FERNSEHTIPP: «Todespfleger»: Fall und Hintergründe am TV

Mindestens 22 betagte Menschen gehen auf das Konto des «Todespflegers» des Betagten­zentrum Eichhof in Luzern. Jetzt wird der Fall im Fernsehen neu aufgerollt. Auch der damalige Heimarzt kommt zu Wort.

Drucken
Teilen
Gerichtszeichnung von Roger A. (Bild SF)

Gerichtszeichnung von Roger A. (Bild SF)

Am 28. Juni 2001 wird Pfleger Roger A. im Betagtenzentrum Eichhof in Luzern verhaftet. Er wird verdächtigt, eine oder mehrere Patientinnen getötet zu haben. Bald darauf gesteht der 32-Jährige fünf Tötungen. Erst Monate später wird klar: Pfleger A. hat über Jahre hinweg immer wieder betagte und teilweise demente Menschen in verschiedenen Institutionen vergiftet und erstickt. 22 Fälle werden ihm nachgewiesen. Bei vielen habe er einen Todeswunsch gespürt, aber niemand habe ihn um den Tod gebeten, gesteht er später ein. Zumeist vergiftete er seine Opfer mit Beruhigungsmitteln und erstickte sie darauf – falls nötig – mit einem Plastiksack, den er ihnen aufs Gesicht drückte. Weil A. sich nicht mehr exakt erinnerte, werden acht weitere Fälle wohl für immer ungeklärt bleiben. A. hat vom Kriminalgericht die Höchststrafe erhalten: lebenslänglich.

Selbstmitleid als Tatmotiv
Die Ermittlungen ergeben, dass A. aus Überforderung getötet hatte. Er, der Lebenslustige, der eigentlich Tanzlehrer werden wollte und in seiner Freizeit Platten auflegte, konnte die Situation sterbenskranker, dementer Patienten nicht ertragen. Nicht Mitleid, wie angegeben, sondern Selbstmitleid war sein Tatmotiv.

Im Film «Der Todespfleger aus der Innerschweiz» von Elvira Stadelmann aus der «DOK-Serie» «Kriminalfälle – Schweizer Verbrechen im Visier» erinnern sich ehemalige Kollegen und Vorgesetzte von Pfleger A. an seine zwei Persönlichkeiten: einerseits die beliebte Frohnatur, die Partys feierte, anderseits der Berufsmann, der keine Kritik und keinen Druck ertrug, wie es in der Vorschau heisst.

Frühe Erfahrungen mitschuldig
Gerichtspsychiater Andreas Frei, der ihn mehrmals begutachtet hat, führt dies auch auf den Stiefvater zurück, der ihn stets als Verlierer bezeichnet hatte. Der Heimarzt des Betagtenzentrums Eichhof, Felix Baumann, erinnert sich eindrücklich an die Gründe, wieso er ein knappes halbes Jahr gezögert hatte, Meldung zu machen, obwohl er über Unregelmässigkeiten in A.s Schicht informiert war. Strafrechtsprofessor Christian Schwarzenegger spricht diesebezüglich von «Aufdeckungsbarrieren».

Allen Involvierten der Fall alles ab: Für Daniel Bussman war der Fall des Todespflegers A. «das Gröbste», was er in seiner 18-jährigen Tätigkeit als Chef der Kriminalpolizei erlebt hat. Und Gerichtsmediziner und Kantonsarzt Rudolf Hauri musste 142 Krankheitsgeschichten analysieren, um die Taten von A. zu beweisen, wozu auch fünf Exhumierungen nötig waren.

scd

HINWEIS
Dienstag, 4. August 2009, 21.05 Uhr, SF 1