FCL-Traum geplatzt: Russe in Haft #fasnacht

Dramatische Wende rund um die Eigentümerverhältnisse des FCL: Der russische Investor Viktor Andrejewitsch Raschnikowitsch wurde gestern von der Luzerner Polizei festgenommen und abgeführt – mitten in Luzern.

Renée van Eyck
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Viktor Andrejewitsch Raschnikowitsch bei seiner gestrigen Verhaftung vor dem Hotel Schweizerhof.

Viktor Andrejewitsch Raschnikowitsch bei seiner gestrigen Verhaftung vor dem Hotel Schweizerhof. 

Bild: Leserreporter

Was für eine harte Landung in der Realität: Aus der für den FCL vermeintlich rüüdig attraktiven Handänderung im Aktionariat wird nichts. Denn nur Stunden vor der Vertragsunterzeichnung zwischen dem bisherigen Mehrheitseigner Bernhard Alpstaeg und dem russischen Milliardär Viktor Andrejewitsch Raschnikowitsch (70) legten die Strafverfolgungsbehörden auf denkbar drastische Weise ihr Veto ein: Kurz vor 14 Uhr verhaftete die mit einem Grossaufgebot am zivilen Fahndern angerückte Luzerner Polizei den Russen sowie mindestens zwei weitere Personen im Hotel Schweizerhof. Dort hatte die Gruppe offenbar zu Tische gesessen. Der Zugriff erfolgte in bewährter Schweizer Manier, so wie das auch 2015 im Fifa-Fall vor dem Zürcher Hotel Baur au Lac geklappt hatte. Und auch im «Fall Viktor» war zufälligerweise ein Fotograf vor Ort.

Für den FCL und seine Fans ist dies eine überaus bittere Pille. Zur Erinnerung: Raschnikowitsch hatte in Aussicht gestellt, nicht nur Hauptaktionär zu werden, sondern auch rüüdig verreckt viel Geld in den Club zu investieren. Die Rede war von nicht weniger als 500 Millionen Franken. Damit hätte der Oligarch, der im Eisen-/Stahlgeschäft sowie im Devisenhandel reich geworden war, den FCL für den internationalen Fussball fit machen wollen – mit überaus ambitioniertem Ziel: Innert drei Jahren solle die Luzerner Mannschaft bis in das Halbfinal der Champions League vorstossen, liess er noch vor wenigen Tagen vollmundig verlauten.

Vertragsunterzeichnung stand unmittelbar bevor

Ironie des Schicksals: Die formelle Vertragsunterzeichnung im KKL war gemäss exklusiven und wasserdichten Quellen auf gestern Abend angesetzt. Der Akt wäre – wie immer beim Milliardär aus Magnitogorsk – mit reichlich Champagner seiner Hausmarke Rémy Massin begossen worden. Dem Vernehmen nach hätte Raschnikowitsch den Abend ausserdem mit einem Privatkonzert in der Salle blanche abrunden wollen. Offenbar liess er dafür niemand anders als die russische Starsopranistin Anna Netrebko samt Pianist einfliegen.

Alles Schall und Rauch. Die gestrige Polizeiaktion machte sämtliche Hoffnungen auf eine glorreiche Zukunft des FCL zunichte. Warum freilich exakt zu diesem Zeitpunkt die Handschellen klickten und vor allem aus welchem Grund, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. Christian Bertschi, Sprecher der Luzerner Polizei, bleibt wie gewohnt vage und bestätigt nicht viel mehr als das Offensichtliche: «In einem Luzerner Hotel haben wir eine Gruppe von Personen festgenommen.» Um immerhin noch zu ergänzen: «Der Zugriff erfolgte im Auftrag des Bundesamtes für Justiz.» Aus «ermittlungstaktischen Gründen» nicht kommentieren will Bertschi das Gerücht, auf Begehren einer ausländischen Regierung seien sämtliche Schweizer Konten Raschnikowitschs eingefroren worden.

Viele Fragen bleiben zum jetzigen Zeitpunkt also unbeantwortet. Dies öffnet Raum für Spekulationen und für Beobachtungen. So glaubt ein Leserreporter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, am Mittagstisch im «Schweizerhof» neben Raschnikowitsch möglicherweise «einen Kadermitarbeiter einer Sportvermarktungsfirma mit Zuger Steuerdomizil» erkannt zu haben. Fast sicher ist er sich aber, was die dritte Person am Tisch angeht: «Das war niemand anders als Sepp Abgottspon von Kalbermatten!» Worüber sich der Präsident der Fifi (Féderation Internationale du Football Inférieur) mit dem Russen und dem dritten Mann unterhalten hat, weiss der Leserreporter nicht. Doch er ist sich sicher: «Das Trio wurde in corpore abgeführt.»

«Schweizerhof»-Hotelier ist konsterniert

Mit eigenen Augen mitansehen musste das Desaster auch Mike Hauser, der von Raschnikowitsch bekanntlich bereits als designierter FCL-Verwaltungsratspräsident vorgestellt worden war. Dass die Verhaftung ausgerechnet im eigenen Haus des Hoteliers stattfand, dürfte für ihn ganz besonders bitter sein. Kein Wunder spricht er von einer «riesigen Enttäuschung und Desillusionierung». Doch Hauser wäre nicht Hauser, wenn er nicht sogar dieser Situation noch etwas Positives abgewinnen könnte: «Wenigstens sind die Strafverfolgungsbehörden gerade zum richtigen Zeitpunkt aufmarschiert: Die erste Anzahlung hatte Raschnikowitsch bereits überwiesen, wir können jetzt für den FCL Stürmer Franck Ribéry kaufen. Und die Hotelrechnung war auch schon bezahlt.» Auf seine künftige Rolle angesprochen meint Hauser, dass er auch auf anderen Bühnen performen könne, «zum Beispiel in der Politik».

Bisherige Aktionäre sind nicht zu erreichen

Bernhard Alpstaeg war gestern für unsere Zeitung wie meistens nicht zu erreichen. Auch die Minderheitsaktionäre Sawiris, Schmid und Sieber bleiben weiter untergetaucht. Dem Vernehmen nach soll die sogenannte Triple-S-Gruppe noch nicht aus ihrer Retraite im Andermatter «Chedi» zurückgekommen sein. Wer weiss: Vielleicht sind sie ja auch nur vor der Lozärner Fasnacht geflohen.

Bei der designierten neuen FCL-Vereinsführung gibt man sich betont gelassen. Mediensprecher Stefan «Büsché» Bucher kommentiert die Geschehnisse so: «Kein Kommentar! Der ‹Schweizerhof› ist jetzt wieder hundertprozentig sauber, das hat unser Privatdetektiv bestätigt.»

Hinweis I: Nachdem es aus der Leserschaft dutzendfache Rückfragen gab, sei hiermit klargestellt: Unsere neu aus der Redaktion von «Der Spiegel» verpflichtete Investigativreporterin Renée van Eyck ist mit dem ehemaligen FCL-Haudegen und Beinhart-Verteidiger René van Eck weder verwandt noch verschwägert.

Hinweis II: Dieser Bericht ist ein satirischer Beitrag im Rahmen unserer Fasnachtsberichterstattung.

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