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Ferienstopp für 5500 Mitarbeiter: Angestellte des Luzerner Kantonsspitals sind empört

Im nächsten Herbst führt das Luzerner Kantonsspital ein neues Klinikinformationssystem ein. Um die Angestellten für das 66-Millionen-Programm fit zu trimmen, werden Ferienwünsche im zweiten Halbjahr stark eingeschränkt.
Evelyne Fischer
Fürs Patientenwohl gibts während der Einführung des Klinikinformationssystems 2019 Feriensperren beim Luzerner Kantonsspital. (Bild: Boris Bürgisser, 1. Dezember 2015)

Fürs Patientenwohl gibts während der Einführung des Klinikinformationssystems 2019 Feriensperren beim Luzerner Kantonsspital. (Bild: Boris Bürgisser, 1. Dezember 2015)

Lukis – hinter dem leichtfüssigen Begriff steckt das bisher massivste Informatikprojekt in der Geschichte des Luzerner Kantonsspitals: Am 21. September 2019 schaltet das Luks sein neues Klinikinformationssystem auf. Eine 65,8 Millionen Franken teure digitale Arbeitsplattform, inklusive Betriebskosten für acht Jahre.

Mit Lukis haben Ärzte und Pflegepersonen künftig alle Informationen zu Patienten rund um die Uhr aktuell zur Hand. Vom Röntgenbild bis zu den Blutdruckdaten. Denn pro Behandlung können bis zu 50 Fachpersonen beteiligt sein. Auch Patienten erhalten dank des neuen Portals «Mein Luks» Zugang zu ihren Daten und können darüber unter anderem Termine buchen.

Für die Umsetzung des Mammutprojekts stehen seit Herbst 2017 über 90 Personen als Projektmitarbeiter im Einsatz. Weitere 380 Angestellte sind als interne Fachexperten in Kleinpensen an der Einführung beteiligt. Von Juli bis Oktober 2019 hat sich nun auch der Grossteil der rund 6900 Spitalmitarbeiter dem Fahrplan für Lukis unterzuordnen: Zum einen müssen sie allfällige Weiterbildungswünsche vertagen, zum anderen bei der Ferienplanung Abstriche machen. Das sorgt für Empörung, wie unserer Zeitung von verschiedener Seite zugetragen wurde.

5500 Angestellte werden den Sommer über geschult

Dass die Einführung eines solchen Systems eine Belastung sei und den Angestellten «vieles abverlange», sei man sich bewusst, sagt Bettina Wildi, Kommunikationsbeauftragte. «Bisher konnten wir am Luzerner Kantonsspital auf Einschränkungen bei den Ferien, wie sie viele Betriebe in der Transport- oder Tourismusbranche kennen, verzichten. Diesmal geht es nicht anders.»

Ab dem 1. Juli bis zum 23. August werden 5500 Angestellte während maximal drei Tagen in Lukis geschult. «Dafür sind rund 100 verschiedene Kurse vorgesehen, die mehrmals durchgeführt werden.» Die Schulungen finden in den Hörsälen der – semesterferienbedingt – verwaisten Uni statt. «Um die Schulung aller Mitarbeiter während dieser acht Wochen sicherzustellen, ist der Ferienbezug in jener Phase auf zwei Wochen beschränkt.» Doch damit nicht genug: Vom 16. September bis zum 11. Oktober sind Ferien und unbezahlte Urlaube wegen der Lukis-Aufschaltung am 21. September gänzlich tabu. Weiterbildungen werden nur bewilligt, sofern sie zwingend nötig oder vertraglich festgehalten sind.

Gerade für berufstätige Eltern ist dieser Zeitpunkt denkbar ungünstig: Denn er fällt genau in die Herbstferien. «Bei der Wahl von Terminen und Abläufen für das neue Klinikinformationssystem mussten verschiedene Kriterien, insbesondere die Versorgung der Patienten, berücksichtigt werden», sagt Wildi. «Der Einführungszeitpunkt ist denn auch aus Sicht des Patientenaufkommens gewählt: Im September ist dieses vergleichsweise tiefer als im übrigen Jahr.» Um Lukis in den Alltag zu integrieren, werde es eine anstrengende Eingewöhnungsphase brauchen. «Damit unsere Mitarbeiter schnell Sicherheit gewinnen, möchten wir in dieser Zeit alle Kräfte an Bord haben.»

Eine organisatorische Meisterleistung haben insbesondere jene 40 Paare mit schulpflichtigen Kindern zu vollbringen, bei denen beide Elternteile am Luks tätig sind. «Generell ist es für Eltern eine Herausforderung, die Lücke zwischen den 13 Wochen Schulferien und den eigenen 5 Wochen Ferien abzudecken», sagt Wildi. «Sollte es im Herbst 2019 bedingt durch die Lukis-Einführung einen Betreuungsengpass geben, werden wir gemeinsam Lösungen finden.»

Kader weiss seit Juli vom Ferienstopp

Nicht gelten lässt Bettina Wildi den Vorwurf, man habe die Angestellten zu spät über die rigide Ferienregelung ins Bild gesetzt. «Die Geschäftsleitung hat das Kader und die Mitarbeitenden bereits im Juli bezüglich Ferien und unbezahltem Urlaub für 2019 informiert», sagt die Kommunikationsbeauftragte. «So konnten diese möglichst früh ihre Planung anpacken.»

Dass sich das Luks als führendes Spital der Zentralschweiz leisten kann, von Juli bis Mitte Oktober nur zwingende Weiterbildungen anzubieten, erklärt Wildi wie folgt: «Mit Blick auf Lukis investiert das Luzerner Kantonsspital 2019 so viel in die Weiterbildung seines Teams wie noch nie. Dies allgemein in Bereich der Informatik in Form von PC-Kursen und im Besonderen in Digitalisierungsfragen im Gesundheitswesen.» Es gehe auch darum, klinikübergreifende Abläufe für die Patienten zu optimieren. «Nach diesem gemeinsamen Weiterbildungsprojekt wird das Luzerner Kantonsspital ab 2020 wieder wie gewohnt ein breites Aus- und Weiterbildungsprogramm anbieten.»

Unterschriften gegen höhere Parkplatztarife gesammelt

Ab 2019 führt das Luzerner Kantonsspital (Luks) in Luzern, Wolhusen und Sursee ein einheitliches Parkier- und Gebührensystem ein. Neu beträgt das Tagesmaximum 6 Franken. Damit zahlen Angestellte in Wolhusen und Sursee bald massiv mehr (Artikel vom 20. November).

Wie sich nun gezeigt hat, ist es in Sursee zu einer Unterschriftensammlung gekommen. 70 Mitarbeiter haben unterzeichnet. Sie monieren etwa, dass einzig Angestellte in Luzern von vergünstigten Benzinpreisen (3 Rappen pro Liter) profitieren und sie kritisieren, mit den höheren Tarifen werde bloss das neue Parkhaus in Luzern finanziert. Das – notabene – gedeckte Abstellflächen anbiete, derweil in Wolhusen und Sursee ungedeckte Mitarbeiterparkplätze zur Verfügung stünden.

Hansjörg Schmid, stellvertretender Spitaldirektor, hält in einer Stellungnahme im Intranet, die zeitgleich mit unserem Bericht aufgeschaltet wurde, folgendes fest: Die Aussage zur Querfinanzierung greife zu kurz. Trotz dreier Standorte handle es sich um ein gemeinsames Unternehmen, Investitionen würden folglich «standortübergreifend geplant und getätigt». Ziel sei es, die Angestellten aller Standorte möglichst gleichzubehandeln, wie dies zum Beispiel bei den Löhnen der Fall sei. Daher halte man an den neuen Tarifen fest. Die Kommunikationsbeauftragte Bettina Wildi ergänzt: «Das Luks hat beträchtliche Mittel ins Mobilitätsangebot investiert. Die Mitarbeiter in Sursee und Wolhusen haben in der Vergangenheit von tieferen Tarifen profitiert. Auch wird dort im Gegensatz zu Luzern bisher auf einen Sperrkreis verzichtet.»

Auch Patienten und Besucher zahlen bald mehr
Auch die Parktarife für Besucher und Patienten werden mit dem Jahreswechsel angepasst. «Die Stundentarife werden zwischen 20 und 50 Rappen erhöht und betragen im Parkhaus in Luzern tagsüber neu 3,20 Franken, in Wolhusen und Sursee künftig 2 Franken», sagt Andreas Meyerhans, Leiter der Unternehmenskommunikation. «Zugleich werden die Tarife neu in viertel- statt halbstündlichen Einheiten getaktet.» Das Tagesmaximum beträgt in Wolhusen 6 Franken, in Sursee und Luzern 38. Mittelfristig ist in Wolhusen eine Erhöhung geplant. Beim Areal am Standort Luzern werden ab Januar tagsüber neu progressive Gebühren ab 4 Franken pro Stunde erhoben, um den Verkehr Richtung Patienten- und Besucher-Parkhaus zu verlagern. (fi)

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