Luzerner Fasnachtsbilanz 2020: Wetterglück, mehr Abfall und ein neues Highlight

An der Fasnacht 2020 musste der Rettungsdienst häufiger ausrücken als sonst. Zudem gab es auch leicht mehr Abfall und mehr Festnahmen als im Vorjahr. Die Värsli Brönzlete war ein persönliches Highlight für das Fasnachtskomitee.

Fabienne Mühlemann
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Was für ein Prachtswetter am Wey-Umzug in der Stadt Luzern.

Was für ein Prachtswetter am Wey-Umzug in der Stadt Luzern.

Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 24. Februar 2020

Sie war bunt und wild: Die Luzerner Fasnacht lockte in diesem Jahr erneut Tausende Begeisterte an. Gemäss Polizeiangaben waren in der Stadt Luzern vom Schmutzigen Donnerstag bis am frühen Aschermittwoch rund 147'000 Fasnächtlerinnen und Fasnächtler unterwegs. Bei den grossen Umzügen, also dem Fritschi-Umzug, dem Wey-Umzug und dem «Chendermonster» und dem Monstercorso am Güdisdienstag waren insgesamt 95'000 Zuschauer vor Ort. Das sind 22'000 Fasnachtsbegeisterte weniger als vor einem Jahr. Insbesondere am Monstercorso waren 18'000 Personen weniger am Strassenrand vorzufinden als noch 2019. 

Nichtsdestotrotz zieht das Lozärner Fasnachtskomitee (LFK) ein sehr gutes Fazit. «Die Stimmung und die Atmosphäre waren grossartig», sagt Peti Federer, Mediensprecher vom LFK. Auch das Wetter habe mitgespielt – jedenfalls bis zum Dienstagabend. Nach den frühlingshaften Temperaturen am Montag setzte der Regen am Dienstag um 19.30 Uhr gleich beim Umzugsbeginn ein. «Irgendwie ist es langsam Tradition, dass es beim Monstercorso jeweils einen Wetterumschwung gibt», sagt Federer schmunzelnd. Das sei sehr schade, insbesondere für die Guuggenmusigen. «Die Stadt war nach dem Umzug beinahe leer gefegt», so der 50-Jährige.

Mehr betrunkene Jugendliche unterwegs

Organisatorisch ist beim LFK gemäss Peti Federer alles reibungslos über die Bühne gegangen. Einzig der Umzug am Schmutzigen Donnerstag sei etwas länger gegangen als gewohnt. «Es gibt immer etwas, das man optimieren kann», sagt Federer. Das Wichtigste sei jedoch, dass die Fasnacht vorwiegend unfallfrei über die Bühne ging. «Das steht immer an oberster Stelle», so Federer.

Laut der Luzerner Polizei verliefen die Umzüge sehr friedlich, in guter Stimmung und ohne nennenswerte Zwischenfälle. Die Mitarbeitenden der Polizei hätten im Fasnachtstreiben eine starke Präsenz gezeigt, welche durchwegs sehr geschätzt wurde, wie es in einer Medienmitteilung heisst.

Insgesamt wurden beinahe 500 Personenkontrollen durchgeführt, rund 40 Personen mussten festgenommen oder in Polizeigewahrsam genommen werden. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es rund 30 Festnahmen. Vereinzelt seien ausserdem Schlagstöcke, verbotene Waffen, Masken oder Sturmhauben sichergestellt worden. Die Polizei stellte fest, dass mehr betrunkene Leute unterwegs waren, insbesondere auch Jugendliche.

Die Polizei an der Fasnacht.

Die Polizei an der Fasnacht.

Bild: Manuela Jans-Koch, Luzern, 28. Februar 2019

Rettungsdienst rückte häufiger aus als sonst

In zwei Fällen kam es zu gröberen tätlichen Auseinandersetzungen. Ein Mann wurde am Rüüdigen Samstag in der Stadt Luzern von Unbekannten ins Gesicht geschlagen und erheblich verletzt. In der Nacht auf Sonntag wurde in Sursee ein 45-Jähriger von Unbekannten zusammengeschlagen. Beide Vorfälle geschahen im Rahmen von Fasnachtsanlässen. In beiden Fällen ist die Täterschaft noch unbekannt, Hinweise auf den Zeugenaufruf sind keine eingegangen, wie die Luzerner Polizei auf Anfrage mitteilt.

Der Rettungsdienst des Luzerner Kantonsspitals (Luks) rückte im Einsatzgebiet Luzern im Zusammenhang mit der Fasnacht 59 Mal aus, davon 32 Mal wegen übermässigem Alkoholkonsum. Das schreibt das Luks in einer Medienmitteilung. Daneben wurde der Rettungsdienst vorwiegend wegen kleineren Unfällen, wie zum Beispiel einem Sturz, oder Verletzungen infolge von Auseinandersetzungen aufgeboten. Im Vergleich zum Jahr 2019 rückte der Rettungsdienst beinahe doppelt so oft aus. Im Vorjahr waren es nämlich 32 Mal. Im langjährigen Vergleich liegt die Zahl der Einsätze 2020 gemäss Luks leicht über dem Durchschnitt.

«Der ereignisreichste Tag war der Schmutzige Donnerstag mit knapp der Hälfte aller Einsätze, gefolgt vom Rüüdigen Samstag und dem Güdismontag», wird Manuel Wanzenried, betrieblicher Leiter des Rettungsdienstes, in einer Medienmitteilung zitiert. «Erfreulicherweise fanden im Zusammenhang mit der Fasnacht keine schwerwiegenden Ereignisse statt», bilanziert er.

Auch beim öffentlichen Verkehr kam es zu keinen nennenswerten Zwischenfällen. «Einzelne Züge des Regionalverkehrs waren aber überfüllt», sagt Sabine Baumgartner, Mediensprecherin der SBB. Bei der Zentralbahn sind sowohl die regulären Züge wie auch die Extrazüge gut besetzt gewesen, wie Thomas Keiser Leiter Marketingkommunikation mitteilt. Den Fernverkehr habe dies nicht betroffen. Bei der vbl war niemand für eine Bilanz zu erreichen.

Weniger Abfall bewusst in die Reuss geworfen

Auch der Abfall ist jedes Jahr an der Luzerner Fasnacht Thema. Laut Florian Aschbacher, Leiter Betrieb und Strassenunterhalt der Stadt Luzern, kam insgesamt eine Abfallmenge von 110 Tonnen zusammen. Das sei ein wenig mehr als in den letzten Jahren. Aschbacher:

«Insbesondere am Dienstagmorgen hatte es sehr viel Abfall, weil die Leute wegen des milden Wetters lange in der Stadt gefeiert haben.»

So seien um 5 Uhr morgens immer noch sehr viele Fasnächtler unterwegs gewesen. Grundsätzlich ist er aber zufrieden, wie alles von Seiten des Strasseninspektorats verlaufen ist. «Die Aufräumarbeiten sind zügig vorangegangen. Um 10 Uhr war jeweils nicht mehr viel vom Abfall zu sehen», so Aschbacher.

Aufräumarbeiten nach dem Wey-Umzug am Güdismontag.

Aufräumarbeiten nach dem Wey-Umzug am Güdismontag.

Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 24. Februar 2020

Jedes Jahr gibt es auch Abfall, welcher in der Reuss landet. Das sei nicht zu verhindern, sagt Aschbacher. «Es hat zwei, drei Mal stärker gewindet, weswegen zum Beispiel Styroporbecher oder Konfetti in den Fluss oder den See geweht wurden.» Erfreulich sei, dass in diesem Jahr praktisch keine Abfallsäcke oder auch Einkaufswagen absichtlich in der Reuss gelandet sind, wie es im Vorjahr der Fall war. Die Reinigungsarbeiten am Reussufer werden witterungsbedingt am Donnerstag starten. Natürlich gibt es auch Abfall, welcher nicht im Kübel, sondern gleich daneben am Boden landet. «Das ist sehr betrüblich, dass Leute hier einen gewissen Anstand vermissen lassen. Wir können nicht mehr, als die Leute dafür zu sensibilisieren», sagt Peti Federer zu diesem Thema.

Der Abfall des Schmutzigen Donnerstags säumt das Ufer der Reuss, zum Beispiel bei der Eisenbahnbrücke in Reussbühl.

Der Abfall des Schmutzigen Donnerstags säumt das Ufer der Reuss, zum Beispiel bei der Eisenbahnbrücke in Reussbühl.

Leserbild: Christian Volken

Die Beizenfasnacht ist zurück

Ein persönliches Highlight von Federer war der komische Frytig, an dem in diesem Jahr die Beizenfasnacht reaktiviert wurde.

«Die Värslibrönzlete war ein richtiger Erfolg und ein schöner Gegenpol zur Strassenfasnacht.»

Dieser Schnitzelbank-Abend, bei dem in acht Beizen in der Stadt gedichtet und gelacht wurde, werde im nächsten Jahr zu 100 Prozent wieder durchgeführt werden.

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