FASNACHTSVORBEREITUNG: «Basteln ist ebenso schön wie Fasnacht»

In 18 Tagen bittet die Luzerner Fasnachtsgruppe Nostradamus zum Hexentanz. Diese Woche mussten alle Hexen zum Zahnarzt.

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Bis in die letzten Ritzen und Spalten: Heinz Enz beim Verputzen. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Bis in die letzten Ritzen und Spalten: Heinz Enz beim Verputzen. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Kurzarbeit? Für Fasnächtler derzeit undenkbar. Vielerorts wird bis tief in die Abendstunden geschraubt, gehämmert und gesägt. So auch auf dem weitläufigen Areal der Swiss Steel AG in Emmenbrücke. Hier verwirklichen die 15 Noster – wie die Mitglieder der Maskengruppe Nostradamus Luzern auch genannt werden – ihre schaurig-schönen Fasnachtsideen.

Entspannte Stimmung
Es ist Montagabend kurz nach 19 Uhr. Leichter Terpentingeruch liegt in der Luft des 100 Quadratmeter grossen Bastellokals. Verantwortlich für die Dämpfe ist Heinz Enz alias «Enzli». Liebevoll verputzt der 49-Jährige ein 2,5 mal 4 Meter grosses Hexenhaus bis in die letzten Ritzen und Spalten. «Ich komme jeden Montag gerne hierher. Die Stimmung ist entspannt. Jeder weiss, was zu tun ist.» Und zu tun gibt es noch einiges, bis das diesjährige Sujet «Hexen» voll zur Geltung kommt: «Den Wagen hier wird man nicht wiedererkennen. Was jetzt noch weiss glänzt, wird an der Fasnacht alt und schaurig aussehen.»

Gassenhauer sorgt für Gelächter
Was «Enzli» damit meint, zeigt sich im Inneren des Wagens. Dort sind die Dekoarbeiten bereits weit vorgeschritten. Basil Koch (47) und Hans Mangino (44) verpassen der Hexenküche den letzten Schliff. Kaum haben die beiden einen alten Kessel aus dem Brockenhaus im Kamin installiert, erlebt dieser seine fasnächtliche Feuertaufe. «Der ist super», sagt Ruedi Egger. Er schnappt sich eine Dachlatte, die eigentlich die Jalousien zusammenhalte sollte, haut im Takt auf den Kessel und beginnt zu singen: «Hau i de Chatz de Schwanz ab ?» Gelächter. «Spass gehört dazu. Wir haben hier immer den Plausch zusammen», meint Basil Koch. «Nur schade, dass wir für die nächste Fasnacht ein neues Bastellokal suchen müssen.»

Teamwork ist gefragt
Kurz darauf hängen die drei Männer im Wagen die ersten Bilder auf. Teamwork ist angesagt: Einer hält das Bild, einer schraubt und der Dritte reicht die Schrauben. Perfekt muss es sein. «Wir haben hohe Ansprüche an uns selber», sagt Koch. Um diesen gerecht zu werden, stehen die 15 Noster seit Anfang September jeden Montag im Bastelraum. Bis zur Fasnacht arbeiten sie rund 1800 Stunden an ihrem Sujet. Die Kosten von 5000 bis 7000 Franken werden über die Mitgliederbeiträge bezahlt. Motivationsprobleme kennen die fasnachtsbegeisterten Männer nicht. Ruedi Egger: «Das Basteln ist schliesslich ebenso schön wie die Fasnacht.»

«Kreativer Prozess»
Erich «Richi» Z?Graggen aus Luzern sieht dies genau gleich. «Es ist toll mitanzusehen, wie das Sujet wächst.» Vieles sei am Anfang nicht vorhersehbar. «Man kann nie alles planen. Das ist ein kreativer Prozess.» Seine Kreativität stellt der 52-Jährige an den Zähnen der Hexengrinde unter Beweis. «Jeder Grind wird anders. Alles sind Unikate.» An Ideen mangelt es «Richi» nicht. Da er als Zahnarzt arbeitet, hat er schon manches Gebiss gesehen.

Nach der Zahnarztvisite wandern die schaurigen Prunkstücke in Roger Eichenbergers Hände. «Ich reibe die Grinde mit Möbelwachs ein. Das wirkt besser als jeder Lack», verrät der Megger. Dass er diesen Feinschliff mache, sei logisch. «Ich bin halt der Geduldigste von allen», scherzt er. Nächste Woche werden die Grinde nur noch aufpoliert. «Dann liegts in den Händen der Mitglieder, wie sie die Masken zu Hause mit Haaren und Deko vollenden.»

Grosse Enthüllung am Schmudo
Die fertigen Masken und die Kleider der anderen sehen die Noster zum ersten Mal am Schmutzigen Donnerstag. «Das ist immer ein grosser Moment», sagt Basil Koch voller Vorfreude. «Jeder versucht den anderen zu übertrumpfen.» Auch Hans Manginos Augen beginnen zu leuchten, wenn er an die grosse Enthüllung denkt: «Es ist unglaublich, wie immer alles zusammenpasst – denn die einzige Vorgabe ist das Sujet.»

Wurst und Brot
Damit bis zum grossen Moment alle voller Elan weiterarbeiten, darf eine kleine Stärkung nicht fehlen. Heinz Amstein aus Luzern tischt seinen Kollegen Wurst und Brot auf. Dazu gibts Bier «mit und ohne Blei», Wein oder Kaffee. «Wenn die Kollegen brav sind, koche ich ihnen nächste Woche ?Ghackets und Hörnli?», verspricht der 54-Jährige und verweist auf die Herdplatten im Hintergrund. Spätestens jetzt wundert sich keiner mehr, dass sich das Basteln oft bis 23 Uhr hinzieht und dass kein Noster dem montäglichen Bastelabend ohne zwingenden Grund fernbleibt.

Tobias Lang