Fast 1500 Lehrstellen im Kanton Luzern sind  noch unbesetzt

Laut den neusten Zahlen des Lehrstellenportals Yousty sind das KV und Berufe aus dem Gesundheitswesen nach wie vor sehr beliebt. Zwischen Lehrstellenangebot und -nachfrage besteht aber ein Missverhältnis.

Pascal Linder
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Junge Erwachsene legen mit der Lehrstellenwahl den Grundstein ihrer beruflichen Laufbahn. Die Entscheidung fällt vielen nicht leicht, denn das Angebot wird immer grösser.

Yousty.ch, das grösste Lehrstellenportal der Schweiz, hat diese Woche aktuelle Zahlen veröffentlicht. Zurzeit sind im Kanton Luzern 1460 Lehrstellen mit Lehrbeginn Sommer 2020 online ausgeschrieben. Dies entspricht 4,7 Prozent der schweizweiten Lehrstellen. Über Yousty.ch wurden dafür bislang über 4400 Bewerbungen eingereicht.

Anhand der versendeten Online-Bewerbungen lassen sich deutliche Präferenzen ausmachen: Im Kanton Luzern ist das KV am beliebtesten (1138 Bewerbungen), gefolgt vom Detailhandel (542 Bewerbungen). Auffallend gut vertreten sind Berufe aus der Gesundheitsbranche: Dentalassistent/in, Fachmann/-frau Gesundheit, Pharma-Assistent/in und Medizinische/r Praxisassistent/in.

Diese junge Frau absolvierte eine Lehre als Anlage- und Apparatebauerin.

Diese junge Frau absolvierte eine Lehre als Anlage- und Apparatebauerin.

Bild: Nadia Schärli

Zu viele Lehrstellen – zu wenig Bewerber

Im vergangenen Jahr unterzeichneten mehr als 4000 Lernende einen Lehrvertrag im Kanton Luzern. Diese Zahl bestätigt, dass das duale Bildungssystem nach wie vor angesagt ist. Dennoch finden viele Betriebe keine Lehrlinge, viele Lehrstellen bleiben unbesetzt. Hauptgrund dafür ist das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Im Kanton Luzern gibt es mehr Lehrstellen als Bewerber.

Immer wieder ist die Rede von einer angeblichen Akademisierung auf dem Schweizer Arbeitsmarkt: Christof Spöring, Dienststellenleiter Berufs- und Weiterbildung, erklärt die Situation im Kanton Luzern: «Diese Entwicklung wird in den Medien immer wieder moniert. Wenn man die Zahlen jedoch genauer anschaut, so zeigt sich, dass dies in der Deutschschweiz zum Beispiel nur punktuell im städtischen Umfeld ein Thema ist». Seit Jahren wählten im Kanton Luzern mehr als 75 Prozent aller Jugendlichen eine Lehre, sagt Spöring. «Und sie fahren damit gut. Ihnen stehen gute Karrieren offen.» Gerade im handwerklichen und im technischen Bereich gebe es viele Berufe, die von der digitalen Transformation profitierten und sicher seien, so Spöring.

«Dieses Jahr sind aus der Stadt Luzern gut 30 Prozent des Jahrgangs ins Gymnasium übergetreten. Rund ein Drittel davon wird die nötigen Kompetenzen nicht oder nur knapp mitbringen», sagt er weiter. Wer es nur knapp ins Gymi schaffe und dann über Jahre immer wieder am Provisorium «rumturne», sei dort definitiv am falschen Ort. Spöring erklärt:

«Mit einer der Leistungsfähigkeit angepassten Lehre hätte man eine deutlich positivere Ausgangslage.»

Anstelle des steten Versuchs, dem Misserfolg zu entgehen, gebe eine Lehre dank Erfolgserlebnissen auch Motivation und Energie.

Türen zum Studium bleiben offen

«Leider kennen viele tertiär gebildete Eltern die Qualität der Berufslehren zu wenig. Gerade auch für leistungsstarke Jugendliche bietet sich die lehrbegleitende Berufsmaturität an», so Spöring. Nach drei oder vier Jahren habe man einen Beruf und könne «qualifizierte Arbeit zu einem guten Lohn» leisten. «Zudem öffnet die erworbene Studierfähigkeit der BM die Türen zu den Fachhochschulen, über die Passerelle gar zur Universität», ergänzt er.

Christof Spöring ist mit dem Lehrstellenangebot im Kanton grundsätzlich zufrieden. Doch es gibt auch Defizite: «Einen klaren Mangel an Lehrstellen in der Zentralschweiz sehe ich bei den Zukunftsberufen der Informatik und Mediamatik», sagt er. Obwohl die Betriebe den Nachwuchs mit diesen Kompetenzen dringend benötigten, gelinge es ihnen nicht, mehr Lehrstellen zu schaffen. Der ICT Branchenverband mache aktuell, unterstützt vom Kanton, einige Anstrengungen, um Betriebe davon zu überzeugen. Die grossen Erfolge blieben bisher aber aus.