FESTAKTIVITÄTEN: Polizisten schieben Überstunden bis ans Limit

Anlässe wie aktuell das Jodlerfest, die Euro oder das Blue Balls bescheren der Polizei massiv viele Überstunden. Alain Prêtre, Präsident des Polizeibeamtenverbandes der Stadt Luzern, spricht von einer «dramatischen Entwicklung».

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Alain Prêtre, Präsident des Polizeibeamtenverbandes der Stadt Luzern. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Alain Prêtre, Präsident des Polizeibeamtenverbandes der Stadt Luzern. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Krawalle am FCL-Match, Hupkonzerte an der Euro, Grossanlässe wie das Jodlerfest oder das Blue Balls: Stets ist die Stadtpolizei vor Ort und sorgt für Sicherheit. Darunter zu leiden haben die Angestellten. «Der städtische Raum wird immer stärker kommerzialisiert und die Polizisten müssen das dann ausbaden», sagt Alain Prêtre, Präsident des Polizeibeamtenverbandes der Stadt Luzern stellvertretend für die rund 230 Angestellten. Ihn ärgern die vielen Anlässe und Feste. Jüngstes Beispiel sei das Eidgenössische Jodlerfest. «Man hätte den Anlass nicht unbedingt ins Zentrum verlagern sollen», sagt er.

Verelffachung in sechs Jahren
Für Prêtre ist klar: «Die Entwicklung im Ordnungsdienst ist dramatisch und für die Polizisten eine grosse Zusatzbelastung.» In Zahlen ausgedrückt heisst das: 2001 leisteten die rund 230 städtischen Mitarbeiter noch 3238 Stunden Ordnungsdienst. 2007 waren es bereits 37'597 Stunden. Das ist 11-mal mehr.

Das Ganze ist ein Teufelskreis: «Weil die Zahl der Überstunden dermassen hoch ist, können die Polizisten diese meistens nicht einmal mehr mit Feiertagen kompensieren. Vielmehr müssen diese ausbezahlt werden», sagt Prêtre. Während jüngere Mitarbeiter auf Grund des zusätzlichen Entgelts mit der Situation besser klar kämen, sorgt dies laut Prêtre insbesondere bei älteren Polizisten und Familienväter für Missmut. 2007 hat die Stadt laut Polizeimediensprecher Richard Huwiler mehrere Hundertausend Franken für geleistete Überstunden ausbezahlt. Im Kanton ist die Situation ähnlich dramatisch.

Hoffnung auf Fusion
Hoffnung setzt Prêtre jetzt in den bevorstehenden Zusammenschluss von Stadt und Kantonspolizei, dem der Kantonsrat am Montag zugestimmt hat. Durch die Fusion sollen 21 Stellen wegen Doppelspurigkeit hauptsächlich an «die Front» verlegt werden. Zusätzlich gibt es eine Aufstockung von 40 Personen. «Die Stadtpolizisten könnten so etwas entlastet werden.» Wichtig sei aber in erster Linie, dass die Anzahl der Einsätze an kommerziellen Anlässen nicht weiter ansteigen würde. Prêtre: «Wenn die Entwicklung in diesem Masse weitergeht, wird die Entlastung durch die 40 Zusatzstellen gleich wieder verpuffen.»Die neuen Polizisten sollen über die nächsten vier Jahre gestaffelt ausgebildet werden.

Stefan Roschi

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Luzerner Zeitung.