FASNACHTSTHEATER: Mit Roy Black gehts auf Poschtifahrt

Die Moggetätscher verwandeln das Stadtkeller-Dach in eine Bühne. Das ist einmal mehr ein Publikumsknüller.

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Die Moggetätscher führen ihr Theater auf dem Dach des Stadtkellers auf. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Die Moggetätscher führen ihr Theater auf dem Dach des Stadtkellers auf. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

«Düdadoo Poschtauto!» gibt die Truppe heuer, wie das nostalgisch-gelbe Gefährt auf dem Stadtkeller-Dach unschwer erkennen lässt. Motorengeheul und Steppenwolfs «Born To Be Wild» donnern durch die Verstärkeranlage. Rasch wird klar: Der Postautochauffeur will über den Gotthard nach Italien, doch der Motor will einfach nicht anspringen. Während er immer wieder den Anlasser dreht, tummelt sich allerlei Volk um ihn und seinen Wagen: Touristen, eine rock ?n? rollende Girliegruppe, wilde Töfffahrer, Wanderer, Radprofis, die kurz nach der Zieleinfahrt ihre Blase erleichtern müssen – und eine fette «Bräme». Ist sie über dem Gotthard, so ist sie «däne». (Liedermacher Artur Beul lässt grüssen.) Zum Running-Gag in der knapp viertelstündigen Produktion avanciert Schlagersänger Roy Black, der mit seinem «Du bist nicht allein» gleichermassen Begeisterung wie Verzweiflung provoziert.

Erst im Januar begonnen
Was da auf dem Dach mit viel Hingabe und unter originell-aufwendiger Ausstattung jeweils am Schmutzigen Donnerstag, Güdismontag und -dienstag (je acht bis zehn Vorstellungen) aufgeführt wird, ist erstaunlicherweise nicht das Produkt monatelanger Vorbereitung. «Ab Herbst diskutieren wir Themen, mehr oder weniger konkret. Mit Basteleien beginnen wir aber eher spät. Dieses Jahr haben wir im Januar begonnen», verrät Moggetätscher-Präsident Marino Malagoli (62). Proben gibts eigentliche keine, «die Hauptprobe ist jeweils die erste Vorstellung am Schmutzigen Donnerstag». Rund 30 Mitglieder zählen die Moggetätscher, quer durch die Generationen.

Guuggenmusig-Inflation
Seit 1986 spielen die Moggetätscher Jahr für Jahr ihr Fasnachtstheater auf dem Stadtkeller-Dach. «Wir verbringen aber nicht die ganze Fasnacht auf dem Dach, wie viele vielleicht meinen. Wir zeigen uns immer auch auf der Gasse», sagt Marino Malagoli, der seit den Gründertagen im 1966 mit dabei ist. Bis zum definitiven Wechsel ins «Theater-Genre» war die Gruppe als Guuggenmusig unterwegs. Malagoli blickt zurück: «Damals gab es eine Art Guuggenmusig-Inflation. Wir wollten darum mal etwas anderes probieren.» Heute sind die Moggetätscher kaum mehr wegzudenken aus dem Stadtluzerner Fasnachtsleben. «Wir erhalten auch hin und wieder Beschwerden, wenn wir nicht ganz pünktlich beginnen», sagt Malagoli.

Jérôme Martinu

HINWEIS
«Düdadoo, Poschtauto!» zeigen die Moggetätscher noch heute und morgen am Sternenplatz auf dem Stadtkeller-Dach. Die Spielzeiten zeigt eine Uhr auf dem Dach an. Internet: www.moggetaetscher.ch