FELSSTURZ: Aufräumarbeiten in der Kleinen Emme dauern an

Eine Woche nach dem Felssturz an der Badflue bei Wolhusen wird weiterhin Schutt aus dem Bett der Kleinen Emme geräumt. Ziel ist es, das Gerinne wieder so weit zu vergrössern, damit bei einem höheren Wasserstand der Fluss nicht erneut über die Ufer tritt.

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Ein Bagger ist auf dem Schuttkegel in Aktion, um diesen abzutragen. (Bild: pd)

Ein Bagger ist auf dem Schuttkegel in Aktion, um diesen abzutragen. (Bild: pd)

Im Zentrum der Sofortmassnahmen stehe die Räumung der Felssturzablagerungen aus dem Gerinne der Kleinen Emme, teilte die Gemeinde Werthenstein am Montag mit. Es gehe darum, die Hochwassergefährdung so rasch wie möglich wieder auf den Zustand von vor dem Felssturz zu bringen.

Der Durchflussquerschnitt der Kleinen Emme war durch den Felssturz um über 90 Prozent verringert worden. Bereits bei leicht erhöhten Abflüssen bestehe aktuell die Gefahr von Überschwemmungen, teilte die Gemeinde mit. Dazu genügten ergiebige Niederschläge oder ein Warmlufteinbruch mit einer grösseren Schneeschmelze.

Um die latente Überflutungsgefahr zu verringern, wird auf der Höhe des Schuttkegels auf der rechten Flussseite ein temporärer Schutzdamm errichtet. Mit diesem soll gemäss der Gemeinde Werthenstein die Überflutungsgefahr für das dortige Gewerbe- und Wohngebiet verringert werden.

Felswand wird gereinigt und gesichert

Zur Zeit ist erst die rechte, von der Felswand entfernte Hälfte des Flussbettes für die Räumung freigegeben. Bevor die Felssturzablagerungen aus der felswandnahen Hälfte der Kleinen Emme entfernt werden könnten, müsse Gewissheit bestehen, dass keine weiteren Abbrüche drohten, schreibt die Gemeinde. Daher werde die Felswand zur Zeit von Spezialisten gereinigt und gesichert.

Am 11. Januar hatte sich in den frühen Morgenstunden bei der Badflue eine tausend Quadratmeter grosse und vier bis fünf Meter dicke Felsplatte gelöst. Weil der abgestürzte Fels in den Fluss fiel, wurde das dortige linksufrige Gebiet überschwemmt.

Hinweise auf grössere Felsabbrüche hatte es an der Badflue nach Angaben der Gemeinde nicht gegeben. Gemäss Gefahrenkarte ereignet sich ein so grosser Felssturz an dieser Stelle höchstens alle 300 Jahre. Der Fels hatte sich lösen können, weil ein dünnes Mergelband durch die Kleine Emme ausgewaschen worden war.

Annahmen in der Gefahrenkarte bestätigt

Die Gefahrenkarte stimme mit dem Geschehenen recht gut überein, schreibt die Gemeinde. Das Felsmaterial sei fast zu 100 Prozent in den Fluss gestürzt, das Hochwasser sei in den in der Gefahrenkarte ausgeschiedenen Fläche abgelaufen.

Speziell war, dass die 13'000 Tonnen schwere Felsmasse in der wassergefüllten Schotterbank mit einer solchen Wucht einschlug, dass Schotter und Kies explosionsartig wie Geschosse aus dem Flussbett katapultiert worden sind.

Die Steine seien bis zu 300 Meter weit geflogen, teilte die Gemeinde Werthenstein mit. Ein solches Szenario habe nicht vorausgesehen werden können. Es sei aussergewöhnlich und an spezielle Voraussetzungen geknüpft, wie die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft bestätigt habe.

Unbekannte Menge Öl ausgelaufen

Wegen der Überschwemmung waren einige Tausend Liter Dieselöl in das Erdreich, den Fluss, in die Kanalisation und in die Luft gelangt. Die Fauna und Flora der Gewässer seien wohl nicht zu stark beeinträchtigt worden, schreibt die Gemeinde. Es sei aber möglich, dass weiterhin aufschwimmendes Öl sichtbar sei.

Damit keine Schadstoffe ins Trinkwasser gelangen konnten, wurden Trinkwasserfassungen vorübergehend abgestellt. Rund 150 Kubikmeter Kies wurde verunreinigt. Die fachgerechte Entsorgung sei in die Wege geleitet worden, hiess es.

Die Absturzstelle aus der Vogelperspektive: Aufräumarbeiten in der Kleine Emme in Wolhusen am Dienstag, 26. Januar 2016 nach dem Felssturz. (Bild: Philipp Schmidli)
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Die Absturzstelle aus der Vogelperspektive: Aufräumarbeiten in der Kleine Emme in Wolhusen am Dienstag, 26. Januar 2016 nach dem Felssturz. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Absturzstelle aus der Vogelperspektive: Aufräumarbeiten in der Kleine Emme in Wolhusen am Dienstag, 26. Januar 2016 nach dem Felssturz. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Absturzstelle aus der Vogelperspektive: Aufräumarbeiten in der Kleine Emme in Wolhusen am Dienstag, 26. Januar 2016 nach dem Felssturz. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Absturzstelle aus der Vogelperspektive: Aufräumarbeiten in der Kleine Emme in Wolhusen am Dienstag, 26. Januar 2016 nach dem Felssturz. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Absturzstelle aus der Vogelperspektive: Aufräumarbeiten in der Kleine Emme in Wolhusen am Dienstag, 26. Januar 2016 nach dem Felssturz. (Bild: Philipp Schmidli)
Josef Imbach ist fassungslos – sein MG-Oldtimer wurde massiv beschädigt. (Bild: Manuela Jans)
Am Tag danach: Das grosse Aufräumen. Ein Mitarbeiter der Imbach AG hilft. (Bild: Manuela Jans)
Herumfliegende Felsbrocken rissen Löcher in mehrere Gebäude. (Bild: Manuela Jans)
Geologen schauen sich den Hang aus der Nähe an. (Bild: Manuela Jans)
Überall liegt das Geröll verteilt (Bild: Manuela Jans-Koch)
Das Schreckensbild von oben - aufgenommen von einer Drohne. (Bild: ZSO Emme)
Ein Bagger räumt die Felsbrocken aus dem Flussbett der kleinen Emme. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Das Geschiebe wird zurückgeschoben: Erste Räumungsarbeiten mit einem Trax. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Von der Badflue sind die Felsmassen herabgestürzt. Rund 5000 Kubikmeter Fels donnerten in die Kleine Emme. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Das erste Wasser ist weg. Gehölze und Geschiebe ist geblieben. (Bild: Leserreporter)
Als sei etwas explodiert: Die Fassade eines Gewerbegebäudes. (Bild: Leserreporter)
Das Vordach mitsamt Industriekran wurde zu Boden gerissen. (Bild: Leserreporter)
Auch das Dach des Wohnhauses (links) zeigt Spuren der Verwüstung. (Bild: Leserreporter)
Ein Bagger entfernt Schlamm und Geröll, im Hintergrund die Felswand mit der Abbruchstelle. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Durch das Molassegestein wurde das Flussbett der kleinen Emme auf einer Länge von ca. 50 x 20 Meter verschüttet. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Der Haufen von Felsbrocken mitten im Fluss, fotografiert in der Nähe der Abbruchstelle. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Mit einem Damm, 1 Meter hoch und 25 Meter breit, versuchten die Einsatzkräfte, die Wassermassen zurück ins Bachbett zu leiten. (Bild: Christian Volken / luzernerzeitung.ch)
Die Kleine Emme trat über die Ufer ... (Bild: Luzerner Polizei)
... und bahnte sich einen neuen Weg entlang des Flussbettes bis Wolhusen Markt. (Bild: Luzerner Polizei)
Gebäude im betroffenen Gebiet wurden vom Wasser geflutet... (Bild: Luzerner Polizei)
... ebenso eine Eisenbahnunterführung. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Dieser Garten wurde arg in Mitleidenschaft gezogen. (Bild: Christian Volken / Luzernerzeitung.ch)
Nach den Wassermassen das Aufräumen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Ein Bagger macht den Weg frei, damit das Wasser abfliessen kann. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Feuerwehrleute an der Schadenstelle. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Wasser fliesst durch das Kieswerkareal. (Bild: Leserreporter)
Die Abbruchstelle, aus der Ferne betrachtet. (Bild: Leserbild Edi Ulmi)
Das betroffene Gebiet, aus der Luft betrachtet. (Bild: ZSO Emme)
Diese Felsmassen haben zu Rückstau und zur Überflutung geführt. (Bild: ZSO Emme)
«Das Wasser strömte durch das gesamte Areal unserer Firma», so Geschäftsführerin Brigitte Imbach vom Kies- und Betonwerk Imbach AG. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bürogebäude, Einstellhalle und das gesamte Kies- und Betonwerk standen gemäss Imbach unter Wasser. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
«Das Wasser hatte einen ziemlichen Zug drauf. Der Schaden kann noch nicht beziffert werden», so Imbach weiter. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Die Kleine Emme fliesst durch diesen Garten. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Das Wasser läuft zurück in die Kleine Emme. (Bild: Pius Amrein (Neue LZ))
Das Wasser hat ein grosses Chaos hinterlassen. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Haustüre und Garagentor eines betroffenen Hauses. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Dieser Personenwagen wurde übel zugerichtet. (Bild: Leserreporter)
Auch dieses Nutzfahrzeug geriet in die Wasser- und Gesteinsmassen. (Bild: Leserreporter)
Feuerwehrleute inspizieren die Schäden. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Die Feuerwehr errichtete einen Damm, um schlimmeres zu verhindern. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Bis am Mittag hatte sich das Wasser flächenmässig weit zurückgezogen. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Aus Sicherheitsgründen durfte mit der Räumung des Flussbettes erst am Nachmittag begonnen werden. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Äste und Geröll liegen herum. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Schäden an einem Hausdach. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Die Feuerwehr, die mit 80 Personen ausgerückt war, errichtete noch am frühen Morgen quer über die Strasse einen 25 Meter langen und einen Meter hohen Erdwall und spitzte eine Mauer am Fluss ab, damit das Wasser zurück in das Bett fliessen konnte. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Geologe Louis Klaus geht nicht davon aus, dass sich weitere Felsbrocken lösen könnten. Ein aussergewöhnliches Ereignis, das den Felssturz ausgelöste, habe es nicht gegeben. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Der Molassefels sei einfach zum Absturz bereit gewesen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Das überschwemmte Gebiet (blau) und die Gefahrenzone (rot). (Bild: Grafik: Martin Ludwig)

Die Absturzstelle aus der Vogelperspektive: Aufräumarbeiten in der Kleine Emme in Wolhusen am Dienstag, 26. Januar 2016 nach dem Felssturz. (Bild: Philipp Schmidli)

(sda)

Felsabbruch im Jahr 1910

Im Staatsarchiv sind Akten über einen früheren Felssturz zum Vorschein gekommen. Der Abbruch ereignete sich im Juni 1910 an fast derselben Stelle wie jener vom vergangenen 11. Januar. Die Angaben zu den damaligen Kubaturen varrieren von 50 und 450 Kubikmeter Gesteinsmaterial. Das damalige Ereignis war folglich um ein Vielfaches kleiner als der aktuelle Felssturz.

cv