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FERNSEHEN: Brustvergrösserung vor Millionenpublikum

Sich den Busen vor laufender Kamera operieren lassen – das ermöglicht ein Luzerner Arzt. Eine Psychologin warnt vor solchen Eingriffen.
Astrid Longariello
Der plastische Chirurg Jürg Häcki in seiner Lucerne Clinic, wo die Brustvergrösserungen durchgeführt werden. (Bild Pius Amrein)

Der plastische Chirurg Jürg Häcki in seiner Lucerne Clinic, wo die Brustvergrösserungen durchgeführt werden. (Bild Pius Amrein)

Die Lucerne Clinic unter der Leitung von Jürg Häcki machte in den vergangenen Monaten von sich reden. Sie bot eine Brustvergrösserungsoperation für jeweils zwei Freundinnen an. Dadurch bezahlen die beiden nur 7900 Franken statt 8900 Franken pro Person.

Bereits 38 Busenfreundinnen hätten sich angemeldet. «Alles hat angefangen mit der Anfrage zweier jungen Frauen. Diese wollten wissen, ob es einen Busenfreundinnen-Rabatt gebe, wenn sie zu zweit kämen», erinnert sich Häcki. «So starteten wir eine Kampagne über Facebook, Homepage und andere Medien. Davon erfuhr auch der Sender RTL und unterbreitete mir die Idee eines Beitrages in ‹RTL explosiv›. Das heisst, die Patientinnen würden von ihrem ersten Besuch an, während der Operation und bei der Nachbehandlung gefilmt.» Die Operation ist für die Teilnehmerinnen dann gratis.

«Wie bei Homosexualität»

Jürg Häcki weiss, dass Brustoperationen nicht nur auf Verständnis stossen. «Es ist ein bisschen wie bei der Homosexualität», auch dieses Thema sei für viele noch heikel. «Betroffene wissen nicht, soll ich mich nun outen, und wie reagieren die Leute, wenn wir uns in aller Öffentlichkeit sogar küssen?» Deshalb legt Häcki grossen Wert auf genaueste Aufklärungsarbeit bei den Frauen. «Sie müssen wissen, worauf sie sich einlassen, was die Risiken sind und welche Vorstellungen sie genau haben», so Häcki. «Ich rede nie über schön oder nicht schön, da dies immer eine persönliche Bewertung ist. Am Schluss muss es der Patientin gefallen und nicht mir.»

Auch eine 50-jährige Luzernerin liess sich ihren Busen vor gut 20 Jahren vergrössern. Doch mit der Zeit hat sich ihr Busen verhärtet, und jetzt müsste sie die alten Implantate entfernen und neue einsetzen lassen. «Doch dafür fehlt mir schlicht und einfach das Geld», bedauert sie. «Man hat mich damals darüber nicht informiert.» Nur wenn solche Verhärtungen von Schmerzen begleitet werden, übernehmen Krankenkassen das Entfernen der alten Prothesen. Falls jemand neue Implantate wünscht, kostet dies in der Lucerne Clinic 3500 Franken.

Auffällige Persönlichkeiten

Wer an der Aktion «Busenfreundinnen für Brustvergrösserungen gesucht» teilnimmt, setzt sich aber nicht nur gesundheitlichen Risiken aus, sondern auch einer enormen psychischen Belastung. Die Frauen müssen sich vor einem Millionenpublikum entblössen und treten aus der Anonymität heraus – für immer.

Gemäss einer in Luzern praktizierenden Psychologin handelt es sich bei Frauen, die sich die Brüste vergrössern lassen, um strukturmässig auffällige Persönlichkeiten. «Meist liegen sie altersmässig zwischen Pubertierenden und Erwachsenen, und man müsste vor einem solchen Eingriff viele Aspekte beachten. Dazu gehören Umfeld, soziales Milieu, und es müssten ausführliche Interviews mit den Betreffenden geführt werden», so die Psychologin. Ihrer Meinung nach seien Probleme in den meisten Fällen vorprogrammiert. Denn die meisten seien mit nur einer Vergrösserung des Busens nicht zufrieden – schon bald strebten sie noch grössere Brüste an. Trotzdem ist auch die Psychologin der Meinung, dass die Betroffenen eine Operation unter allen Umständen anstreben. «Die meisten leiden schon in der Pubertät, werden gehänselt und ausgelacht, sodass es für sie nichts anderes mehr gibt.»

Eine junge Frau, die anonym bleiben will, kann solche Operationen absolut nicht nachvollziehen. «Ich litt an Brustkrebs, und man musste mir beide Brüste amputieren. Wie kann man seinen Körper solchen Strapazen bloss aus Schönheitsgründen aussetzen?», sagt sie.

Recht auf eigene Wünsche

Für Jürg Häcki ist klar, dass sich die Frauen nach einer Operation glücklich fühlen. «Ich habe schon viele Freudentränen erlebt.» Er findet es schade, dass die Menschen so wenig Toleranz gegenüber aussergewöhnlichen Wünschen anderer Menschen zeigen. «Eine mündige Person soll das Recht haben, eigene Wünsche auch ohne Rechtfertigungen zu erfüllen. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass ich die Frauen vollumfänglich berate und manchmal Operationen auch ablehne», zieht der Arzt Fazit.

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