FELIX BAUMANN: Nach Freispruch: Jetzt spricht der Heimarzt

Drei Jahre Ungewissheit, ein Schuldspruch und jetzt der Freispruch: Der ehemalige Heimarzt des Betagtenzentrums Eichhof sagt, wie er diese Zeit erlebt hat.

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Der ehemalige Heimarzt Felix Baumann in seiner Wohnung in Luzern. (Bild Pius Amrein/Neue LZ)

Der ehemalige Heimarzt Felix Baumann in seiner Wohnung in Luzern. (Bild Pius Amrein/Neue LZ)

«Es war ein guter Moment.» Sachlich und zurückhaltend, wie es seine Art ist, schildert der pensionierte Arzt Felix Baumann den Augenblick, als er vor kurzem erfuhr: Der Freispruch durch das Obergericht vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung ist endgültig und rechtskräftig. Dem ehemaligen Arzt des Pflegeheims Eichhof war vorgeworfen worden, er hätte seinen Verdacht gegenüber dem «Todespfleger» früher der Polizei melden sollen. Dieser hatte zwischen 1995 und 2001 in der Zentralschweiz insgesamt 22 Personen getötet, 9 davon im Betagtenzentrum Eichhof in Luzern. Der Mann war geständig und wurde 2006 zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe verurteilt.

«Dieser Freispruch ist befreiend und entlastend», sagt Felix Baumann. «Ich kann jetzt einen Schlussstrich ziehen.» Spürbar sei die Entlastung dadurch, «dass heute meine Gedanken viel weniger um die Problematik von damals kreisen». Aber, so stellt er sogleich klar: «Diese Zeit wird immer in meinem Erinnerungsbild bleiben, sie ist ein Teil meines Lebens.» So wird er denn auch die 20 Zentimeter hohe Aktenbeige, die auf einem Regal liegt, zur Seite räumen, aber nicht wegwerfen.

Vor sieben Jahren
«Diese Zeit»: Es ist sieben Jahre her, seit der Pfleger Roger A. seine Tötungsdelikte in Luzern, Sarnen und Küssnacht gestanden hat. 2006 wurde der «Todespfleger» verurteilt. Und gerade nach diesem Prozess, als Felix Baumann zunehmend Distanz gewinnen wollte, kam eine neue, schwere Belastung auf ihn zu. Er selbst wurde eingeklagt, musste sich eingehenden Befragungen stellen, stand vor Amtsgericht, dann vor Obergericht, musste sich wieder und wieder mit der Zeit, als die Tötungsdelikte passierten, und mit seiner eigenen Rolle auseinandersetzen.

Rascher darüber sprechen
Die Frage drängt sich auf: Würde er heute anders handeln? Nachdenklich sagt Felix Baumann: «Der Rückblick ist immer schwierig. Wer kann heute sagen, wie er im Mai 2001 anders hätte handeln sollen? Aus der heutigen Erfahrung wäre ich mir wohl stärker bewusst, dass jeder unklare Todesfall dem Amtsarzt sofort gemeldet werden muss. Das heisst: Ich würde heute bei einer Ungewissheit oder bei einem Verdacht rascher mit Kollegen und mit der Heimleitung darüber sprechen, statt dies wie damals vorerst lange für mich allein lösen zu wollen.»

Ruth Schneider

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Samstag in der Neuen Luzerner Zeitung.