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FEIERTAG: Josef hat einen schweren Stand

Der 19. März ist in Schongau künftig kein Feiertag mehr. Nur in einer Region im Kanton Luzern hat der «Seppitag» noch einen starken Rückhalt.
Matthias Stadler

Matthias Stadler

In der Zentralschweiz kann man sich kaum über zu wenige Feiertage beklagen. Gegenüber den reformierten Kantonen haben die Katholiken aufs Jahr hochgerechnet gut und gerne bis zu einer Woche mehr Feiertage. Fronleichnam, Mariä Empfängnis und Allerheiligen lassen grüssen. Und auch der Josefstag am 19. März wird in einigen katholischen Kantonen gefeiert, so etwa in Uri, Schwyz, Nidwalden, Tessin und im Wallis. An diesem Tag wird dem heiligen Josef gedacht – dem Bräutigam der Gottesmutter Maria.

Seit 1925 gefeiert

In Luzern wird der Feiertag nicht kantonal gefeiert. Allerdings gibt es auch hier Gemeinden, die den Seppitag als Feiertag begehen. So etwa auch Schongau – zumindest bis jetzt. Denn der Gemeinderat hat der Gemeinde­versammlung beantragt, den Josefstag abzuschaffen. Und die 105 anwesenden Stimmberechtigten hiessen den Antrag an der Versammlung vom vergangenen Mittwoch diskussionslos und grossmehrheitlich gut. Damit wird der 19. März in Schongau künftig ein Arbeitstag sein.

Doch weshalb kam es überhaupt dazu, den seit 1925 bestehenden Feiertag abzuschaffen? Nochgemeindepräsident Josef Muff nennt einen simplen Grund: «Der Feiertag wurde in den vergangenen Jahren immer seltener eingehalten. Viele Leute haben trotzdem immer etwas gearbeitet. Wenn wir einen Sonntag haben, sollten wir ihn auch einhalten oder ihn ansonsten ganz abschaffen.» So seien etwa einzelne Bauern trotz des Feiertags auf die Felder gegangen, und auch Bauarbeiten seien verrichtet worden. «Das hat überhand genommen», erklärt der Ende August abtretende Gemeindepräsident. Einzig die Läden seien jeweils geschlossen, diese hielten sich an den Feiertag.

Josef Muff betont, dass bei der Abschaffung des Feiertags keine wirtschaftlichen Hintergedanken mitspielen würden. «Es hat uns einfach gereicht. Und auch der Kirchenrat hat das Anliegen des Gemeinderats gutgeheissen.»

Josefstag aus Dank eingeführt

Der Josefstag wird in Schongau seit dem Bau der Pfarrkirche 1924/25 gefeiert. Der damalige Pfarrer Franz Sales Fessler liess die Kirche bauen, gegen den zuerst massiven Widerstand der Bevölkerung. Als das Gotteshaus schliesslich stand, führte er den «Seppitag» zuerst als halben Feiertag ein – dies aus Dank, dass bei den Arbeiten niemand zu Schaden kam. Später wurde der Tag zu einem vollwertigen Feiertag umfunktioniert, wie der Gemeindepräsident erklärt. Der Josefstag ist somit nicht der Tag des Schutzpatrons in Schongau – denn dies ist der Heilige Ulrich, welcher am 4. Juli gefeiert wird und in der Gemeinde ein kirchlicher Feiertag ist.

Im Kanton Luzern wird der Seppitag damit nur noch in 15 Gemeinden gefeiert. Vor allem im Entlebuch ist der Feiertag noch gang und gäbe. In jeder Entlebucher Gemeinde wird dem Heiligen Josef am 19. März gehuldigt. Josef Jenni, Katechet der katholischen Kirche Entlebuch, sagt: «Früher wurde der Tag in den meisten katholischen Gegenden gefeiert, heute nicht mehr überall.» Das Entlebuch habe ihn einfach beibehalten. «Es ist vermutlich auch ein Festhalten an einer sinnvollen Tradition gegenüber politischen Einflüssen.»

Jede Woche einen Heiligen gefeiert

Richard Portmann, historisch interessierter Exkursionsleiter in der Biosphäre Entlebuch, erklärt, dass der Seppitag schon seit rund 300 Jahren besteht. «Dies zusammen mit unzähligen anderen Heiligen, deren Gedenktage später sukzessive abgeschafft wurden. Früher gab es kaum eine Woche, bei der nicht irgendein Heiliger speziell gefeiert wurde. Der Josefstag aber blieb erhalten, weil dem heiligen Josef nach wie vor grosse Bedeutung zugewiesen wird.» So stünde er da und dort über den lokalen Kirchenpatronen.

Doch habe es auch schon im Entlebuch Stimmen gegeben, die diesen «alten Zopf» abschneiden wollten, führt der in Entlebuch wohnhafte Portmann aus. «Doch das ist nicht die Meinung der Mehrheit des Volkes hier.» Viele Leute würden den Seppitag natürlich als zusätzlichen freien Tag schätzen, es gebe aber auch Gläubige, die explizit dann in die Kirche gingen. Portmann plädiert deswegen dafür, den Josefstag weiterhin zu feiern, und er fügt an: «Mir bedeutet der Tag schon noch etwas. Deswegen würde ich es bedauern, wenn er verschwinden würde.»

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