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FEHLENTSCHEID: Die Schuldigen der WC-Misere

Die Schliessung der WC-Anlage beim Löwendenkmal war falsch. Wie aber kam es dazu? Und was passiert jetzt?
Benno Mattli
Eine provisorische Lösung für das Toilettenproblem: der WC-Wagen vor dem Luzerner Löwendenkmal. (Bild Manuela Jans)

Eine provisorische Lösung für das Toilettenproblem: der WC-Wagen vor dem Luzerner Löwendenkmal. (Bild Manuela Jans)

Nach der Aufhebung von Spielplätzen und dem Nicht-mehr-Ersetzen von Sitzbänkli sorgt eine weitere Massnahme der Stadt für Kopfschütteln: die Schliessung des Toilettenhäuschens beim Löwendenkmal. Stattdessen steht nun direkt vor der wichtigsten Touristenattraktion der Stadt ein WC-Wagen. Er ist eine Übergangslösung, die nötig geworden ist, nachdem die Verantwortlichen bei der Stadt eingesehen haben, dass die Schliessung des Toilettenhäuschens ein Fehler war.

Ein WC-Problem gibt es auch in der Ufschötti. Dort hat die Stadt zwei von drei öffentlichen WC-Anlagen geschlossen. Damit bilden sich an heissen Tagen wie jetzt lange Schlangen vor der einzigen verbliebenen WC-Anlage. Wartezeiten von 20 bis 30 Minuten sind die Regel. Auch hier musste die Stadt inzwischen reagieren, und auch hier hat sie einen WC-Wagen aufgestellt.

Warum schliesst die Stadt WCs?

Schuld an der ganzen Misere ist der sogenannte Masterplan öffentliche WC-Anlagen der Stadt Luzern. Dieser ist von der Dienststelle Immobilien unter dem damaligen Baudirektor Kurt Bieder erarbeitet worden – nach einer im November 2007 eingereichten Motion der FDP-Fraktion. Diese forderte unter anderem die Modernisierung und den bedürfnisgerechten Ausbau der städtischen WC-Anlagen. Das Stadtparlament hat den Masterplan am 4. März 2010 gutgeheissen – auf Antrag des Stadtrates. Der Plan sieht vor, dass von den 44 öffentlichen Toiletten auf Stadtgebiet (inklusive Littau) bis ins Jahr 2015 insgesamt 23 geschlossen werden. Beim Löwendenkmal und in der Ufschötti ist dies bereits passiert. Gleichzeitig sollen bis ins Jahr 2015 acht neue WC-Anlagen gebaut werden. Eine davon ist diejenige auf dem Bahnhofplatz, die bereits steht. Bis in zwei Jahren wird es also nur noch 29 statt 44 WC-Anlagen in der Stadt geben.

Was verspricht sich die Stadt davon?

Ziel des Masterplans ist es, «die Stadt bis 2015 mit 29 modernen, sauberen und sicheren öffentlichen WC-Anlagen zu bestücken». Denn viele WCs seien «überdimensioniert, in einem schlechten und veralteten Zustand, nur zum Teil behindertengerecht und schlecht auffindbar».

Um das Ziel zu erreichen, sollen einerseits bestehende Anlagen aufgehoben oder modernisiert werden und andererseits neue Anlagen an Orten mit viel Publikumsverkehr erstellt werden. Denn laut dem Masterplan hat eine Bestandesaufnahme der Stadt gezeigt, dass die Anzahl der WC-Anlagen im stärker frequentierten Stadtzentrum im Vergleich zu den Aussenquartieren zu gering sei. Die Schliessung von WCs betreffe deshalb «vor allem die Aussenquartiere». Sie benötigten keine flächendeckende Versorgung.

Spart die Stadt damit Geld?

Ja. Laut dem Masterplan reduzieren sich die jährlichen Betriebskosten für alle WC-Anlagen von rund 450 000 auf 360 000 Franken. Für die Umsetzung der Massnahmen rechnet der Stadtrat allerdings mit Investitionen von rund 2,5 Millionen Franken. Mit diesem Betrag werden «die wichtigsten Anlagen optimiert und den heutigen Anforderungen angepasst».

Warum ist das WC beim Löwendenkmal geschlossen worden?

Eine gute Frage, auf die sich im Masterplan keine Antwort findet. Im Gegenteil: Das WC beim Löwendenkmal hätte eigentlich gar nicht geschlossen werden dürfen. Denn im Masterplan steht: «Die WC-Standorte sind auf die grossen Publikumsströme und Nutzungsüberlagerungen im öffentlichen Raum auszurichten.» Und: «Der öffentliche Raum ist die Visitenkarte der Stadt Luzern und der ansässigen Unternehmen, insbesondere im Bereich Tourismus.» Beides trifft auf das Löwendenkmal zu. Die Schliessung dieses WCs war also ein klarer Fehlentscheid.

Warum sind zwei WCs in der Ufschötti geschlossen worden?

Auf diese Frage findet sich im Masterplan eine klare Antwort: Drei Anlagen in diesem Gebiet seien zu viel und zu nahe beieinander. Die noch offene WC-Anlage beim Kiosk soll Ende der Badesaison saniert und um ein WC erweitert werden.

Wer trägt die Verantwortung für das WC-Problem?

Der Stadtrat und das Stadtparlament. Die Exekutive hat einen fehlerhaften Masterplan vorgelegt, das Parlament hat diesen am 4. März 2010 gutgeheissen – mit 37 Ja- bei 4 Nein-Stimmen und 1 Enthaltung. Erstaunlicherweise war die Schliessung des WCs beim Löwendenkmal in der Ratsdebatte überhaupt kein Thema. Offensichtlich haben sich viele Stadtparlamentarier auch gar nicht die Mühe gemacht, die Standorte derjenigen WC-Anlagen, die aufgehoben werden sollen, genau zu studieren. Den Beweis dafür lieferte in der Ratsdebatte CVP-Grossstadtrat Markus Mächler. Er sagte damals wörtlich: «Die CVP-Fraktion hat nicht die ganze Liste der aufgegebenen und der neuen Standorte überprüft, und sie hat auch keine eigene Wertung vorgenommen. Die Fraktion pflegt aber eine übergeordnete Sicht der Dinge. Das Ergebnis kann die Fraktion daher auch unterstützen.»

Warum hat die Stadt WC-Wagen aufgestellt?

Der WC-Wagen beim Löwendenkmal und derjenige in der Ufschötti sind Notlösungen. Die Stadt musste handeln, nachdem sie festgestellt hatte, dass die WC-Situation sowohl beim Löwendenkmal als auch in der Ufschötti unhaltbar waren. Mit- oder sogar hauptverantwortlich für diesen Entscheid ist Friederike Pfromm, die Chefin der Dienststelle Immobilien bei der Stadt Luzern. Die 45-jährige Frau aus Winterthur hat ihre Stelle erst im vergangenen November angetreten. Sie muss jetzt ausbaden, was ihr der Stadtrat – der wie bei den Sitzbänkli keine Stellung nehmen will – und das Parlament eingebrockt haben. Es ist Pfromm nach so kurzer Zeit bei der Stadt hoch anzurechnen, dass sie das WC-Problem anpackt – auch wenn die WC-Wagen nicht der Weisheit letzter Schluss sein können. Mit dem Aufstellen des Wagens beim Löwendenkmal setzt sich Pfromm übrigens über den vom Stadtparlament beschlossenen Masterplan hinweg. Denn dieser sieht dort ja kein WC mehr vor.

Könnte man das alte WC beim Löwendenkmal wieder eröffnen?

«Nein», sagt Pfromm. «Diese Anlage zu sanieren und wieder in Betrieb zu nehmen, wäre zu aufwendig. Zudem könnte man sie nicht behindertengerecht machen.»

Wie geht es jetzt weiter?

Laut Pfromm müssen gewisse Massnahmen des Masterplans noch einmal evaluiert werden. Dazu gehört sicher das geschlossene WC beim Löwendenkmal. Denn für Pfromm ist klar, «dass wir dort irgendwann eine definitive Lösung brauchen». Das letzte Wort dazu hat das Stadtparlament. Wann dies der Fall sein wird, ist offen.

DenWC-Masterplanfinden Sie auf www.luzernerzeitung.ch/bonus

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