Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Fast jeder zweite Luzerner ist zu schwer: Vor allem die Männer bringen zu viel auf die Waage

Obwohl sich Luzerner mehr bewegen als früher, steigt der Anteil Übergewichtiger an. Besonders bei den Personen mit starkem Übergewicht - in der Fachsprache Adipositas genannt - bereitet die Entwicklung den Ärzten Sorgen.
Chiara Stäheli
Nur zwei von drei Männern geben an, auf ihre Ernährung zu achten. (Symbolbild: Getty)

Nur zwei von drei Männern geben an, auf ihre Ernährung zu achten. (Symbolbild: Getty)

Das Lebensmittelangebot ist riesig. Die Verlockung, den gemütlichen Filmabend dem Spaziergang vorzuziehen, ebenfalls. Doch das bleibt nicht ohne Folgen: Waren es im Jahr 2007 noch knapp 36 Prozent der Luzerner, die gemäss Body-Mass-Index (BMI) übergewichtig waren, sind es zehn Jahre später bereits 44 Prozent. Das zeigen die aktuellen Zahlen der Schweizerischen Gesundheitsbefragung, die vom Gesundheitsobservatorium durchgeführt wurde. Seit Jahren steigt der Anteil jener, deren BMI höher als 25 liegt, an.

Der Luzerner Kantonsarzt Roger Harstall beobachtet den Trend seit Längerem. Einen möglichen Grund dafür sieht er in der demografischen Entwicklung: «Besonders betroffen ist nebst der männlichen Bevölkerung auch die Bevölkerungsgruppe der älteren Menschen, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung in den letzten Jahren weiter zugenommen hat.» Sprich: Je mehr ältere Leute es gibt, desto grösser ist der Anteil an Übergewichtigen, weil diese besonders oft davon betroffen sind.

Jeder Siebte leidet an starkem Übergewicht

Sorge bereitet den Ärzten vor allem die Tatsache, dass die Zunahme der übergewichtigen Personen primär auf den stetig steigenden Anteil von Adipositas-Erkrankten zurückzuführen ist. Von Adipositas sprechen Experten, wenn der BMI einer Person höher als 30 liegt. Im Jahr 2007 war im Kanton Luzern jeder Elfte adipös, nur zehn Jahre später ist es bereits jeder Siebte. Einen Grund für diesen steigenden Anteil kennt Natascha Potoczna, Leiterin des Stoffwechsel-Zentrums der Klinik St.Anna:

«Die Aufklärung über Ernährung und Bewegung kann bei einfachem Übergewicht meist noch erfolgreich umgesetzt werden – bei Adipositas stösst man damit aber rasch an Grenzen.»

Die Ursachen für Übergewicht seien vielfältig, sagt die Adipositas-Spezialistin: «Einerseits spielt die genetische Veranlagung eine Rolle, andererseits haben das Schlafverhalten, Umwelteinflüsse sowie hormonelle Veränderungen einen Einfluss auf das Gewicht.»

Männer sind stärker betroffen

Zwischen den Geschlechtern gibt es grosse Unterschiede: Im Kanton Luzern sind 56 Prozent aller Männer zu schwer, bei den Frauen sind es nur 30 Prozent. Warum mehr Männer als Frauen von Übergewicht betroffen sind, lässt sich unter anderem mit der persönlichen Einstellung erklären. So gaben in der Befragung vier von fünf Frauen an, auf die Ernährung zu achten, bei den Männern waren es nur zwei von drei. Diese Einstellung hat auch einen Einfluss auf den Konsum von Gemüse und Früchten: Jede vierte Frau hält sich an die Empfehlung, gemäss der man mindestens fünf Portionen Obst am Tag essen sollte. Dieser Anteil ist bei den Männern nur halb so gross.

Dass sich Frauen intensiver mit ihrer Ernährung beschäftigen, bestätigt auch Kantonsarzt Harstall: «Die weibliche Bevölkerung verfügt in der Regel über ein grösseres Ernährungsbewusstsein.» Ähnlich sieht das Potoczna:

«Gesellschaftlich gesehen ist das Bierbäuchlein des Mannes eher akzeptiert als die breiten Oberschenkel der Frau. Die Frauen haben daher einen grösseren Druck, sich um ihr Gewicht zu kümmern.»

Dies geschehe bereits lange bevor es zu einer Gefahr für die Gesundheit werde. Männer hingegen würden sich oft erst um ihr Gewicht kümmern, wenn die Gesundheit Alarm schlage.

Die Gefahren, denen übergewichtige und insbesondere adipöse Personen ausgesetzt sind, dürfen laut Potoczna nicht unterschätzt werden: «Adipositas greift früher oder später jedes Organ an: Wer adipös ist, hat ein um ein mehrfaches höheres Risiko, an Diabetes, Krebs oder Arthrose zu erkranken.» Hinzu komme die tägliche Diskriminierung, welche oft belastender sei als das körperliche Leiden: «Übergewicht wird heute immer noch als Persönlichkeitsmakel missdeutet», so Potoczna.

Nur langfristige Therapie verspricht Erfolg

Im Nahrungsmittelangebot sieht Potoczna ein weiteres Problem: «Da gesunde Lebensmittel viel teurer sind als Familiengrosspackungen an Fertigprodukten, leiden oft Personen mit tieferem Einkommen an Übergewicht.» Auch Sportkurse oder Fitnesscenter-Abos seien für Wenigverdiener meist unerschwinglich. Dass geringere Bildung tatsächlich mit erhöhtem Risiko für Übergewicht einhergeht, bestätigen die Zahlen aus der Gesundheitsbefragung: Personen mit einer Ausbildung auf der Tertiärstufe sind markant seltener von Adipositas betroffen als jene, die als höchsten Abschluss den Besuch einer obligatorischen Schule angaben.

Übergewichtigen Personen empfiehlt Potoczna, kurzfristige Aktionen zu vermeiden:

«Sie sollen nur etwas anfangen, dass sie auch lebenslänglich umsetzen können.»

Die Grundbausteine der Therapie seien eine ausgewogene Ernährung und Bewegung. Wenn damit keine Besserung erreicht werde, seien Medikamente oder operative Eingriffe – beispielsweise durch Einsatz eines Magenbypass oder Schlauchmagen – nötig.

Bei der jungen Generation ist im Bereich Fitness seit einiger Zeit ein Gegentrend erkennbar: Mehr als 83 Prozent der 15- bis 34-Jährigen gaben 2017 an, dass sie mindestens drei Mal wöchentlich intensiv trainieren oder mindestens fünf Mal bei mittlerer Intensität körperlich aktiv sind. Gegenüber 2007 ist dieser Anteil markant gestiegen. Ob aufgrund dieses Trends die Zahl der Übergewichtigen auf lange Sicht sinken wird, kann Kantonsarzt Harstall nicht sagen: «Die körperliche Aktivität ist einer von vielen weiteren Faktoren, welche eine Auswirkung auf das Körpergewicht haben können.» Allein aus dem Aktivitätslevel eine Prognose für die Entwicklung des Körpergewichts abzuleiten, sei nicht möglich.

Kinder im Visier der Gesundheitsförderung

Obwohl insbesondere Männer und Senioren zuviel auf die Waage bringen, setzt die Gesundheitsförderung des Kantons Luzern in erster Linie bei Kindern und Jugendlichen an, wie Harstall sagt: «

Wir fokussieren mit unseren Aktivitäten auf die Jüngsten, weil in diesem Alter die Basis für den künftigen Lebensstil gelegt wird.»

Mehrere Studien hätten belegt, dass sich dies auszahle. Konkret bietet der Kanton Aktionsprogramme für Kinder und Jugendliche an. So gibt es zum Beispiel den «Znüüni-Märt»: Schüler bereiten gemeinsam mit einer Ernährungsberaterin für ihre Mitschüler frische, gesunde Znünis zu. Auch im Bereich Bewegung werden Schulen von der Dienststelle Gesundheitsförderung mit verschiedenen Angeboten unterstützt. Nichtsdestotrotz engagiert sich der Kanton auch für die älteren Leute. Seit zwei Jahren läuft das Programm «Gesundheit im Alter». Dieses beinhaltet nebst Beratungsangeboten und Vorträgen auch die Anpassung der Lebensräume an die Bedürfnisse älterer Menschen.

Mit der aktuellen Entwicklung steht der Kanton Luzern übrigens nicht alleine da: Der Anteil Übergewichtiger in Luzern liegt zwar leicht über dem Schweizer Durchschnitt. Mit steigenden Werten sehen sich aber beinahe alle Kantone konfrontiert.

Auch die Risikofaktoren für einen Infarkt steigen an

Nicht nur Übergewicht ist im Kanton Luzern weit verbreitet, auch die damit in Zusammenhang stehenden Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten treten bei einem immer grösseren Teil der Bevölkerung auf. So ist der Anteil jener, die einen zu hohen Blutdruck haben, seit 2002 um 5 Prozent gestiegen. Auch leidet mittlerweile jeder zehnte Luzerner an einem zu hohen Cholesterinspiegel. Ähnliches lässt sich bei der Entwicklung der Diabetes-Erkrankungen erkennen: Knapp 4 Prozent leiden an einem zu hohen Blutzuckerspiegel – betroffen sind bedeutend mehr Männer als Frauen. Die drei genannten Faktoren erhöhen gemäss Angaben des Bundesamts für Gesundheit nachweislich das Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erleiden. (chi)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.