Feierliche Stabsübergabe an die St. Galler

Das 33. Schweizerische Musikfest ist am Samstag eröffnet worden. Warum nur überbrachten die Luzerner den St. Gallern eine so zerknitterte Fahne?

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Hubert Schlegel, OK-Präsident des EMF2011 St. Gallen, schwingt die Zentralfahne beim Festakt. (Bild: Sebastian Derungs (swiss-image.ch))

Hubert Schlegel, OK-Präsident des EMF2011 St. Gallen, schwingt die Zentralfahne beim Festakt. (Bild: Sebastian Derungs (swiss-image.ch))

Luzern hat sein Musikfest nach fünf Jahren noch in bester Erinnerung. Am Samstag mussten die Organisatoren vom 32. «Eidgenössischen» definitiv vom Anlass Abschied nehmen und «ihr» Fest an die Stadt St. Gallen weitergeben. In einem Extrazug reiste eine Delegation aus Luzern frühmorgens in Richtung Gallusstadt. In den drei Bahnwagen nahmen nebst dem Organisationskomitee und Politikern auch die Musikerinnen und Musiker der Harmoniemusik, der Feldmusik und des Tambourvereins der Stadt Luzern Platz. Die Stimmung war gut – trotz prognostiziertem Schlechtwetter mit Dauerregen und tiefen Temperaturen.

Flucht ins Festzelt

Spätestens um 10 Uhr stand fest: Luzern hatte vor fünf Jahren mehr Wetterglück. Die Eröffnungszeremonie auf dem Klosterplatz, der zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, musste abgesagt und ins Festzelt verlegt werden. Dort waren die Platzverhältnisse entsprechend eng. Die Konzertbühne war für die Stadtmusik St. Gallen reserviert, sekundiert von der Harmoniemusik Luzern-Horw. Gemeinsam gestalteten sie den Eröffnungsakt. Zuvor musste der Beginn in der Disziplin «Parademusik» auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Der ehemalige Luzerner Stadtrat Franz Müller, OK-Präsident des 32. Musikfests in Luzern, rief in seiner Ansprache dazu auf, dem trüben Wetter zu trotzen und «die Herzen zu öffnen». Im Handgepäck führte Müller die Zentralfahne mit sich. Die Fahne lagert als Symbol immer in jener Stadt, wo das Eidgenössische Blasmusikfest gerade beheimatet ist. Ob es am feuchten Wetter oder der Lagerung in der Zentralschweiz liegt: Die Zentralfahne kam in St. Gallen in einem sichtbar zerknitterten Zustand an. In einer längeren Zeremonie gelangte sie schliesslich in St. Galler Hand. Hubert Schlegel, St. Galler alt Stadtrat und OK-Präsident, sagte in seiner kurzen Ansprache, er und sein Team hätten Monate und Jahre auf die beiden Wochenenden hingearbeitet: Nun hoffe er auf ein «Fest der grossen Begeisterung».

Begrüssung der Bundespräsidentin

Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey würdigte die Stadt St. Gallen als einen Ort mit wichtigen musikhistorischen Wurzeln. Die Mönche hätten im Kloster St. Gallen, im Mittelalter wichtiges Zentrum der Schriftkunst, die Entwicklung der europäischen Musik vorangetrieben. Mit Blick auf die Gegenwart wünschte sich die Bundespräsidentin, dass die Blasmusik nicht nur der Identitätspflege diene, denn die Blasmusik verkörpere «nicht nur Herkunft, sondern auch Zukunft und Entwicklung». Sie hörte, wie alle Besucherinnen und Besucher der Eröffnungszeremonie, mit wenigen Ausnahmen ausschliesslich Marschmusikkompositionen. Immerhin wurde in den Wettspielen, vor allem in den höheren Niveauklassen, erstaunlich viel zeitgenössische Musik aufgeführt.

Rund 520 Musikvereine aus allen Landesteilen haben sich fürs Eidgenössische Musikfest angemeldet, 22 500 Musikantinnen und Musikanten reisen nach St. Gallen, gegen 200 000 Besucher erwarten die Organisatoren. Ob es nach dem verregneten Samstag so viele sein werden, bleibt jedoch fraglich. Die Luzerner Delegation ist gestern bereits wieder abgereist. Eines wird St. Gallen aber mit Sicherheit bekommen: Das Beste vom Besten, was die Schweiz derzeit in Sachen Blasmusik zu bieten hat.

Philippe Reichen

Alle Infos zum Eidgenössischen Musikfest in St.Gallen