagt Präsident Andreas Schacher. Dennoch stellt er sich auf einen Kampf ums Publikum ein. «Wir haben die Werbung forciert», sagt Schacher.

Die Angst geht um
Die enorme Konkurrenz löst bei den Guuggenmusigen im Entlebuch wenig Begeisterung aus. Gemäss Sabine Bieri, Präsidentin der Chräjemusig Entlebuch, geht in ihrem Amt die Angst um, dass die Leute nicht so zahlreich an den Festen erscheinen wie in anderen Jahren. «Weil die Kosten für einen Anlass recht hoch sind, sind die Veranstalter auf auswärtige Besucher angewiesen.» Bleiben die aus, wird ein Ball sehr schnell zum finanziellen Risiko.

Die aktuelle Entwicklung hält Andréas Härry für «ungesund». Dennoch hat er für die Guugger Verständnis: «Viele wollen ihr Fest beibehalten, um nicht mit der Tradition zu brechen. Zudem fürchten sie, dass die Leute an einem Konkurrenzball auf den Geschmack kommen und diesen auch im nächsten Jahr vorziehen.»Fasnacht: Alle Bälle auf www.zisch.ch/bonus

Michael Widmer