Interview

Kanton Luzern: FDP-Fraktionschef Andreas Moser tritt ab

Andreas Moser ist seit viereinhalb Jahren Chef der FDP-Kantonsratsfraktion. Nun kandidiert er für den Grossen Stadtrat – nach seinem grössten politischen Erfolg im Kantonsparlament. Er sagt, warum er zurück zu seinen politischen Wurzeln will.

Lukas Nussbaumer
Hören
Drucken
Teilen
Will von der kantonalen in die kommunale Politik wechseln: FDP-Fraktionschef Andreas Moser.

Will von der kantonalen in die kommunale Politik wechseln: FDP-Fraktionschef Andreas Moser.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 28. Januar 2020)

Die Stadtluzerner FDP plant den Grossangriff: Sie portiert für die Wahlen vom 29. März in den Grossen Stadtrat mit Andreas Moser eines ihrer Aushängeschilder. Der 59-jährige Architekt und Unternehmer, seit Sommer 2015 Chef der FDP-Kantonsratsfraktion, ist aber nicht der einzige bekannte Freisinnige, der für seine Partei in zwei Monaten die Kastanien aus dem Feuer holen soll. Geplant sind mehrere Listen; die Namen werden am 3. Februar öffentlich gemacht.

Im Gespräch sagt der Fritschivater von 2014, warum er wieder im Stadtparlament politisieren will. Und er erklärt, wie er es geschafft hat, für eine komfortable Mehrheit zu längeren Ladenöffnungszeiten zu sorgen – ein Geschäft, das der Kantonsrat am Montag mit 102 zu 13 Stimmen gutgeheissen hat (Ausgabe vom Dienstag). Demnach sollen die Läden an Werktagen unter der Woche künftig bis 19 Uhr und an Samstagen bis 17 Uhr offen haben dürfen. Dafür entfällt einer der beiden wöchentlichen Abendverkäufe.

Haben Sie die überaus deutliche Zustimmung des Kantonsrats zu längeren Ladenöffnungszeiten erwartet?

Andreas Moser: Es ist ein kleines Wunder, dass es nun höchstwahrscheinlich zu längeren Öffnungszeiten kommt. Wie emotional das Thema ist, hat sich in der ersten Lesung im Kantonsrat gezeigt, als die Diskussion noch einmal aufgeflackert ist.

Übertreiben Sie da nicht etwas? Schliesslich wurde Ihre Motion im Januar des letzten Jahres von allen Fraktionschefs mitunterzeichnet.

Nein. Die Grossverteiler haben vor der Beratung im Kantonsrat noch einmal sehr viel investiert, um einen zweiten Abendverkauf zu erreichen. Damit hätten Sie bei Urliberalen wie der Luzerner FDP durchaus auf offene Ohren stossen können.

Dann folgt der nächste Anlauf Richtung Liberalisierung wohl schon bald?

Das glaube ich nicht. In den nächsten fünf Jahren passiert nichts. Wir sind keine 24-Stunden-Gesellschaft, sind nicht Berlin, Paris oder New York.

Architekt, Politiker und Fasnächtler

Andreas Moser ist Architekt ETH und Mitinhaber der rund 40 Personen beschäftigenden TGS Architekten AG und TGS Bauökonomen AG in Luzern. Der 59-Jährige gehört dem Kantonsrat seit 2011 an, seit Sommer 2015 präsidiert er die FDP-Fraktion. Zuvor war Moser während sieben Jahren Mitglied des Grossen Stadtrats in Luzern, für den er nun wieder kandidiert. Der in fester Partnerschaft lebende Andreas Moser ist Vater von drei erwachsenen Kindern sowie Fasnächtler – 2014 war er Fritschivater. Bereits sein Vater und Grossvater politisierten. 

Längere Ladenöffnungszeiten sind an der Urne drei Mal gescheitert, nun dürfte es nicht einmal ein Referendum geben. Wie haben Sie das geschafft?

Die Gespräche mit Heinz Bossert, dem früheren Präsidenten und Geschäftsführer des Detaillistenverbands, sowie mit Gewerkschaftschef Marcel Budmiger waren entscheidend. Und dann natürlich die Unterstützung der anderen bürgerlichen Fraktionen. Es macht mir Freude, quer durch alle Parteien hindurch mit den Leuten zu reden.

«Ohne überheblich zu sein: Ich weiss auch, was politisch machbar ist.»

Und nun, nach Ihrem grössten politischen Erfolg im Kantonsrat, geben Sie das Fraktionspräsidium ab. Warum gerade jetzt?

Das war schon länger geplant. Auch mein Vorgänger Rolf Born war vier Jahre im Amt. Es war eine intensive und gute Zeit, nun ist ein Wechsel angesagt.

Statt in politische Rente zu gehen, kandidieren Sie für den Grossen Stadtrat, wo Sie vor Ihrer Wahl in den Kantonsrat schon Mitglied waren. Warum?

Auslöser für die Kandidatur war der Sitzverlust im Nationalrat, auch die beiden verlorenen Mandate in der Stadt bei den Kantonsratswahlen haben weh getan. Ich will der Partei helfen.

Wie lange wollen Sie denn Grossstadtrat sein?

Vier Jahre. Und im Kantonsrat werde ich die Legislatur nicht beenden.

In vier Jahren lässt sich in der Stadt etwas bewegen?

Sicher. Bei den Themen Mobilität und Kultur stehen wichtige Entscheide an. Mit meiner Erfahrung als Kantonsrat und meiner grossen Vernetzung denke ich schon, einen wertvollen Beitrag leisten zu können. Die Entwicklung der Stadt ist für mich eine Herzensangelegenheit.

Was sagen Sie zur redimensionierten Spange Nord?

Die erste Version war ein No-Go, beim jetzigen Projekt habe ich mich noch nicht entschieden. Aber eine elegante Brücke, die Stadtteile verbindet, ist prüfenswert. Zentral ist einfach, dass die Stadt für alle erreichbar bleibt und sich die Menschen in den Wohnquartieren ernst genommen fühlen.

Sie haben in den letzten vier Jahren im Kantonsrat nur vier Vorstösse eingereicht. Warum so wenige?

Ich habe mich vor allem auf die Moderationsrolle beschränkt. Ich bin keiner, der immer zuvorderst auf der Bühne stehen muss. Immerhin waren meine Vorstösse gewichtig und meist erfolgreich (lacht).

Grossstadtrat, Kantonsrat, Fraktionschef, Grossstadtrat – was kommt dann?

2024 bin ich 63-jährig. Dann ist Schluss mit der aktiven Politik.