Fasnachtsoberhaupt von Sursee: «Ich probiere gerne alles einmal aus»

Alois Amrein regiert als Heinivater über die Surseer Fasnacht. Die Wahl des 55-jährigen Sempachers hat viele überrascht.

Stephan Santschi
Hören
Drucken
Teilen
Das Oberhaupt der Fasnacht 2020 in Sursee, Alois Amrein.

Das Oberhaupt der Fasnacht 2020 in Sursee, Alois Amrein.

Bilder: Boris Bürgisser, 24. Januar 2020

Im Fussball wird vor der Verpflichtung eines neuen Trainers oder Spielers über deren Namen spekuliert. Manchmal liegt man richtig, häufiger jedoch falsch. Ähnliches trug sich am 11. Januar am Dreikönigsbot der Zunft Heini von Uri Sursee im Refektorium des Klosters zu. An diesem Tag wird traditionsgemäss der neue Heinivater bekanntgemacht und die Neugier, wer es sein würde, ist jeweils greifbar. «Die Blicke der Leute wanderten nach links und rechts. Sollte sich jemand durch besondere Nervosität verraten? Ich musste ruhig bleiben», erzählt Alois Amrein.

Als später im Rathaus das Rätsel gelüftet wurde, schwappte eine Welle des Staunens durch die Mitgliedschaft der Zunft. «Mich hatte keiner auf der Rechnung», sagt Amrein und lacht. Als er daraufhin den Rathausbalkon betrat, um sich den Zuschauern vorzustellen, fiel ein grosser Druck von seiner Brust.

«Die Zeit der Notlügen und des Verstellens war endlich vorbei.»

Seit Oktober war es nämlich beschlossene Sache, dass er Sursees nächster Fasnachtsregent sein würde. Und wie im Fussball wollte manch einer gern im Voraus wissen, wer der Neue ist.

Zurückhaltend, aber mit viel Neugier

Wobei neu in diesem Fall nicht ganz richtig ist. Heinivater werden kann nur, wer seit mindestens zehn Jahren zur Zunft gehört. Dass niemand an Amrein dachte, liegt an seiner Art. «Ich bin eher zurückhaltend und keiner, der ellbögelt, um nach vorne zu kommen. Ich bevorzuge es, im Hintergrund zu arbeiten», erklärt der 55-jährige Surseer, der seit 20 Jahren mit seiner Familie in Sempach wohnt. Dass er sich nun für den Schritt ins Rampenlicht entschieden hat, passt aber ebenso zu seinem Charakter: «Ich bin einer, der gerne alles einmal ausprobiert.» Der Blick auf seine Vita bestätigt dies eindrücklich.

Alois «Wisu» Amrein, von Beruf Malermeister, betrieb früher Karate, gewann einst gar Bronze an einer Schweizer Meisterschaft im Kickboxen. Er machte das Tauchbrevet und wagte mit einem Fallschirm den Sprung aus einem Flugzeug. Er ist Gründungsmitglied des Surseer Eishockeyvereins Penguins, rudert im Seeclub Sempach, nimmt mit dem Sturmgewehr an Feldschiessen teil. «Und wenn ich meine Kinder auf einem Wakeboard fahren sehe, sage ich mir: Das kann ich auch und kaufe mir eines», erzählt er schmunzelnd. Viel Zeit verbringt er auch mit Ahnenforschung, seinen Stammbaum kann er mittlerweile bis ins Jahr 1521 zurückverfolgen.

Motto lässt allerlei Interpretation offen

Und so überrascht es nicht, dass sein Fasnachtsmotto eine äusserst vielseitige Interpretation zulässt: «Us aller Wält.» Alois und seine Frau Barbara waren oft auf Achse – in Europa, Nordamerika, auch in Australien und Neuseeland. Das Interesse an anderen Kulturen und Menschen trieb sie ebenso an, wie die Lust auf fremdländisches Essen und unbekannte Biersorten. «Seit ich als 15-Jähriger mit einem Kollegen ins Tessin ging, habe ich ein Faible fürs Reisen», erzählt Amrein. Als er Barbara kennen lernte, dauerte es nicht lange und sie machten einen Sprachaufenthalt in England.

Als Nächstes führt Alois Amrein nun also die Surseer durch die Fasnacht. Dazu gehöre viel Organisations- und Repräsentationsarbeit, sagt er. Man lädt ein, den Stadtrat zu sich nach Hause beispielsweise. Oder man wird eingeladen, etwa zu befreundeten Zünften wie dem Frohsinn in Stans. Eine Besonderheit ist die Fasnachtspizza, welche die Heinifamilie kreiert und die danach für zehn Jahre auf der Karte der Pizzeria Schweizerheim steht. Etwas mit Ananas, Sardellen und Pilzen könnte es werden, verraten die Amreins.

Seine Frau Barbara fungiert dabei als Heinimamme, die beiden Kinder Linda (15-jährig) und Levin (9) sind die Heinikinder – so will es der zünftige Sprachgebrauch. Alois schlüpft dabei jeweils in das gelbschwarze Narrengewand von Heini Grepper, dem Namensgeber der Surseer Fasnachtszunft. Der 1366 geborene Vollwaise aus dem urnerischen Sisikon war Hofnarr im Dienst des habsburgischen Herzogs Leopold III. Nach dessen Tod in der Schlacht bei Sempach zog Heini nach Sursee und gab dort fortan den Stadtnarren.

Sursee: Alois Amrein ist neuer Heinivater

Alois «Wisu» Amrein wird als Heinivater unter dem Motto «us aller Welt» durch die Surseer Fasnacht führen. Der 54-jährige Amrein ist der 135. Heinivater in der 144-jährigen Geschichte der Zunft Heini von Uri Sursee.
Schwerpunkt

Alles zur Fasnacht 2020

Die Luzerner Zeitung und ihre Regionalausgaben berichten ausführlich über das bunte Treiben vor und während der «fünften Jahreszeit». Die neuesten Bilder, Videos, Artikel und mehr.