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FASNACHTSSUJETS: Geschmacklose Fasnachtssujets: Wo der Spass aufhört

Bei der Wahl der Sujets sind Fasnächtler kreativ. Doch wo hört guter Geschmack auf und beginnt Diskriminierung? In der Ostschweiz hat eine Gruppe diese Grenze jüngst überschritten. Auch an der Luzerner Fasnacht sorgten Vorfälle schon für Empörung.
Roger Rüegger
Die Hülsnerbuben Dietschwil zogen mit Wagen «Asylparadies Schweiz» durch Aadorf. (Bild: Andri Rostetter (Aadorf, 28. Januar 2018))

Die Hülsnerbuben Dietschwil zogen mit Wagen «Asylparadies Schweiz» durch Aadorf. (Bild: Andri Rostetter (Aadorf, 28. Januar 2018))

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Noch bevor die Fasnacht in Luzern startet, sorgt ein Vorfall in der Ostschweiz für Empörung: Eine Wagengruppe aus Kirchberg hat am Umzug in Aadorf TG unter dem Motto «Asylparadies Schweiz» ein sinkendes Boot abgebildet, daneben schwarze Hände von Leuten, die im Meer untergehen.

Als «geschmacklos» bezeichnete dies Kirchbergs Gemeindepräsident im «St. Galler Tagblatt» vom 23. Januar (wir berichteten). Solch derbe Sujets wird es an der Luzerner Fasnacht nicht geben, betont Peti Federer, Medienchef des Lozärner Fasnachtskomitees (LFK). «Es ist ohnehin ein heikles Thema. Man kann sicher die Einwanderungsbehörde aufs Korn nehmen. Dass man sich aber über ein sinkendes Flüchtlingsboot lustig macht, ist daneben.» Man solle die Fasnacht nicht missbrauchen, sagt Federer und betont, dass es immer Platz geben müsse für deftige Sprüche und Frotzeleien – immer unter Einhaltung von Sitte, Moral und Anstand. Das Hochnehmen und Persiflieren, am Beispiel des Kantons Luzern etwa zum Thema Finanzen, gehöre dazu.

Allgemein seien die Sujets in Luzern weniger politisch. «Hier ticken Fasnächtler anders als etwa in Basel, wo politische Themen viel schärfer kritisiert werden», so Federer. Er glaube nicht, dass in Luzern jemand verwerfliche Mottos aufgreife. Hier lege man viel mehr Wert auf Kreativität beim Bauen der Wagen und auf das Herstellen der Masken und Kostüme als auf den Inhalt. Zudem müssen sämtliche Umzugsteilnehmer ihre Sujets bereits im Oktober dem LFK-Umzugskomitee einreichen – inklusive einer Visualisierung und der Geschichte, die dahintersteckt. «Zünfte, Wagenbauer und Guuggenmusigen reden miteinander.» Auch dank dieses Dialogs funktioniere der Kontrollmechanismus. Federer weiss von einem Fall, als einer Wagenbaugruppe intern bei einem Sujet die Flügel gestutzt wurden. Das zeige auf, dass sich das System praktisch selber­ reguliere.

Berühmte Filmszene musste wieder abgebaut werden

Man muss weit suchen, um im Umfeld der Luzerner Fasnacht Sujets oder Vorfälle zu finden, die geschmacklos, rassistisch oder sexistisch waren. 2013 wurde ein Sujet an der Ausstellung der Bahnhof-Guuggete wieder abgebaut, nachdem sich Passanten darüber empört hatten: Es sei sexistisch und gewaltverherrlichend. Zu sehen gewesen war eine nackte Frau, blutig, hinter dem Duschvorhang – also eine Anspielung auf den Hitchcock-Klassiker «Psycho». Der Präsident der Bahnhof-Guuggete, Werner Rast, sagte damals gegenüber unserer Zeitung: «Wir haben offenbar zu wenig Rücksicht auf die Gefühle von Passanten genommen. Das war ein Fehler.» Das Reglement der Bahnhof-Guuggete verbiete «rassistische, sexistische und sonst wie verletzende Sujets».

Der Herrenabend des LFK sorgte 2006 für Schlagzeilen, weil ein Politiker in einer ver­unglückten fasnächtlichen Ansprache frauenfeindliche Sprüche äusserte: «Noch niemand konnte mir vernünftig sagen, was Frauen in der Politik verloren haben – oder überhaupt im Berufsleben.» Seither findet der Anlass ohne Medien statt. Federer: «Man darf auch an solchen Anlässen nichts verharmlosen. Es muss jedoch drinliegen, dass mal ein deftiger Spruch fällt und jemand sein Fett wegbekommt.»

Federer ist seit 30 Jahren bei der Guuggemusig Chottlebotzer und war vor 25 Jahren selber mit einem gewagten Sujet unterwegs. «Die Rathausmutter Heidi Rothen hat sich damals gegen den ersten Erotikshop in Luzern ausgesprochen und ihn eine Verschandelung der Altstadt genannt», erinnert er sich. Die Chottlebotzer nahmen dies als Anlass für ein Sujet und zogen an der Fasnacht als Stadtpräsidium los. Federer selber nahm als Heidi Rothen in einem Domina-Kostüm teil. Die Rathausmutter, die 33 Jahre die gute Seele im Rathaus war, nahm es mit Humor – und lud von da an die Chottlebotzer an jedem Schmutzigen Donnerstag zum Apéro in die Kornschütte ein.

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